Schraubfall-Helfer

Schrauben - Eine neue Software erleichtert die Schraubenauslegung auch ohne tiefe Kenntnis der einschlägigen Normen. Zahlreiche Funktionen erlauben anspruchsvolle Anwendungen.

09. August 2007

Die Ermittlung der optimalen Schraube für eine individuelle Anwendung ist keine triviale Aufgabe. Der Markt bietet deshalb für diesen Zweck eine Reihe von Schraubenauslegungsprogrammen, die im Wesentlichen auf den Grundlagen der Norm VDI 2230 Blatt 1 beruhen. In der Regel liefern diese Programme eine Reihe von Faktoren und Kennzahlen, die der Anwender zunächst weiter interpretieren muss. Einen anderen Weg geht die neu entwickelte Screw­tool des Schraubenherstellers RiBe Richard Bergner aus dem fränkischen Schwabach: Mithilfe einer automatischen, iterativen Berechnung auf Basis zahlreicher Schrauben-, Mutter- und Unterlegscheibennormen liefert die Software für jeden Anwendungsfall die kleinstmögliche Normschraubenvariante mit ihren kompletten Abmessungen, Einschraub- und Montageparametern. Das Softwareprogramm unterstützt damit alle Konstrukteure, die eine schnelle Auslegung für eine sichere Schraubverbindung benötigen, aber nicht selbst vertieft in die Schraubenauslegung gemäß VDI-Norm einsteigen können oder wollen.

Bereit für alle Fälle

Implementiert ist neben dem Verfahren der Drehmomentmontage auch das drehwinkelgesteuerte Anzugsverfahren. Neben dem Voranzugsmoment berechnet die Software deshalb auch den benötigten Drehwinkel mithilfe eines neu entwickelten Algorithmus. Eine Besonderheit der Software ist auch die Möglichkeit, für die Berechnung zusätzliche Passstifte oder Passschrauben in den Schraubverband zu integrieren, die die Querkräfte durch Formschluss übertragen. Bei sehr kurzen Klemmlängen berücksichtigt die Lösung zudem optional auch eine teilweise Übertragung der Querkräfte über den Schraubenkopf statt ausschließlich durch die Trennfuge. Besonderen Wert legte der Hersteller auf eine einfache Bedienung und übersichtliche Gestaltung des Programms. Alle wichtigen Eingabefelder sind deshalb auf einer einzigen Bildschirmseite integriert, und eine interaktive Hilfe ist jeweils nur einen Mausklick entfernt. Zahlreiche Eingabefelder sind zudem bereits beim Programmstart mit ersten Basiswerten ausgefüllt, sodass sich eine Berechnung oft mit nur einigen wenigen Eingaben vornehmen lässt. Manche Eingabefelder sind miteinander verknüpft, sodass stets nur die jeweils geeigneten Schraubennormen zur Wahl stehen. So wird zum Beispiel bei der Drehmomentmontage der Ausnutzungsgrad für einige Flachkopfschrauben automatisch von maximal 90 Prozent auf 80 oder 70 Prozent reduziert. Als Ergebnis präsentiert die Software die benötigte Schraubengröße und -länge sowie Kopfdurchmesser und -höhe einer Normschraube und liefert zudem ohne eine aufwendige Interpretation mehrseitiger Berichte die davon abhängigen Parameter wie Einschraubtiefe, Sacklochtiefe und Montagevorschrift. Die Ausgabe von Hinweisen und Warnungen hilft zudem, eventuelle Probleme bereits vor der Verschraubung zu erkennen. Die Speicherung der Daten im CSV-Format ermöglicht eine schnelle Übernahme der Eingaben und Ergebnisse in andere Programme.

Für weniger komplexe Fälle bieten die Franken zudem den kostenlosen Drehmomentrechner Torquecalc. Das Tool ermittelt die Montagedrehmomente und Vorspannkräfte für Schrauben von M 1,6 bis M 64. Verschiedene Reibwertfenster und Montagegenauigkeiten können ausgewählt werden. Hinterlegt sind die Kopfauflagedurchmesser für Sechskantschrauben nach DIN EN ISO 4017 sowie Bohrungsdurchmesser und Steigungen für Regel- und Feingewinde. Andere Auflage- und Bohrungsdurchmesser können manuell eingegeben werden.

Jens Holloch, RiBe/bt

Erschienen in Ausgabe: 05/2007