Schönes Kraftpaket

K CAD CAM

Workstation – Im Prinzip sind die meisten aktuellen Rechner für Midrange-CAD ausreichend. Trotzdem finden sich auf dem Markt nach wie vor dezidierte CAD-Workstations. Dass dies Sinn macht, zeigt ein Testgerät von Tarox.

27. März 2013

In der »guten alten Zeit« – die ja eigentlich erst wenige Jahre her ist – war das Testen von Rechnern noch einfach: Man schaltete am CAD-System alle Ansichtsoptionen nacheinander ein und konnte schön beobachten, wie das System in die Knie geht. Mit einem modernen System wie der hier getesteten Tarox-Workstation ist dies schwieriger – alle Modelle, die im Test unter Solid Edge ST5 zum Einsatz kamen, brachten die Maschine nicht ins Schwitzen. Keyshot 4 lastete die Rechenkerne voll aus und erreichte beeindruckend kurze Renderzeiten. Modelle, die groß genug sind, eine solche Maschine an ihre Grenzen zu bringen, hat man nicht alle Tage – dreistellige Megabyte-Größen sollten es schon sein.

Die Tarox M9170CP ist mit dem Intel-Xeon-Prozessor E5-1620 ausgestattet, der vier echte Kerne besitzt, die wiederum jeweils zwei Threads parallel ausführen können – der Windows-Taskmanager zeigt konsequenterweise acht Kerne an. In der Testkonfiguration waren 16GByte RAM verbaut, bis 64GByte lassen sich in den acht RAM-Sockeln unterbringen. Es sind zwei Festplatten eingebaut, eine 120GByte-SSD für Betriebssystem und Programme sowie eine 1-Terabyte-Platte als »Datengrab«. Die Ausstattung wird von der Profi-Grafikkarte AMD FirePro W7000 abgerundet, die auf 4GByte Speicher zugreifen kann.

Elegantes Äußeres

Das Gehäuse beeindruckt schon beim Auspacken: Mattschwarz mit einer glatten Front in gebürstetem Aluminium. Die gesamte Front – außer einer Leiste mit vier USB-Buchsen (je 2x USB 2.0 und USB 3.0) sowie zwei Buchsen für Kopfhörer und Mikrofon – wird von einer Tür abgedeckt, hinter der sich ein DVD-Laufwerk und ein Speicherkartenleser finden. Eine besonders clevere Idee ist die Positionierung des Ein- und des Resetschalters oben auf dem Gehäuse – meist stehen diese Rechner unter dem Schreibtisch und man muss sich bis auf den Boden bücken, um das Gerät einzuschalten. Hier ist der Einschalter in bequemer Bürostuhlreichweite.

Öffnet man das Gehäuse, zeigt sich ein hervorragend aufgebauter Rechner. Wo bei anderen Rechnern herumhängende Kabel und falsch positionierte Lüfter den Kühlluftstrom hemmen, ist die Tarox-Workstation ungewöhnlich sauber aufgebaut. Unterhalb der von vorn zugänglichen Laufwerksschächte ist ein Gitter mit abnehmbarem Staubfilter angeordnet, durch die kühle Luft eintreten kann. Sie kühlt zunächst die Festplatten, und erreicht dann den Prozessorkühler, der mit einem nach hinten blasenden Ventilator ausgestattet ist. Hinter diesem sitzt an der Rückwand ein großer Lüfter, der die Warmluft nach hinten aus dem Gehäuse zieht. das Netzteil zieht seine Luft an der Unterseite des Gehäuses und bläst sie ebenfalls nach hinten aus. Auch hier sitzt am Eingang ein Staubfilter, der zur Reinigung nach der Seite herausgenommen werden kann.

Die Kabel zur Stromversorgung sind unterhalb des Motherboards beziehungsweise hinter dem rechten Seitendeckel geführt, ebenso die SATA-Kabel zu den Festplatten, die »quer« eingebaut sind. So stört kein Kabel den Luftstrom. Dieser hohe Bauaufwand zahlt sich aus: Da die Lüfter alle hinten sitzen und dank der freien Luftführung sehr langsam laufen, ist die M9170CP kaum zu hören. Festplattengeräusche treten dank SSD ebenfalls kaum auf, was die Tarox-Workstation zu einem für diese Leistungsklasse extrem ruhigen Rechner macht. Selbst als der Rechner beim Test auf dem Schreibtisch stand, war das Lüftergeräusch kaum wahrnehmbar.

Mit der Kombination aus kräftigem Vierkernprozessor mit 3,6Ghz Taktfrequenz und der High-End-Grafikkarte AMD FirePro W7000 erhält der Anwender eine leistungsstarke Hardware für komplexe und große Modelle. Die Workstation wurde für Tests von SolidEdge ST5 und Keyshot 4 genutzt, die in einer der nächsten Ausgaben erscheinen. Eine Baugruppe mit fast 2000 Einzelteilen in einer komplexen Baugruppenstruktur verlangsamte die M9170CP nicht merklich, unabhängig von der eingestellten Darstellungsqualität. Die SSD machte sich beim Laden von Modellen, aber auch beim Start von Solid Edge bemerkbar. Ein vergleichbarer Rechner mit herkömmlicher Festplatte benötigte etwa 16 Sekunden vom Doppelklick bis zum „Öffnen“-Dialog, die Tarox-Workstation gerade einmal 6 Sekunden. Modelle mit 20Mbyte Größe öffnen sich praktisch augenblicklich.

Positiv fällt auf, dass sich Tarox mit sogenannten Softwarebeigaben sehr zurückhält, der Rechner installiert beim ersten Start lediglich Windows 7 Pro 64bit und die Cyberlink-DVD-Suite sowie Cyberlink-PowerDVD – Softwarepakete, die für das Brennen von DVDs und das Abspielen von Multimediadaten benötigt werden. Auch Tastatur und Maus, beide mitgeliefert, machen einen guten Eindruck – hier sparen auch angesehene Anbieter gerne einmal.

Arbeitsgerät statt Blender

Viele Standardrechner beeindrucken mit Gigabyte und Megahertz, sind aber schlampig aufgebaut und schlecht konfiguriert. Tarox bietet mit der M8170CP dagegen eine sehr sorgfältig aufgebaute und leistungsstarke Workstation an. Die Sorgfalt erstreckt sich auch auf die mitgelieferte Peripherie und die Softwareausstattung. Für große und komplexe CAD-Modelle, aber auch für Renderings ist die Tarox-Workstation zu empfehlen – und dazu sieht sie auch noch gut aus.

Tarox AG

- Der Hauptsitz des deutschen Unternehmens ist in Lünen.

- Neben den unter dem eigenen Namen vertriebenen Rechnern für den professionellen Einsatz vertreibt

Erschienen in Ausgabe: 02/2013