Schneller Schwenk

EC-Motoren - Fast jeder hat sie schon unbewusst gesehen, spätestens bei der Fußball-WM waren sie als ›wichtige Randfigur‹ im Bild: Leichtbaukräne für Film- und Fernsehaufnahmen. Kleine EC-Motoren bewegen die ferngesteuerten Kameraträger an der Kranspitze.

02. April 2007

Bei Fußballübertragungen und anderen Sportarten stehen Leichtbaukräne hinter dem Tor oder auf anderen exponierten Posten. Sie erlauben dank ihrer Sichthöhe und Beweglichkeit brillante Aufnahmen vom Sport-Geschehen. Solche Kräne für die Kameraführung müssen schnell aufgebaut und leicht zu steuern sein und auch schwerere Kameras mit großem Tele- Objektiv zuverlässig tragen können. So genannte Remote-Heads, ferngesteuerte Kameraträger an der Kranspitze, erlauben die präzise Ausrichtung der Aufnahmegeräte. Um am langen Hebelarm des Auslegers die Kameranutzlast möglichst groß zu halten, müssen alle Bauteile wie die EC-Motoren sehr leicht ausfallen. Gerade bei Filmaufnahmen und im alltäglichen TV-Geschäft zählen vor allem Schnelligkeit und Flexibilität. Um dem Regisseur und Kameramann bessere Einblicke und dem Zuschauer damit einen besseren Überblick zu geben, baut die MovieTech AG unter ihrer Marke ABC Products moderne Leichtbaukräne. Diese Kräne können je nach Modell und Kundenwunsch mit Auslegerarmen von bis zu 12 m ausgestattet werden.

Leichtbaukräne schnell aufgebaut

einem Mann in 20 Minuten aufbauen. Kleinere Modelle passen in eine Umhängetasche und können so bequem zum Aufnahmeort gebracht werden, für Dokumentarfilme ein nicht unwesentlicher Vorteil. Um die Kamera am Kranende auch variabel einsetzen zu können, wird per Schnellverschluss ein Kameraträger angebaut. Dieser Remote-Head lässt dann per Fernsteuerung Drehung und Schwenk der Kamera und optional auch Zoom- und Fokus-Funktionen zu. Um diese Bewegungen möglichst leicht, zuverlässig und leistungsstark ausführen zu können, arbeitet der Kranspezialist mit dem Kleinmotorenexperten Faulhaber zusammen. So entstanden kompakte Geräteträger für präzise Kameraschwenks.

Kameratechnik stellt hohe Anforderungen

Moderne Kameratechnik stellt besondere Ansprüche an die Leichtbaukräne. Die Aufnahmegeräte erreichen problemlos mehrere Kilogramm Gewicht. Hinzu kommen je nach Einsatzort noch gewichtige Teleobjektive. Dies bedeutet für den Kran zwei Herausforderungen: Erstens muss der Ausleger das Gewicht natürlich tragen können, zweitens müssen bei dynamischen Aufnahmen alle Bewegungen der Kamera fließend und ohne Verzögerungen oder Nachwippen den Befehlen des Bedieners folgen. Der Kranspezialist löste das Problem für die größeren Profigeräte durch eine spezielle Auslegung der steuerbaren Kranköpfe. Dadurch kann der kleinere Remote-Head Alex bei nur 6,8 Kilo Eigengewicht bis zu 15 Kilo Nutzlast tragen, sein größerer Bruder Pelé mit 9 Kilo Leergewicht sogar bis zu 30 Kilo.

Die Gesamtmasse von bis zu 20 Kilo am 12-Meter-Ausleger wird über leistungsstarke EC-Servomotoren mit Planetengetriebe sicher und präzise bewegt. Aktuelles Geschehen und gute Filmaufnahmen lassen sich nur manuell »einfangen«, daher steuert ein Kameramann die Schwenkbewegungen bei der Aufnahme von Hand über ein Bedienpult. Um dem Bediener eine direkte Rückkoppelung per Bildschirm über seine Aktionen zu geben, müssen die Motoren verzögerungsfrei beschleunigen. Schnell bedeutet aber nicht ruckartig, ein weicher Krafteinsatz ist gefragt, Nick- und Gierbewegungen der Kamera durch zu hartes Beschleunigen ergäben verwackelte Bilder. Der eingesetzte Antrieb des Kleinmotorenspezialisten aus Schönaich trägt dem Rechnung.

EC-Antriebe: Klein, kräftig, kreativ

Markus Schärtel von MovieTech dazu: »Ein großer, gern genutzter Vorteil der EC-Motoren ist, sie können mit an das jeweilige Kameragewicht angepassten, voreingestellten Rampen beschleunigen. So wird die Schwingungsneigung des Systems minimiert. « Eine optionale Flüssigkeitsdämpfung beruhigt die Kamera am Kranausleger zusätzlich. So sind seidenweicher Anlauf und mit dem Auge kaum wahrnehmbare langsame Schwenks möglich. Selbst bei Teleaufnahmen ergeben sich dadurch scharfe Bilder. Dass die Wahl je Remote-Kopf auf zwei ECMotoren fi el, hat mehrere Gründe: Die Antriebe sind von Hause aus robust und zuverlässig. Außer der Lagerung gibt es keine Verschleißteile. Damit sind mehrere tausend wartungsfreie Betriebsstunden möglich. Man kann den Motor einbauen und vergessen, da keinerlei Wartung nötig ist. Dank elektronischer Kommutierung ist der Antrieb sehr flexibel. Egal ob Drehrichtung, Drehzahl, Drehmoment oder komplexe »Fahrprogramme« aus mehreren dieser Variablen, ein EC-Motor reagiert schnell und präzise auf eingehende Steuerungssignale oder Vorgaben. Nicht zuletzt ist er auch eine sehr preiswerte Antriebslösung. Dank Wartungsfreiheit, kompakten Abmessungen und einer auf ihn abgestimmten Planetengetriebereihe bietet er viel Leistung fürs Geld. Der Vorteil dabei: Die Leistung ist vom Anwender individuell einstellbar, er kann über die Kransteuerung den Motoren verzögerungsfrei Befehle erteilen. Die aus Erfahrung gewonnene kreative Vorgabe für die ideale Positionierung der Kamera setzt der flexible Antrieb schnell um. Damit ergänzen sich Antrieb und menschlicher Bediener der Remote-Heads ideal, der Kran wird quasi zum verlängerten Arm des Kameramannes. Moderne EC-Kleinantriebe eignen sich besonders für Anwendungen, die möglichst klein und kompakt bauen oder bei denen auf Gewicht geachtet werden muss. Dank der flexiblen Ansteuerung und der trägheitsarmen Reaktion der Motoren sind auch dynamische Einsatzbereiche kein Problem.

Schnelle und feinfühlige Steuerung

Die schnelle, feinfühlige Steuerung vermeidet störende Anfahrrucker, ein nicht zu vernachlässigender Vorteil gegenüber anderen Antriebskonzepten. Dank großer Modellvielfalt und umfangreichem Zubehör ist so für praktisch jede Anwendung ein optimales Antriebskonzept möglich.

Markus Schärtel, und Jochen Karlstätter,

beide MovieTech,

Andreas Zeiff, Redaktions-Büro Stutensee

Erschienen in Ausgabe: 02/2007