Schafft Platz und Ordnung

Prozessautomation

Leittechnik - Mit den neuen Klemmen der Baureihen PRV und PPV in Push-in-Direktstecktechnik von Weidmüller lassen sich Signale einfach und platzsparend rangieren oder verteilen. Auch im Chemiepark Marl kommt das System zum Einsatz.

12. Dezember 2012

In leittechnischen Anlagen der Pharma- oder Chemieindustrie sowie der Kraftwerkstechnik sind in der Rangierebene oftmals Rangierverteiler mit Termi-Point-, Wire-Wrap- oder Lötanschlusstechnik zu finden. Sowohl bei der Erstverdrahtung, bei Wartungs-, Revisions- oder Umverdrahtungsarbeiten kann der Installateur beim Hantieren mit den Verdrahtungs- oder Schneidwerkzeugen sowie dem Schraubendreher in den »blank« liegenden Anschlüssen Kurzschlüsse verursachen.

Beim Löten können Löttropfen in die Anlage fallen – sodass Anlagenteile ausfallen können. Auch sind zum Beschalten von Termi-Point- und Wire-Wrap-Anschlüssen teuere Spezialwerkzeuge notwendig. Fallen Umverdrahtungsarbeiten an, muss die Anschlussstelle zerstört werden. Auch das Einschleifen von Messgeräten oder Testschaltungen ist aufwendig.

Einmal gesteckt und los

Weidmüller hat sich dieser Problematik angenommen und bietet mit den Rangier- und Potenzialverteilerklemmen PRV und PPV für die Leittechnik eine alternative Lösung. Beide Produktfamilien gestatten ein einfaches, präzises Rangieren und Verteilen von elektrischen Signalen – bei minimiertem Platzbedarf. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung der Zugfederanschlusstechnik, die als Direktstecktechnik ausgeführt ist.

Weiterhin erlauben die Klemmen einen praxisorientierten und übersichtlichen Aufbau der elektrischen Anlage. Der Installateur wird durch das spezielle Design des Rangierverteilers bei der Zuordnung des Leiters auf die Klemmstelle geführt. Die Rangier- und Potenzialverteilerklemmen PRV und PPV sind besonders kompakt ausgeführt. Die derzeit laut Unternehmensangaben weltweit einzigartige 16-fache PRV-Mehrstockreihenklemme ist in der weiterentwickelten Zugfederanschlusstechnik Push-in ausgeführt und kann sogar mehr als 1.700 Signale pro Meter verteilen.

Beim Push-in-Anschlusssystem wird der abisolierte massive Leiter einfach bis zum Anschlag in die Klemmstelle gesteckt, danach ist fertig verdrahtet. Selbst feindrähtige Leiter mit aufgecrimpten Aderendhülsen lassen sich problemlos auf diese Weise anschließen. Auch die Verwendung von Aderendhülsen mit Kunststoffkragen ist sichergestellt. Die klemmbaren Leiterquerschnitte sind: ein-/feindrähtig von 0,2 bis 1,5 mm2 und eindrähtig mit Aderendhülse von 0,14 bis 1,5 mm2. Das Push-in-System reduziert somit die Montagezeit. Eine zuverlässige, rüttelsichere und gasdichte Verbindung ist hergestellt.

Push-in ist nach dem Zugfeder-Prinzip konzipiert, das bedeutet, die Edelstahlfeder für den Leiteranschluss wird separat im Gehäuse bzw. in einer aus Kupferwerkstoffen hergestellten Stromschiene gehalten. Dieses Konstruktionsprinzip gewährleistet eine Trennung von mechanischer und elektrischer Funktion. Das Lösen des angeschlossenen Leiters erfolgt mit einem Standardschraubendreher, weder Anschlussstelle noch Leiter werden dabei beschädigt.

Im Gegensatz zur Termi-Point-, Wire-Wrap- oder Lötanschlusstechnik sind die Anschlussstellen der neuen Rangier- und Potenzialverteilerklemmen PRV und PPV isoliert ausgeführt, sodass der Anwender keine spannungsführenden Teile berühren kann. Damit entspricht die Anschlussstelle den einschlägigen nationalen und internationalen Normen.

Zum Einsatz kommen die Rangierverteilerklemmen PRV beispielsweise im Chemiepark Marl im nordwestlichen Ruhrgebiet. Mehr als 100 Produktionsbetriebe prägen das geschäftige Gelände des Chemieparks. Zwei Kläranlagen und drei Kraftwerke versorgen das 6,5 Quadratkilometer große Produktionsgelände. Betreiber des Chemieparks Marl ist die Infracor GmbH, ein Unternehmen der Evonik Industries. Der integrale Standortbetreiber und Chemiedienstleister plant unter anderem sämtliche Schaltanlagen und Rangierverteilungen auf dem Gelände. Für die Ausstattung seiner Rangiergerüste suchte Infracor nach einer fortschrittlichen Lösung, welche die alten Rangierverbinder mit Termi-Point-Anschluss ablöst – und fand sie in den Push-in-Rangierverteilerklemmen PRV von Weidmüller.

»Unsere neue Rangierverteilerlösung sollte auf dem neuesten Stand sein, sowohl in puncto Handling als auch was die Sicherheit betrifft«, fasst Karl-Heinz Niehues von Infracor seine Anforderungen zusammen. »Mit der Rangierverteilerklemme PRV konnte Weidmüller uns eine optimale Anschlusslösung bieten. Die Bauform ermöglicht eine hohe Kontaktdichte bei gleichzeitig verbesserter Übersichtlichkeit«, freut sich Niehues. Hinzu kommt, dass die Push-in-Direktanschlusstechnik Berührungssicherheit gegen versehentliche Kurzschlüsse sicherstellt, was bei Termi-Point-Anschlüssen derzeit nicht gegeben ist.

Ein weiterer Aspekt ist für Niehues die Identifikation. »Eine unzureichende, schlecht erkennbare Beschriftung stellt für uns ein hohes Risiko dar. Zur weiteren Optimierung der Sicherheit hat Weidmüller uns daher einen besonderen Support geboten: Da wir die Klemmenleisten in unseren Rangiergestellen vertikal montieren, erhalten wir Trennwände mit senkrecht lesbarer Beschriftung. Dies zusammen mit den übersichtlichen Anschlüssen und der werkzeuglosen Push-in-Anschlusstechnik sorgt für einen Gewinn an Anlagensicherheit.«

Das Design weist den Weg

Neben Infracor haben auch viele andere Anwender bei der herkömmlichen Realisierung der Rangier- und Verteilerebene Orientierungsschwierigkeiten. Dies ist gerade auch bei Erweiterungs- und Wartungsarbeiten eine unschöne Tatsache. Deshalb hat Weidmüller die Rangier- und Potenzialverteilerklemmen mit einer übersichtlichen Matrixkennzeichnung sowie farbigen Betätigungselementen versehen, die eine geführte Anordnung der Leiter auf die Reihenklemmen und somit eine einfache und schnelle Zuordnung der Signale erlauben.

Die Produktgestaltung unterstützt eine systematische Gliederung, von der groben Matrixorientierung bis zur exakten Feinorientierung mit farbig ausgeführtem Anschluss. Die Farbgestaltung und das Design sind dem Bitsystem angelehnt: 4 Bit = ein Nibble, 8 Bit = ein Byte und 16 Bit = ein Wort. Dadurch ist ein schnelles Auffinden der richtigen Klemmstelle gewährleistet .

Die Rangier- und Potenzialverteilerklemmen PRV und PPV lassen sich mit umfangreichen Betriebsmittelkennzeichnungen versehen. Bezeichnungsträger können an beliebiger Stelle gesetzt werden. Die Beschriftung der Trennplatten ist an beiden Seiten möglich, somit ist eine präzise und langfristige Orientierung gegeben.

Erschienen in Ausgabe: Industrie Handbuch/2013