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Industrieelektronik

Schaltschränke – Eine geringe Anzahl Komponenten ist ein gutes Mittel, um Konstruktionen zu vereinfachen und Fehler zu vermeiden. Abgesehen davon lassen sich so auch Kosten senken. Wie dies im Steuerungs- und Schaltschrankbau sehr gut gelingen kann, zeigt das neue Schaltschranksystem VX25 von Rittal.

12. Juni 2018

Bei der mechanischen Konstruktion komplexer Systeme gilt eine einfache Grundregel: Je einfacher die Konstruktion ist, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass an irgendeiner Stelle Fehler passieren. »Weniger ist mehr« ist darum die Philosophie des neuen Großschranksystems VX25 von Rittal. Bei der Entwicklung wurde konsequent darauf geachtet, die Anzahl der Komponenten im Vergleich zum Vorgängermodell deutlich zu verringern. Die daraus resultierende niedrigere Komplexität bietet vor allem bei der Konstruktion zahlreiche Vorteile.

Grundlage des neuen Schaltschranksystems VX25 ist ein neu entwickeltes Rahmenprofil, das ein durchgängiges Rastermaß von 25 Millimetern und volle Symmetrie aufweist. Obwohl das Rahmenprofil das gleiche Gewicht wie beim Vorgänger TS 8 hat, ist es aufgrund der Konstruktion deutlich verwindungssteifer, was wesentlich zur Stabilität des gesamten Schaltschranks beiträgt. Der Rahmen besteht sowohl in den vertikalen als auch den horizontalen Teilen aus einem einheitlichen Profil. Sämtliche Teile für den Innenausbau lassen sich darum sowohl an den vertikalen als auch an horizontalen Teilen des Rahmens wie im Deckenbereich und sogar im Sockel des Schaltschranks verwenden.

Ein Montagerahmen, der für die Installation größerer Komponenten im Schaltschrank notwendig ist, kann nun aus deutlich weniger Schienen bestehen. Bei der gleichen Ausbaukonfiguration sinkt die Anzahl der benötigten Zubehörteile um bis zu 40 Prozent. Da die Anzahl der gleichen Teile beim Montagerahmen sehr hoch ist, reduziert sich der Aufwand in der Materialwirtschaft sowie bei den Lager- und Logistikkosten.

Flexibler Ausbau

Da das neue Rahmenprofil im 25-Millimeter-Rastermaß jetzt auch in den horizontalen Teilen des Rahmens verwendet wird, ist der Schaltschrankausbau über Schrankgrenzen hinweg extrem flexibel. So lassen sich etwa Kabelfangschienen oder Systemchassis durchgehend über mehrere angereihte Schaltschränke hinweg montieren. Auf diese Weise reduziert sich die Stückzahl der Komponenten in der Planung und auch in der Materialwirtschaft.

Die Anreihung der Schaltschränke konnte Rittal ebenfalls konstruktiv verbessern. So gibt es auch weniger Anreihverbinder für alle Funktionalitäten. Die neue Anreihdichtung wird einfach aufgesteckt und sorgt dafür, dass die Schutzart des Schaltschranks bei der Anreihung erhalten bleibt. Der neue VX25 lässt sich zur Erweiterung von bereits installierten Anlagen problemlos auch an TS-8-Schaltschränke anreihen. Das neue Rahmenprofil bietet durch Zubehör im Schaltschrank zudem eine um 20 Millimeter höhere Einbautiefe. Dieser zusätzliche Platz kann je nach eingebauten Komponenten dazu führen, dass ein Schaltschrank mit geringerer Tiefe für die Schaltanlage ausreicht. Gerade bei beengten Umgebungsbedingungen kann sich dies positiv bemerkbar machen – und bei den Gesamtkosten der Anlage.

Beim Innenausbau eröffnet der VX25 zusätzliche Möglichkeiten. Da das neue Rahmenprofil von allen Seiten her zugänglich ist, entsteht auf der Rückseite eine zusätzliche Montageebene. Diese kann etwa dazu dienen, Trenn- und Schottwände sowie Abdeckungen für den Berührungsschutz direkt auf dem Rahmenprofil zu montieren. Die Montage solcher Komponenten ist sehr einfach geworden. Auf diese Weise bleibt im Schaltschrank mehr Platz für den Einbau elektrotechnischer Komponenten. Auch so lässt sich die gesamte Schaltanlage kompakter auslegen. Dabei sind die Abmessungen der Montageplatten gleich geblieben. Aufbauplanungen, die für eine auf dem TS 8 basierende Schaltanlage bereits erstellt wurden, sind problemlos weiterzuverwenden.

Bei der Entwicklung des VX25 wurde großen Wert auf Vereinfachungen gelegt, die zu einer Zeitersparnis beitragen können. Typisches Beispiel sind die neuen Türen, die sich einfach und ohne ein Werkzeug aushängen lassen. Das zusätzliche Herausschieben des Scharnierstiftes kann dadurch entfallen. Ist die Tür geschlossen, verhindert die Konstruktion des Scharniers, dass sich die Tür herausheben lässt.

Die weiteren Flachteile wie Seitenwände, Rückwand oder Dachblech sind automatisch im Potentialausgleich eingebunden. Zusätzlich ist für aktive Betriebsmittel von Rittal wie Filterlüfter oder Kühlgeräte, die in oder an diese Flachteile angebaut sind, die erforderliche Schutzleiterverbindung durch die Befestigung der Flachteile bereits ausgeführt. Es sind also keine zusätzlichen Erdungsbänder erforderlich.

Benötigt der Anwender Scharniere, die eine Türöffnung bis zu 180 Grad erlauben, ist beim VX25 keine zusätzliche mechanische Bearbeitung der Tür notwendig. Allein durch diese konstruktive Innovation werden laut Rittal rund 30 Minuten Arbeitszeit pro Tür eingespart. Auch die neuen Türgriffe tragen zur Zeitersparnis bei: Durch die neuen VX Komfortgriffe sind diese mit wenigen Handgriffen montiert oder demontiert. Werkzeug wird zur Montage nicht benötigt. Beim Schließsystem stehen alle gängigen Varianten zur Verfügung. Elektronische Schließsysteme, die im Zuge verstärkter Sicherheitsbestrebungen immer häufiger zum Einsatz kommen, lassen sich auch nachträglich problemlos montieren. Eine mechanische Bearbeitung der Tür ist auch hier nicht notwendig, da die Durchführungen für die Leitungen schon vorgesehen sind.

Einfache Konfiguration

Mit der Markteinführung des neuen Schaltschranks VX25 stellt Rittal sämtliche benötigten Daten in hoher Qualität und marktüblichen Formaten zur Verfügung. Die Daten umfassen nicht nur die für die mechanische Bearbeitung notwendigen geometrischen Daten, sondern auch elektrotechnische Daten sowie sämtliche Informationen, die der betriebswirtschaftlichen Abwicklung eines Projekts dienen.

Mit einem regelbasierten Online-Konfigurator wählt der Anwender die passenden Schaltschränke aus. Dabei verhindert eine integrierte Plausibilitätsprüfung, dass bei Konfiguration und Auswahl des Zubehörs Fehler passieren können. Nach der Konfiguration lassen sich die Daten in alle gängigen CAD-Programme nahtlos übernehmen. Und auch die Anbindung an kaufmännische Systeme geht reibungslos vonstatten.

Über ein CAE-System, wie zum Beispiel Eplan Electric P8 und das Eplan Data Portal gelangt der Planer ebenfalls direkt zum Online-Konfigurator des VX25. Nach der Konfiguration der Schaltschränke werden die Daten direkt in die Elektroplanung übernommen. Anschließend kann mit den gleichen Daten die Aufbauplanung in Eplan Pro Panel erfolgen. Rittal unterstützt damit eine hohe Durchgängigkeit in der Datenhaltung. Die einmal erzeugten Daten stehen entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Steuerungs- und Schaltanlagenbau zur Verfügung. Setzt der Anwender diese Daten durchgängig ein, lässt sich die Effizienz bei sämtlichen Prozessen optimieren. mk

Auf einen Blick

Der VX25

• Komplett neues Großschranksystem von Rittal.

• Reduzierte Komplexität durch weniger Teile.

• Maximale Datenqualität und -durchgängigkeit.

• Reduzierte Komplexität sowie Zeitersparnis und Sicherheit in der Montage.

• Konsequent und systematisch für den maximalen Kundennutzen entwickelt.

• Neu entwickeltes Rahmenprofil für weniger Bau-raum, aber mehr Effizienz bei Engineering und Montage, mehr Stabilität, Sicherheit und Flexibi-lität, viele Erweiterungsmöglichkeiten.

• Zu 100 Prozent Industrie-4.0-fähig.

• Über 25 angemeldete Schutzrechte belegen den hohen Innovationsgrad.

Erschienen in Ausgabe: 05/2018