Saubere Lösung

Gehäuse – Die Herstellung von Lebensmitteln in offenen Prozessen, wie sie beispielsweise in der Fleisch- und Fischverarbeitung die Regel sind, stellt höchste Ansprüche an die Hygiene und Sauberkeit der Maschinen. Entscheidend ist dabei auch das Design der Gehäuse.

27. Februar 2008

Ein besonders kritischer Punkt bei der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln sind die sogenannten offenen Prozesse, bei denen die Lebensmittel direkt oder indirekt mit dem Fertigungsequipment in Berührung kommen. Im Gegensatz etwa zu Brauereien, bei denen Kessel und geschlossene Rohrleitungen die Produktion bestimmen, sind offene Prozesse vor allem in Molkereien, Käsereien, Fleischereibetrieben und bei der Verarbeitung von Eiern und Fisch weit verbreitet. Die reinigungsgerechte Gestaltung dieser Produktionsanlagen ist deshalb sehr wichtig. Einen hohen Stellenwert hat die Reinigbarkeit der Anlagen daneben bei der Herstellung von Tiefkühl- und Fertiggerichten, Bäckerei-Produkten oder anderen leicht verderblichen Lebensmitteln.

Hohe Ansprüche

Als roter Faden dient dabei die Guideline 13 der European Hygienic Engineering and Design Group (EHEDG), eines internationalen Zusammenschlusses mehrerer Industrie- und Forschungspartner mit der Aufgabe, die Hygiene bei der Verarbeitung und Verpackung von Lebensmitteln zu verbessern. Das Hauptziel der Arbeitsgruppe besteht in der Veröffentlichung von Anforderungen an ein »Hygienic Design«, die sich mit standardisierten Testmethoden verifizieren lassen. Um einen einheitlichen Lebensmittelstandard zu erstellen, haben der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels und die französische Fédération des Entreprises du Commerce et de la Distribution einen weltweiten Maßstab für Qualität und Lebensmittel-Sicherheit entwickelt. Dieser International Food Standard IFS regelt eine einheitliche Überprüfung aller Fertigungsstufen, die an landwirtschaftliche Erzeugung anknüpfen bzw. in denen Lebensmittel bearbeitet werden.

Probleme durch Mikroben

Eine Gefahr für den Zustand von Frischlebensmitteln sind neben Fremdkörpern vor allem Mikroorganismen. Probleme bereitet dabei vor allem die Möglichkeit zur Kreuzkontamination durch die Bediener der Maschine, die direkten Kontakt zu den hergestellten Lebensmitteln wie auch zu den Maschinen haben. Vor allem Schaltschränke und Bedienpanels müssen sich deshalb besonders wirkungsvoll reinigen und sauber halten lassen. Der Gehäusespezialist Rittal im hessischen Herborn hat daher ein Gehäusesystem aus Wandgehäusen und Bedienpanels entwickelt, das höchsten Ansprüchen an das »Hygienic Design« genügt. Die größeren Vertreter können wahlweise auch am Boden installiert werden, wobei die Untergestelle mit Gitterkanälen zum Einsatz kommen können.

Reinigung hat höchste Priorität

Sämtliche Komponenten der völlig neu entwickelten Produktfamilie sind bis ins Detail auf höchste Hygiene ausgelegt. Leichte und rückstandsfreie Reinigung hat dabei oberste Priorität. So besteht die gesamte Baureihe ausschließlich aus Edelstahl, der sich schnell und sicher reinigen und desinfizieren lässt. Zudem besitzen die neu entwickelten Gehäusesysteme zum Beispiel weder Spalten noch außen liegende Scharniere, in denen sich Bakterien oder andere schädliche Mikroorganismen festsetzen und vermehren könnten. Bei den Standfüßen etwa ist die Gewindespindel für die Nivellierung durch eine Hülse komplett abgedeckt und dauerhaft abgedichtet, sodass das mühevolle Reinigen und Desinfizieren der Gewinde entfällt.

Wichtig beim Thema Reinigung ist auch die gute Zugänglichkeit der Systeme. Zum Gehäusesystem gehören deshalb auch spezielle hygienische Abstandhalter für die Wandbefestigung sowie Untergestelle, deren Design sich an den Vorgaben der EHEDG orientiert. Zur Abdichtung von Gehäuse und Gehäusetür verwenden die hessischen Gehäusespezialisten Silikon, das beständiger ist gegen Säure, Laugen und Reinigungsmittel als Polyurethan.

Den Vorgaben der EHEDG entspricht zudem die Dachkonstruktion der Gehäuse: Durch die Neigung von 30 Grad lässt sich auf dem Gehäuse nichts abstellen, zudem ist die Fläche optimal einsehbar, und Flüssigkeiten können schnell und rückstandslos ablaufen.

Saubere Kabeldurchführung

Integraler Bestandteil des Baukastens ist außerdem eine patentierte Kabelverschraubung aus Edelstahl mit glatten, abgerundeten Oberflächen ohne Hohlräume, Spalte und außen liegende Gewinde, die mögliche Ansatzpunkte für Schmutznester liefern könnten. Der komplette Klemm- und Dichtungsmechanismus verbirgt sich unter der bis zur Anbau-Oberfläche reichenden Hutmutter, die ebenfalls nach EHEDG-Richtlinien hygienegerecht konzipiert wurde. Der Übergang zum Gehäuse sowie zum Kabel erfolgt dabei über bündig abschließende Dichtungen aus lebensmittelechtem Material, das durch eine blaue Farbgebung deutlich zu erkennen und klar von Lebensmitteln zu unterscheiden ist. Die sichere Zugentlastung der eingeführten Kabel gewährleistet eine doppelte Fixierung über die innere Dichtung sowie über zusätzliche Klemmbacken.

Die kompakten Schränke eignen sich auch für den Einsatz als Bediengehäuse zum Einbau von Tastaturfeldern oder berührungsempfindlichen Bildschirmen. Für diese Lösung an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine entwickelte Rittal gezielt für den Einsatz in der Food-Industrie einen stabilen Edelstahl-Tragarm mit einem Durchmesser von 70 Millimetern (statt der üblichen 46 Millimeter), dessen Verbindungselemente keinerlei außen liegende Befestigungselemente oder scharfkantige Übergänge besitzen. Der größere Durchmesser erleichtert die Einführung vorkonfektionierter Kabel mit Stecker.

Heinz Schmitt, Rittal/bt

Fakten:

- Außenflächen aus Edelstahl lassen sich schnell und sicher reinigen.

- Schräge Oberflächen verhindern die Ablagerung von Schmutz.

- Abstandhalter ermöglichen die Reinigung der Anlagen hinter dem Gehäuse.

- Glatte Kabeldurchführungen verhindern die Bildung von Schmutznestern.

Erschienen in Ausgabe: 01/2008