Schneller am Markt

VIRTUAL PROTOTYPING – Schnelligkeit und Effizienz sind die obersten Gebote beim Entwickeln von Produkten. Die Automobilindustrie nutzt dazu Virtual Prototyping statt teurer physischer Modelle.

20. Juni 2008

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für profitables Wachstum ist eine schnelle und effiziente Produktentwicklung, schließlich erwarten die Kunden immer innovativere Produkte zu immer geringeren Kosten. Die Hersteller stehen somit unter einem hohen Innovationsund Kostendruck. Um im Wettbewerb zu bestehen, muss jeder Hersteller seine neuesten Modelle also möglichst schnell und vor der Konkurrenz auf den Markt bringen. Die Zeit zwischen den ersten Entwürfen und der Serienfertigung sollte daher so kurz wie nur möglich gehalten werden.

VISUALISIERT

Gerade die Automobilbranche hat die Vorteile neuester Technologien früh erkannt: Führende Automobilhersteller entwickeln neue Fahrzeugmodelle heute schnell, detailgetreu und kostengünstig mithilfe von Hochleistungs-Visualisierungslösungen und ersetzen dabei teure physische Prototypen zunehmend durch virtuelle Prototypen.

Ein führender Hersteller derartiger 3D-Echtzeit-Visualisierungslösungen ist die Realtime Technology AG (RTT) aus München. Zu den Kunden des Unternehmens zählen unter anderem Adidas, Airbus, Miele sowie zahlreiche führende Automobilhersteller in Europa, den USA und Japan.

FOTOREALISTISCH

Derartige Softwarelösungen ermöglichen eine Echtzeitvisualisierung in fotorealistischer Qualität, sodass sich speziell komplexe Produktmerkmale oder Vorgänge äußerst detailliert überprüfen lassen.

Die detailgetreue Präsentation der virtuellen Modelle ermöglicht es so, den ersten notwendigen Kontakt mit den physischen Prototypen auf immer spätere Entwicklungsschritte zu verschieben und damit die Entwicklungskosten insgesamt zu senken.

Enorme Kosten- und Zeitersparnisse bietet Virtual Prototyping besonders dann, wenn komplexe Produktmerkmale überprüft werden müssen. So ermöglicht zum Beispiel eine detaillierte, realitätsnahe Darstellung der Oberflächenstruktur mit physikalisch korrekten Licht- und Schattenspielen eine fundierte Entscheidung über das künftige Erscheinungsbild des Fahrzeugs. Virtual Reality und Simulationslösungen helfen dabei, Fehler und Probleme eines Produktes frühzeitig zu erkennen.

IDEEN AUSPROBIEREN

Außerdem erweitern Visualisierungstools den Kreativitätsspielraum von Ingenieuren und Produktdesignern, die deshalb mehr Ideen ausprobieren können. Ein wesentlicher Vorteil dieses Verfahrens ist die frühzeitige Einbindung der Designer in den Entwicklungsprozess. Zudem macht Virtual Prototyping auch solche Vorgänge sichtbar, die am realen Objekt nur schwer oder unter erheblichem Aufwand beobachtet werden können. Dazu gehören beispielsweise Crash- Simulationen oder die Darstellung von Fahrsituationen.

SITUATIONEN ABBILDEN

Zudem lassen sich mithilfe von Visualisierungssoftware unzählige Situationen abbilden, wie beispielsweise unterschiedliche Einflüsse im Windkanal, Temperatureinflüsse oder Strömungen. Durch die realitätsnahe Darstellung solcher technisch komplexer Sachverhalte erhalten Designer ein besseres Verständnis dafür, wie sich beispielsweise das Design auf das Strömungsverhalten auswirkt. Virtual Prototyping erleichtert zudem die Kommunikation aller Mitarbeiter, die am Entwicklungsprozess beteiligt sind. So lässt sich Visualisierungssoftware in Design und in Konstruktion einsetzen, wenn mehrere Abteilungen Review-Meetings durchführen. Globale Asset-Management- Systeme ermöglichen dabei einen Zugriff auf das virtuelle Modell von unterschiedlichen Standorten aus.

ECHTZEITFÄHIG

Echtzeitfähige Visualisierungstechnologien werden künftig immer tiefer in den Unternehmen verankert und dabei zunehmend abteilungsübergreifend zum Einsatz kommen. Im Idealfall integriert die Visualisierungssoftware dabei die Design- und Entwicklungsdaten unterschiedlicher Abteilungen und bietet damit bietet die Grundlage für das computergestützte Design der gesamten Prozesskette, von der Produktentwicklung bis hin zu Marketing, Vertrieb und Service. Die Folge einer abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit sind erhebliche Synergieeffekte. Zudem lassen sich durch den Einsatz von Visualisierungstechnologie auch die Prozesse in den einzelnen Abteilungen selbst noch effizienter gestalten.

VIRTUAL REALITY

In Zukunft werden auch solche Unternehmensbereiche, die bislang noch nie CAD-basierte Daten für Entscheidungsprozesse genutzt haben, den hohen Wert des digitalen ›Assets‹ zunehmend erkennen. So wird Virtual Prototyping zunehmend auch ein Thema für mittelständische Unternehmen, die oft grundlegende Probleme mit der Geschwindigkeit bei der Entwicklung haben. Entscheidend für den Einsatz der Virtual-Reality- Technologie ist letztendlich weniger die Unternehmensgröße, sondern vielmehr das Prozess-, Innovations- und Einsparungspotenzial, das sich damit erschließen lässt. Virtual Prototyping eröffnet enorme Anwendungspotenziale. Allerdings erfordert es die Bereitschaft aller Beteiligten im Entwicklungs- und Designprozess, innovative Lösungen zur Prozessoptimierung zu nutzen.

Ingolf Rehfeld, Real Time Technology AG

Erschienen in Ausgabe: 04/2008