Schmuckstück

Steuerungstechnik

Positionssteuerung – Eine Steuerung aus Münster sorgt für die exakte Positionierung einer Edelsteinfräse.

13. November 2012

Was dem Deutschen der Pokal ist in den USA der Championship-Ring. Dirk Nowitzki durfte sich unlängst über einen freuen. Die Ringe glänzen vor allem durch einen Schmuckstein und der kommt wiederum häufig aus Deutschland und zwar von der Herbert Stephan KG aus Frauenberg bei Idar-Oberstein. Das Unternehmen hat sich auf das Schleifen solcher Schmucksteine spezialisiert und ist dabei auf eine sehr exakte Positionierung der Schleifwerkzeuge angewiesen.

Grundlage dafür sind moderne Bearbeitungszentren. Das neueste für Masterschablonen der Goldeinlagen in den Steinen ist mit einer Xemo-R-Kompaktsteuerung für Schrittmotoren von Systec aus Münster ausgerüstet. Formen und Muster werden grafisch als dreidimensionale Gittermodelle am Computer entworfen und dann über eine RS232-Schnittstelle an die Xemo-Steuerung übertragen. Diese setzt die Positionsinformationen direkt in Bewegungsbefehle um und steuert die Fräse, die daraufhin automatisch die gewünschten Formen in einen Alublock fräst.

Bisher hat Stephan die Herstellung der Masterschablonen mit einem MCM-Steuerungsmodul und zusätzlichen Leistungselektroniken gesteuert. Als die Steuerungskomponenten erneuert werden mussten, gab es zunächst die Überlegung, eines der vorhandenen Bearbeitungszentren für diese Aufgaben zu erweitern. Das Software-Update dafür wäre aber zu teuer geworden und die jetzige Lösung hat nur 20 Prozent dessen gekostet. Zudem hat der Schmucksteinspezialist durch die Xemo-Steuerung mit einer geringen Mehrinvestition im Vergleich zu den bisher genutzten MCM-Steuerungsmodulen mehr Leistung zur Verfügung und größeren Komfort in der Bedienung.

Leistungsteile müssen nicht mehr zusätzlich angebunden werden, weil sie bereits in der Kompaktsteuerung integriert sind. Mit den Bedienelementen können die Techniker das System direkt von Hand verfahren. Wichtige Parameter behalten sie mit der Software Xemo!GO direkt im Blick.

Einfache Syntax

Systecs Steuerungsentwickler Klaus-Gerd Schoeler freut sich über zufriedene Kunden wie die Stephan KG. »Genau das war unser Ansatz«, erinnert er sich an die Entwicklung der Systec-Steuerungen und der dazugehörigen Programmiersprache MotionBasic, »Wir haben in MotionBasic die Konzepte von Antriebs- und Bewegungssteuerung in eine einfache Syntax integriert und die Schnittstellen so offen ausgelegt, dass unsere Kunden auf die Potenziale der Software sehr individuell zugreifen können.«

Gerade auf den G-Code-Export durch andere Anwenderprogramme greifen die Kunden gern zurück. »Ähnlich nutzt auch ein Hersteller von Bolzenschweißgeräten unsere Steuerungen, wenn er seine Schweißprozesse automatisiert«, berichtet Schoeler.

Die gute Integrierbarkeit der Systec-Technologie in ihren Maschinenpark empfindet die Herbert Stephan KG als wichtigen Produktvorteil. Auch der kurze Draht zu den Spezialisten in Münster kommt gut an. Als kürzlich die Datenbereitstellung durch eine externe Software nicht wie gewünscht klappte, kam der schnelle und letztendlich hilfreiche Tipp vom Systec-Team.

Mit Gold in Berührung kommen die mit Systec-Technologie gefrästen Alu-Schablonen nicht. Mit diesen werden stattdessen so genannte »Gießlinge« aus einem wachsartigen Material hergestellt. Mehrere dieser wie Spritzgussteile aussehenden Objekte werden zu einem »Bäumchen« zusammengesteckt, das wiederum mit einem aushärtenden Material übergossen wird. Nach Entfernen des Wachses bleibt dann ein perfektes Negativ des Bäumchens zurück, das dann mit Gold ausgegossen wird.

Die so entstandenen Goldmuster werden anschließend per Ultraschall in den Synthetik-Stein getrieben. Systec-Technologie in Form von MCM-Steuerungsmodulen kommt dann noch einmal bei den Schleifarbeiten im Spiel, nämlich dann, wenn der Stein mit dem eingeklebten Gold-Gießling glattgeschliffen werden muss. Know-how aus Münster ist also an vielen Arbeitsschritten beteiligt, bis das perfekte Schmuckstück entstanden ist.

Erschienen in Ausgabe: 08/2012