Saubere Lösung

Spezial Medizintechnik

Steuerungstechnik – Eine kostengünstige Kleinsteuerung sorgt für perfekte Hygiene im Krankhaus.

02. November 2011

Ein wichtiger Kostenfaktor in den Krankenhäusern ist die Zentralsterilisation für Instrumente und Textilien: Hier sind professionelle Reinigungs- und Desinfektionsgeräte (RDG) gefordert, wie sie die 1978 gegründete BHT Hygienetechnik GmbH in Gersthofen bei Augsburg produziert. Bedient und gesteuert werden die Anlagen mit Hilfe einer SPS mit bis zu 16 Programmen, die die korrekte Ausführung aller Waschparameter und somit optimale Resultate sicherstellt. Um seine Marktposition weiter auszubauen, suchte BHT nach einem modernen Steuerungs- und Bedienkonzept, das auf Basis des offenen Standards IEC 61131 programmiert wird und in einer gemeinsamen Anwender-Software unterschiedliche Serien und Typen abbildet. Zudem sollte die Lösung offene Kommunikations-Schnittstellen besitzen und vielfältige Kombinationsmöglichkeiten bieten, um eine hohe Flexibilität zu eröffnen. Daneben wünschten sich die Schwaben für die Hardware anstelle aufwendiger Sonderentwicklungen kostengünstige Katalogware, die ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis ermöglicht. Nicht zuletzt gefordert war zudem eine schnelle und einfache Einarbeitung in die Hard- und Software-Planung sowie eine intuitive Bedienung durch das medizinische und das Service-Personal.

Aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit im Bereich elektronischer Komponenten und Steckverbinder realiserten die Verantwortlichen bei BHT das Steuerungsprojekt gemeinsam mit dem ostwestfälischen Automatisierungsspezialisten Phoenix Contact. Dessen Applikationsingenieure erarbeiteten das Bedienungs- und Visualisierungs-Interface und übernahmen zudem die Erstellung des Lastenhefts sowie die Konzeption der Hard- und Software. Der Reinigungsgerätehersteller wiederum kümmerte sich parallel dazu um das neue Design der Reinigungsautomaten mit dem Ziel, die Benutzerfreundlichkeit zu erhöhen.

Einfache Programmierung

Kernelement der Reinigungs- und Desinfektionsgeräte ist eine Inline-Kleinsteuerung der Baureihe ILC 100 von Phoenix Contact, die um I/O-Module für die Verarbeitung von Digital- und Analogwerten ergänzt wurde. Programmiert werden die Kleinsteuerungen mit der Engineering-Umgebung PC Worx gemäß IEC61131 in der Sprache Strukturierter Text. Die Reinigungstechnikspezialisten aus Schwaben definierten dazu einen umfangreichen Anforderungskatalog, der die unterschiedlichen Maschinenserien und Optionen in Software abbildet. Die Programme lassen sich einfach mit einem Text-Editor oder einem spezifischen Konfigurations-Tool des Anwenders anpassen, sodass der Betreiber sich nicht mit der Programmier-Software PC Worx auseinandersetzen muss. Über die benutzerdefinierte Konfigurations-Software lassen sich alle Parametersätze für die Bedienung sowie die Konfigurationsdaten der Geräte im laufenden Betrieb ändern.

Die offene Software-Plattform liest beim Systemstart sämtliche konfigurierbaren Parameterdateien in das Programm ein – und zwar zunächst die Grundparameter der aktuellen Reinigungs- und Desinfektionsgeräte und danach die anwenderspezifischen Waschmaschinen-Daten. Das Waschprogramm selbst startet optional über eine Korb-Codierung. Daten zu weiteren Systemen und Peripheriegeräten werden über ein offenes Dateiformat ausgetauscht.

Integrierter Fernzugriff

Als Bedien- und Visualisierungseinheit fungiert ein per Touchscreen bedienbares Farb-LCD-Panel mit sieben Zoll Bildschirm-Diagonale, das sowohl in der Basisversion als auch bei den optionalen Varianten der Reinigungs- und Desinfektionsgeräte genutzt wird. Das Bedienkonzept umfasst zwei Ebenen: Während die erste Ebene dem Anwender zur Maschinenbedienung offensteht, ermöglicht eine zweite, durch ein Passwort geschützte Ebene eine Anpassung der Bediener- und Service-Daten. Die integrierte Web-Technologie erlaubt den Zugriff über einen Internetbrowser. Die Durchreiche-Maschinen besitzen auf der Reinseite zudem optional ein 4,5-Zoll-Farb-TFT-Panel von Phoenix Contact zur Visualisierung der Informationen.

Entscheidend für die Wahl der Steuerung war auch ihre kompakte Größe für den Einbau in den Schaltkasten der Reinigungs- und Desinfektionsgeräte mit den Außenmaßen 560 x 380 x 160 Millimeter, der sämtliche Hardware-Komponenten einschließlich der Stromversorgung aufnehmen muss. Durch die Vielzahl unterschiedlicher I/O-Module lässt sich die Hardware flexibel an die vom jeweiligen Endkunden geforderte Ausbaustufe adaptieren. Der modulare Aufbau der Lösung ermöglicht es dabei, das Grundsystem flexibel auszubauen und an das jeweilige Reinigungs- und Desinfektionsgerät anzupassen. Zum Beispiel lassen sich jederzeit Erweiterungsmodule wie etwa Ein- und Auslaufbänder für die bis zu 80 Kilogramm schweren beladenen Körbe in die Anlage einbinden. Durch entsprechende in den Programmen hinterlegte Bausteine wird die Software-Konfiguration dabei automatisch an die vorhandene Hardware angepasst.

Markus Fürg, der bei BHT verantwortlich ist für die Entwicklung und Produktion, stellt abschließend fest: »Phoenix Contact hat alle Absprachen und Termine genau und fristgerecht eingehalten. Mögliche organisatorische oder technische Probleme wurden sofort behoben. Insgesamt haben wir unser Ziel moderner und benutzerfreundlicher Reinigungs- und Desinfektionsgeräte schneller und mit besserem Ergebnis erreicht, als von uns geplant.«bt

Erschienen in Ausgabe: 08/2011