Saubermänner

Technik

Leitungen – Unglaublich anspruchsvoll sind Reinraumanwendungen oder die Lebensmittelindustrie, wenn es um Leitungen geht. Darauf weiß TKD-Kabel eine Antwort – mit ihrer angepassten Produktreihe Cleanline.

20. September 2011

Als die Reinräume aufkamen, gab es Kabel, so erinnert sich Michael Andris, Leiter Technik und Produktmanagement bei TKD-Kabel, die enthielten Fließstoffe oder Talkum. »Das waren für die Mikrosystemtechnik wahre Brocken, die durch die Luft fliegen. In der Herstellung von Wafern zum Beispiel machte sich niemand Gedanken über die verbauten Kabel. Dann musste man feststellen, dass jegliche Emissionen aus den Kabeln tödlich sind für die Siliziumscheiben. Jeder Mikrometer Staub kann diese aufwendigen Prozesse empfindlich stören.«

Einen Ausfall kann sich in Bereichen mit Reinraumfertigung kein Hersteller leisten, der Wettbewerb ist zu stark und das Investitionsvolumen zu groß, sagt Michael Andris. »Es gilt, schneller, besser und wirtschaftlicher zu produzieren. Auf Billigkabel lässt sich darum niemand ein.«

TKD stellte sich dieser Herausforderung und konstruierte die reinraumtauglichen Kabel der Baureihe Cleanline. »Sie erlauben keine Migration von Inhaltsstoffen und sie setzen keine leicht flüchtigen Bestandteile wie Vlies, Faserstoffe oder Talkumpuder frei«, erklärt Andris,. »Wir haben damals eine Fertigungsumgebung geschaffen, die in sich schon fast ein Reinraum darstellt. Die Leitung wurde vom Fraunhofer-Institut IPA getestet und zertifiziert. Sie wurde in der Schleppkette mehrere Millionen Mal bewegt und dabei die Emissionen gemessen. Wir haben die Tests bestanden und die ISO-Klasse drei bekommen.«

Die Kabel der Baureihe Cleanline von TKD gehören zur Leiterklasse 6, sind hochflexibel in einem großen Temperaturspektrum. Sie weisen hohe mechanische Parameter auf, da sie polyurethanisoliert sind. Das erhöht die Prozesssicherheit und gewährleistet eine fehlerfreie Produktion.

»Die Cleanline ist eindeutig eine Schleppkettenleitung«, erklärt Michael Andris, »sie ist konstruiert für Einsätze, in denen Bewegung stattfindet, zum Beispiel bei Robotern oder in Energieführungsketten.« So leicht ist die Einordnung nicht immer, weiß er: »Der Kabelsektor ist riesengroß geworden, der Durchblick fällt schwer.« Zum Einsatz kommt die Cleanline in der Halbleiter- oder Mikrosystemfertigung, in der Medizin- und Pharmatechnik, der Lebensmittelindustrie sowie in Feinwerktechnik, Optik oder Verpackungstechnik.

Keine Allerweltskabel

Ein Kabel stellt mehr dar, als die meisten denken. »Viele Einflussgrößen und Parameter sind zu berücksichtigen. Darum steht die Qualität im Vordergrund«, sagt Andris. »Bei einem guten Datenkabel zum Beispiel schicken Sie 100 Prozent hinein und bekommen 95 Prozent heraus. Bei einem Allerweltskabel haben Sie nur 60 Prozent Ausbeute. Dann fragt sich der Mitarbeiter an der Steuerung oder am Roboter, warum das nicht funktioniert.«

Darum ist es wichtig, sich zu positionieren. »Wir sind die Nummer 3 im Kabelmarkt«, ordnet Michael Andris TKD ein. »Wir sind aufgrund unserer flexiblen Vertriebsstruktur und der kleinen Einheiten sehr flexibel, haben kurze Reaktionszeiten bei Angebot, Auftragsbearbeitung und Lieferung und wir gewährleisten unseren Kunden eine wirtschaftliche Beschaffung, da wir über ein Komplettangebot aus einer Hand verfügen.« TKD produziert nicht die große Masse, sondern konzentriert sich auf Spezialkabel für spezifische Anforderungen.

»Gerade die Leitungen für Schleppketten und Roboter, wie auch die Cleanline, gehören zu unseren Spezialitäten. Wir haben zahlreiche Ausführungen für unterschiedliche Verfahrgeschwindigkeiten, Beschleunigungen, Verfahrwege oder Zyklenzahlen im Programm, denn es ist signifikant, ob eine Kette 50 Meter langsam zurücklegt oder immer nur einen Meter mit einer Beschleunigung, die man mit dem Auge fast nicht verfolgen kann. Für solch extreme Anforderungen sind unsere Schleppkettenleitungen ausgelegt.« Dieses Know-how kommt nicht von ungefähr: Der Ursprung des TKD-Standortes in Pliezhausen ist das Unternehmen namens Kabel Wächter. »Das ist eine sehr bekannte Marke im Kabelmarkt. Der Herr Wächter war ein Pionier bei den Schleppkettenleitungen und hat viel mit neuen Materialien experimentiert.«

Alles abdecken

Das Cleanline-Programm umfasst vier verschiedene Variationen. »Mit diesen bewegen wir uns am Markt und können, aufgrund der Querschnitte und Aderzahlen, mit geschirmten, ungeschirmten und paarigen Leitungen ein großes Programm abdecken«, erläutert Michael Andris.

Die größten Stärken der Cleanline-Serie sieht er im Einsatz in der Medizintechnik und der Mikrosystemfertigung. Weitere wichtige Bereiche sind die Lebensmittel- und Verpackungsindustrie. »Dort herrschen heute schon Reinraumbedingungen. Allein wenn ein Metzger in der Fleischfabrik ein Handzerlegegerät benutzt, ist dort ein Kabel dran und das bedeutet automatisch eine Gefährung des Lebensmittels.Unsere Clean-line kann das verhindern.«

Auf einen Blick:

Michael Andris

- Ausbildung zum Automechaniker und Verfahrensmechaniker Kunststoff.

- Affinität zu Motorrädern, eigene Harley Davidson.

- Mit 19 ins Kabelwerk Villingen, 17 Jahre dort, erst in der Produktion, anschließend Vorarbeiter.

- Weiterbildung zum Industriemeister Kunststoff- und Kautschuktechnik und zum technischen Betriebswirt, danach Entwicklungs- und Produktlinienleiter, wieder im Kabelwerk.

- Seit 2003 bei TKD: Produktmanagement für die gesamte Gruppe, Leitung der Technik, Prokurist.

Erschienen in Ausgabe: 07/2011