Schneller entwickeln

6. Forum Mechatronik – Wie wird der Weg zur mechatronischen Entwicklung verkürzt? So lautet das erste der vier Open-Space-Themen. Die :K stellt es vor.

12. August 2008

Wie kann man Mechatronik schnell im Unternehmen einführen? Darüber hat die erste Arbeitsgruppe des Open Space diskutiert. Die Anforderung, Mechatronik ins Unternehmen zu bringen, »stammt eigentlich aus dem Markt«, sagt Bruno Fellhauser von Schunk. Er hat für seine Arbeitsgruppe in der ›Vollversammlung‹ des 6. Forums Mechatronik im Maschinenbau berichtet. Die Aufgabe des schnelleren Entwickelns gliedere sich in zwei Teilgebiete, in die Organisation und die Technologie, wobei sich die Organisation als die wahrscheinlich schwierigere herausstelle. »Bei der Organisation reden wir zunächst wir über die kleinen Königreiche, die sich im Laufe der Zeit in der Firma entwickelt haben«, so Fellhauser. Solche gewachsenen Strukturen sollten genutzt werden. »Deshalb gilt es zu motivieren und Verbündete zu finden«. Der erste Schritt dabei sei, die Geschäftsleitung zu gewinnen. In der Regel folgt die Geschäftsleitung gerne dem Aufruf der Mechatroniker, Prozesse schneller zu machen. Sie wird diese Forderung aber kaum mit der Aussage untermauern: »Führt die mechatronische Entwicklung ein!«

Kleine Teams bilden

Den Vorschlag aus dem Referat von Klaus Hillebrand, Bosch Packaging, kleine gemischte Teams zu bilden, die zur Mechatronik motivieren, hat die Arbeitsgruppe in ihre Mechatronik-Agenda aufgenommen: Vorteilhaft sei eine Moderation durch einen Mechatroniker, durch einen erfahrenen Mann von außerhalb. »Dadurch besteht die Möglichkeit die mechatronische Organisationsentwicklung in der Firma zu beschleunigen«, ist die Open-Space-Gruppe überzeugt. Ein kleines zeitlich beschränktes Projekt schaffe dazu mehr Anreiz als ein mehrere Jahre andauerndes Projekt. »Es ist vorteilhaft wenn die Ergebnisse nach einer halbjährigen Projektdauer auf dem Tisch liegen.«

Wichtig ist der Arbeitsgruppe auch die Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg: »Die muss von Anfang an forciert werden. Das Projektteam sollte andere Unternehmen und Zulieferer mit einbinden.«

Neben der Organisation wurde auch über die Technologie geredet. Als wichtigsten Punkt hat die Gruppe die Standardisierung und Normierung bezeichnet. »Die Mechatronik erfordert saubere Schnittstellen zwischen einzelnen Produktbereichen und auch eine Norm zur Standardisierung, damit es geregelt möglich ist, miteinander zu reden“, fasst Bruno Fellhauer zusammen.

Auf dem Markt gebe bereits einige Tools für mechatronische Systeme sowie die dazugehörigen Produkte und Komponenten. Vielleicht sei noch nicht alles wie gewünscht in die einzelnen Werkzeuge integrierbar. Auf der anderen Seite stellen Unternehmen wie Eplan oder Siemens Programme zur Verfügung, die es ermöglichen in den Maschinen- und Anlagen auch die Elektronik, die Elektrotechnik und die Verdrahtung in Software abzubilden. Auch hier laufe nichts ohne Organisation. Dazu Fellhauer: »Es gibt verschiedene Technologien und Werkzeuge, die bestimmt wichtig sind, aber nach unserer Meinung steht die Technologie an zweiter Stelle hinter der Organisation.«

Wesentlich sei dann auch die Dokumentation, saubere Standardisierung, und eine Funktionsspezifizierung. Es gehe dabei weniger darum, zu spezifizieren, welchen Zylinder man nehmen muss, »also Typ sowieso oder Größe sowieso. Wichtig ist vielmehr, dass spezifiziert wird, welcher Maschinenteil, für die Verpackung zuständig ist und welcher die Funktion als Eingangsbereich innehat.«

Spezifizieren

Schließlich müsse irgendwas verpackt werden und ein Förderband habe dabei die definierte Aufgabe ein Teil in einer gewissen Geschwindigkeit von A nach B zu befördern. Diese Spezifizierung löse von sich aus ein anderes Problem: »Dass man zu viele Königreiche auflösen muss.«

Ob Tools oder die Organisation zeitlich an erster Stelle stehen, darüber konnte sich die Arbeitsgruppe nicht einigen. Das Problem entspricht der dem Henne-Ei-Problem. Ein Teil der Gruppe war der Meinung, man müsse zuerst die Tools einführen, damit Mechatronik machbar wird. Der andere Teil argumentierte, die Mechatronik sei zu verinnerlichen, damit die Tools überhaupt angewendet werden könnten.

Um schneller entwickeln zu können, müsse zunächst herausgefunden werden, wo das Unternehmen langsam sei. Diese Evaluation solle nicht zu lange gehen und sollte nicht zur Demotivation führen.

Wo sind wir langsam?

»Die Art dieser Überprüfung ist mit Sicherheit sehr stark abhängig von der Art und der Größe der Firma«, schränkt der Referent der Gruppe ein. Anschließend sollte der Entwicklungsprozess definiert werden, zum Beispiel als V-Modell. »Das muss jede Firma für sich klar definieren, damit die einzelnen Teams wissen, wie sie an die Aufgabe herangehen.« Wesentlicher Punkt sei hier die Parallelisierung der Entwicklungsaktivitäten unterschiedlicher Disziplinen. Auch die funktionale Sichtweise, also eine funktionale Modularisierung sei von Bedeutung. Das bedeutet, sobald die Dokumentation abgeschlossen ist, sollte automatisch entsprechende Software entstehen.

Die eigenen Werkzeuge und das Thema Simulation schätzt die Open Space Gruppe als einen wesentlichen Punkt der Mechatronik ein. Auch die mechatronische Qualitätssicherung rechnet sie zu den vorrangigen Themen. Zur Qualifizierung der Mitarbeiter sei eventuell der Weg zu wählen, ein einzelnes Team zuerst mit einer mechatronischen Entwicklung starten zu lassen. Dann sei dafür zu sorgen, dass die sich daraus ergebenden Informationen möglichst zügig auf das gesamte Unternehmen übertragen werden. »Daraus sollte dann ein eigenes Trainingsprogramm entstehen«, schildert Bruno Fellhauer ein Ergebnis seiner Gruppe.

Peter Schäfer

Erschienen in Ausgabe: 05/2008