Schneller bedient Auf einen Blick

Spezial

Visualisierung – Verpackungsmaschinen müssen sich hoch flexibel an neue Produktchargen anpassen lassen. Ein maßgeschneidertes Bedienungslayout mit intuitiv verständlichen Symbolen erleichtert die Navigation durch komplexe Bedienungsabfolgen.

10. Dezember 2013

Die wichtigsten Trends vor allem im Markt der Verpackungsmaschinen sind die andauernde Zunahme von Funktionen, immer höhere Taktzahlen sowie die häufige Änderung der Formate. Eine entscheidende Rolle spielt deshalb die Gestaltung der Schnittstelle zum Bedienen und Beobachten. Ein modernes Visualisierungssystem muss dabei nicht nur die Prozesse darstellen können, sondern auch eine ansprechend gestaltete ergonomische Bedienoberfläche aufweisen. Die Entwicklung eines optimalen Bedienkonzepts erfordert deshalb eine enge Zusammenarbeit von Designern und Technikern.

Vor diesem Problem stand auch der Verpackungsmaschinenhersteller Somic im oberbayerischen Amerang bei der Entwicklung seiner neuen Endverpackungsmaschinen der Baureihe 424. Die Maschinen verpacken nahezu alle Gebindetypen, die in der Konsumgüterindustrie zum Einsatz kommen, vom Flachbeutel über Faltschachteln und Dosen bis zu Bechern und Tuben. Die wichtigste Aufgabe war deshalb eine möglichst große Anpassungsfähigkeit des Systems über alle Parameter hinweg, schließlich erfordern die enorme Produktvielfalt und der Wunsch nach immer mehr Differenzierung am Point of Sale eine nahezu unbegrenzte Anzahl von Lösungsmöglichkeiten. Dennoch muss die Gestaltung der Bedienungsschnittstelle alle bedienungs- und wartungsrelevanten Bilder, Parameter und Informationen entlang der einheitlichen Maschinenstruktur transparent und leicht verständlich vermitteln können.

Kombinierte Kompetenz

Für die Entwicklung des Bedien-Interfaces nutzte das Unternehmen deshalb die Kompetenzen des niedersächsischen Automatisierungsspezialisten Lenze und des Steinbeis-Instituts für Integriertes Design in Bremen. Die Designspezialisten verzichteten dabei weitgehend auf nur regional verständliche visuelle und textliche Elemente. Stattdessen bestimmen universell begreifbare Symbole und Bilder sowie eine leicht zu durchschauende Navigation das Sichtfeld. Die Benutzerführung bietet sichere Navigation, verständliche Informationen und nachvollziehbare Abläufe – und dies ohne Anlehnung an Office-Betriebssysteme. Für die im globalen Markt tätigen Maschinenbauer bieten weltweit verständliche Symbole sowie Erklärungen in der Muttersprache der Bediener nachhaltige Qualitäts- und Wettbewerbsvorteile. Zudem konnten so die Zeiten für Umrüstungen und Einarbeitungen spürbar gesenkt werden.

Bedient wird die Endverpackungsmaschine 424 mit einem beweglichen und drehbaren Panel-PC vom Typ CS 5700 von Lenze. Das Edelstahlgehäuse des freistehenden, rundum gegen Staub und Spritzwasser geschützten HMI bietet die Schutzart IP65 und wurde von Lenze für Somic individuell passend zur Maschine konzipiert. Die Rückwandhaube des flachen Designgehäuses wird für eine Tragarmmontage an der Anlage genutzt. Für die Umsetzung der Visualisierung dient die integrierte Visualisierungssoftware VisiWinNet des Marburger Softwarehauses Inosoft, die bei Lenze zum Engineering-Standard für den Maschinen- und Anlagenbau gehört.

Übersicht durch Farbe

In der Praxis zeigt das 15-Zoll-Display drei verschiedene Betriebsarten an, die sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Grundfarben leicht voneinander unterscheiden lassen (Automatik, Einrichten, Service). Dabei ermöglichen differenzierte Nutzer- und Nutzungsebenen eine Reduktion auf die aktuell erforderlichen Informationen, inklusive einstellbarer Zugriffsberechtigungen. Im normalen Betrieb bringt der Automatikmodus alle relevanten Daten aktuell auf den Bildschirm, bei Maschinenstopp wird die Ursache verständlich beschrieben und optisch dargestellt. Anleitungen zur Fehlerbehebung werden durch grafische Darstellungen unterstützt. »Wir denken hier aktuell auch über kurze Videosequenzen nach«, erläutert Somic-Chef Manfred Bonetsmüller.

Der Modus »Einrichten« ist abgestimmt auf die Arbeiten bei einem Formatwechsel und unterstützt den Bediener bei der schrittweisen Umstellung bis hin zur Referenzfahrt und zur Aufnahme des Automatikbetriebs im neuen Format.

Im Service-Modus schließlich lassen sich bei Inspektions- und Wartungsarbeiten die passenden Betriebsarten aus verschiedenen Optionen auswählen. Unterdessen arbeiten die bayerischen Verpackungsmaschinenspezialisten daran, die Flexibilisierung zur automatischen Maschinenumstellung weiter voranzutreiben. So soll die Benutzerverwaltung künftig per RFID erfolgen. Die dadurch zunehmende Komplexität und Individualität der Maschinen erfordert ein flexibel konfigurierbares Maschinenprogramm aus standardisierten und kombinierbaren mechanischen und elektronischen Bausteinen sowie kundenspezifischen Funktionsgruppen und individuellen Formatwerkzeugen. Für die Visualisierung werden dem Bediener zahlreiche Bilder, Animationen und Videos für alle Verpackungsprozesse zur Verfügung gestellt, prognostiziert Bonetsmüller: »Die Maschinen werden sich ohne Frage mehr und mehr selbst überwachen und rechtzeitig Meldung erstatten, bevor es zum Stillstand kommt.«bt z

Der Panel-PC CS 5700 des Automatisierungsspezialisten Lenze SE besitzt ein rundum geschlossenes Edelstahlgehäuse in Schutzart IP65 mit individuell konfigurierbaren Funktionen.

zDie kundenspezifisch anpassbare Visualisierung ermöglicht einen flexiblen Einsatz für die unterschiedlichsten Bedienungs- und Überwachungsaufgaben

Erschienen in Ausgabe: 09/2013