Schlaue Verschlußsachen

Sicherheitstechnik - Schalt- und Serverschränke sowie manche -Steuerungseinrichtung sollten nicht für jedermann offenstehen. Ein neues funkbasiertes Schlüsselsystem erlaubt eine sichere und dennoch unkomplizierte Zugangskontrolle zu Schränken und Gebäudeteilen.

04. Juli 2005

Technischer Fortschritt entsteht manchmal auch durch einen Artikel in der Tagespresse: So fand der traditionsreiche Schloß- und Scharnierhersteller Dirak ein neues Geschäftsfeld, nachdem eine Lokalzeitung über den Verlust eines Generalschlüssels am Düsseldorfer Flughafen hatte. Der enorme Arbeits- und Kostenaufwand, den der Austausch sämtlicher betroffener Schlösser verursacht hatte, war für das Unternehmen aus Ennepetal der Anlaß, sein Angebotsspektrum zu erweitern. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Konstruktion, Herstellung und Montage mechanischer Verschluß- und Scharniertechnik für industriell genutzte Gehäuse und hat in diesem Tätigkeitsbereich eine führende Stellung auf dem Markt erreicht. Zusätzlich zu rein mechanischen Schwenkhebeln haben die Nordrhein-Westfalen jetzt auch eine Reihe von elektromechanischen Verschlußsystemen entwickelt, die keine mechanischen Schlüssel benötigen. Beim Verlust eines Generalschlüssels genügt es deshalb, lediglich die Schlösser auf einen anderen Zugangscode umzuprogrammieren.

Das System besteht aus einer Kombination von elektromechanischen Schwenkhebeln mit unterschiedlichsten Zugangsvarianten und einer leistungsstarken Software und ermöglicht ein umfassendes Sicherheitskonzept, vorwiegend im Bereich von Serverräumen und Datencentern. Einsatzgebiete finden sich jedoch nicht nur bei der Ausrüstung von Serverschränken für Rechenzentren in den unterschiedlichsten Branchen, sondern im gesamten industriellen Gehäusebau.

Grundlage der neuen Produktreihe mit der Bezeichnung E-Link ist ein mechanischer Schwenkhebel, der durch eine elektronische Zugangsapplikation neue Fähigkeiten erhält. Dabei stehen drei Varianten zur Wahl: In der einfachsten Form besitzt der Hebel eine integrierte Tastatur, über die sich ein vordefinierter Code eingeben läßt, der die Tür freigibt. Komfortabler ist die Transponder-Version: Diese gibt den Verschlußhebel frei, wenn der Anwender eine entsprechend programmierte Kunststoffkarte in seine Nähe hält. Die neueste Entwicklung ist jedoch eine funkbasierte Applikation. Zentrales Element ist hier ein elektronischer Schlüssel in der Tasche oder am Schlüsselbund des Benutzers: Er empfängt die Funksignale des Verschlußhebels und sendet darauf ein Identifikationssignal zurück. Zum eigentlichen Öffnen drückt die zugangsberechtigte Person eine an dem Hebel angebrachte Taste, und der ausgewählte Hebel entriegelt selbsttätig.

Dieser aktive Schlüssel erlaubt es zudem, weitere Funktionen zu integrieren, beispielsweise das Einschalten der Beleuchtung beim Betreten eines Raumes oder die Überwachung des Aufenthaltsorts von Mitarbeitern und Besuchern. Dadurch eignet sich das System nicht nur zur Zugangssicherung von Schaltschränken oder IT-Installation, sondern ermöglicht auch die Eintrittskontrolle von einzelnen Räumen oder ganzen Gebäudeteilen. Mehr Sicherheit verspricht der elektronische Schlüssel auch beim Transport von Geldkassetten, etwa bei Banken oder im Einzelhandel: Hier signalisiert ein Schlüssel an der Kassette, ob der Geldkoffer sich stets in der Nähe eines Mitarbeiters befindet, damit das erforderliche Sicherheitsniveau immer eingehalten wird.

Verwaltet, gesteuert und überwacht wird das gesamte System von einer speziell entwickelten, auf Windows basierenden Software mit dem Erscheinungsbild ähnlich der weitverbreiteten Kommunikationslösung Outlook. Dieses -Benutzerportal verschafft dem Anwender jederzeit eine detaillierte Darstellung des aktuellen Verriegelungsstatus der Schlösser und -ermöglicht so eine permanente zentrale Kontrolle des Zugangs zu allen Schränken und Räumen. Die Software benutzt eine hoch-verfügbare SQL-Datenbank und ermöglicht dem Administrator, jederzeit sämtliche Zugangscodes, HID-Karten oder aktiven Schlüssel individuell zu ändern oder neu zuzuweisen. Dabei erlaubt es die flexible Lösung, auch nur einzelne oder ausgewählte Schranktüren an Einzelpersonen, definierte Mitarbeitergruppen oder verschiedene Personen innerhalb einer bestimmten Gruppe freizugeben.

Die Software liefert zudem zu jeder Zeit Informationen über den Status jedes einzelnen Schlosses und über die Identität von eintretenden Personen. Die Anzahl der überwachten Verschlüsse ist dabei grundsätzlich unbegrenzt. Bei Auftreten einer Sicherheitsverletzung liefert das System zudem umfassende Hintergrundinformationen. Dabei kontrolliert die Lösung jede einzelne Türöffnung und erfaßt auch die mißbräuchliche Verwendung von bereits deaktivierten Codes, HID-Proximitätskarten oder Schlüsseln. Durch die automatische Aufzeichnung sämtlicher Aktionen läßt sich zudem jederzeit nachträglich feststellen, welche Verschlüsse wann geöffnet wurden. Umfangreiche Report- und Filterfunktionen erleichtern die Suche und Dokumentation.

Erschienen in Ausgabe: 05/2004