Schrank dezentral

Kompaktschränke - Dezentral - so lautet die Zauberformel, die auch am Schaltschrankbau nicht spurlos vorbeigeht. Große Zentralschränke, oder besser: ganze Schrankwände davon, sind auf dem Rückzug. Im Kommen sind kompakte Einzelschränke, die an Maschinen und Anlagen für optimalen Schutz der installierten Komponenten sorgen.

25. Mai 2005

Der Trend zur Dezentralisierung ist unumkehrbar! Seit Jahren wandern mehr und mehr Funktionen und Intelligenz - und damit Hardware-Komponenten für Steuerung, Überwachung, Antriebstechnik und Spannungsversorgung - aus der Zentrale in die Tiefe des Feldes, wo jedoch andere Anforderungen an die Gehäuse gestellt werden. Gefragt sind Gehäuse, die sich als kompakte Einzelschranklösungen paßgenau in unterschiedlichste Maschinen oder Anlagen integrieren lassen - von der modernen Holzbearbeitungsmaschine bis zur kompletten Schweißzelle in der Automobilindustrie. Gefordert sind Einzelschranksysteme, die sich schnell und sicher bestücken und verdrahten lassen und dem Anwender - neben absoluter Funktionssicherheit - handfeste Kostenvorteile bieten.

Hier setzt Rittal neue Zeichen und entwickelte auf Basis einer Wunschliste von Kunden und Anwendern die Kompaktbaureihe CM Compact-Medium. Die neue Einzelschrankserie, die mit der Markteinführung im April auf der HMI Premiere hatte und in der zweiten Jahreshälfte 2005 verfügbar ist, besticht durch Flexibilität bei Größe und Innenausbau sowie günstige Kosten.

Vielfalt ist Trumpf in dieser neuen Schrank-Serie: Katalogmäßig gibt es die CM-Gehäuse, die als Ein- und Zweitürer verfügbar sind, in 14 verschiedenen Größen. Zur Auswahl stehen Einbautiefen von 300 bzw. 400 mm, Höhen von 800 bis 1.400 mm und Breiten von 600 bis 1.200 mm. Reicht dieses schon recht breit sortierte Platz- bzw. Raum-Angebot noch nicht aus, können CM-Kompaktschränke geordert werden, die über die klassischen Rastermaße hinaus nach kundenspezifischen Vorgaben zugeschnitten und gefertigt werden. Dafür, daß dies schnell und - vor allem auch preiswert - über die Bühne geht, sorgt ein eigens für die CM-Serie entwickeltes flexibles Fertigungssystem. »Bei uns gibt‘s eben auch den Maßanzug - aber zu einem bezahlbaren Preis«, unterstreicht Matthias Müller, der im Produktmanagement von Rittal für die Markteinführung der neuen Kompaktschränke zuständig war. »Durch die extreme Flexibilität der CM-Baureihe können wir problemlos die vielfältigen Anforderungen schultern, die der Automatisierungsalltag an unsere Kunden stellt.«

System statt Tüftelei

Schränke der CM-Baureihe bieten dem Anwender eine besondere Option beim Innenausbau: Dach-, Boden und Seiten sind von innen mit Bolzen ausgestattet, an denen sich - falls notwendig - schnell und einfach Schienen für den Innenausbau mit Systemteilen aus dem dicht bestückten TS 8-Zubehörbaukasten installieren lassen. Die Anlehnung der CM-Baureihe an das modulare Anreihsystem TS 8 sorgt nicht nur für Vielfalt bei der Aufrüstung der Einzelschränke. Der enge Schulterschluß zwischen den beiden Schranktypen ermöglicht auch Kostenvorteile bei Montage, Wartung und Logistik. Vor allem Kunden, die gleichzeitig die neuen Kompaktschränke und das TS 8-Anreihsystem nutzen, profitieren davon. Sie können Komponenten wie zum Beispiel Schienen, Sockel und Chassis etc. übergreifend - und damit äußerst kostengünstig - einsetzen.

Designerschränke zu Designerpreisen? - Nachgefragt - Matthias Müller ist Produktmanager für Schaltschranksysteme bei Rittal in Herborn. Er beantwortet Fragen zu den Kompaktschränken.

Kompaktschrank und Serie - und trotzdem Vielfalt! Wie paßt das zusammen?

Matthias Müller: Mit den neuen CM Kompaktschränken bieten wir unseren Kunden Vielfalt über klassische Standardmaße hinaus. Individualität beginnt mit den nahezu grenzenlosen Möglichkeiten in Sachen Größe. Dabei ist dies erst der Anfang. Auf Wunsch kann exakt das angeboten und geliefert werden, was gebraucht wird! Erhältlich sind etwa die neuen CM-Schränke auch in anderen RAL-Farben und mit individuell vorgegebenen bzw. gewünschten Bohrungen und Ausschnitten.

Was bedeutet dies für die Kosten?

Erstmal vorneweg: Auch wenn wir ›Designer-Schränke‹ liefern, fordern wir keine ›Designer-Preise‹! Mit dem neuen Fertigungssystem, das beim neuen CM Kompaktschrank auf höchste Flexibilität getrimmt wurde, lassen sich die Kosten in Schach halten. Außerdem gilt ab sofort auch beim Kompaktschrank: Nur kaufen, was wirklich benötigt wird! Ein gutes Beispiel sind die Bodenbleche. Sie gehören nicht mehr zum Basis-Lieferumfang, der sich jetzt aufs eigentliche Gehäuse, die Türen und die Montageplatte konzentriert. Ab Werk gibt es die neuen CM-Gehäuse mit offenem Boden. Wählen kann der Anwender zwischen verschiedenen Bodenblechen, die exakt auf die gewünschte bzw. erforderliche Kabeleinführung abgestimmt sind. Zur Auswahl stehen diverse Optionen: Von einteilig geschlossenen und geteilten Blechen bis zur modularen Kabeleinführung mit Tüllen, Klemmprofilen, EMV-Blechen und Verschraubungen.

Was ist außergewöhnlich an diesen Innenausbaumöglichkeiten?

Außergewöhnlich ist zunächst, daß wir die Option zum systematischen Innenausbau von Beginn an in unser Lastenheft geschrieben hatten. Dies ist ungewöhnlich in Einzel- bzw. Wandschränken dieser Größenordnung, die beim Ausbauspektrum in der Regel nicht über die Montageplatte hinausgehen - und dem Kunden bzw. Anlagenbauer jede Menge Tüftelarbeit bei der eigentlichen Bestückung und Verkabelung abverlangen. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Kunden Löcher bohren, Anbauteile mit viel Tricks ›festheften‹ und anschließend den Lack ausbessern mußten. Das Aufrüsten mit dem umfangreichen System-Zubehör der TS 8-Anreihschränke, das im Rittal-Katalog immerhin gut 60 Seiten ausfüllt, erfüllt jeden Bestückungswunsch.

Peter Schäfer

Erschienen in Ausgabe: 04/2005