Show mit Mehrwert

Spezial: Bauma

Kabinen – Gemeinsam mit Netzwerkpartnern präsentiert Fritzmeier Cabs eine visionäre Kabine, die eindrucksvoll aussieht, viele neuartige Technologien vereint und als Ideengeber für Konstrukteure fungieren soll. zusammengestellt von Michael Kleine

18. März 2016

Vorbei sind die Zeiten von engen, eintönigen Baumaschinenkabinen, in die Zukunft gerichtet ist das moderne Modellkonzept »Genius Cab«, das auf der Bauma Premiere feiert. Dort sind Neuentwicklungen OEM-unabhängiger und innovationsgetriebener Zulieferer verknüpft, die sich 2015 im Netzwerk »CAB Concept Cluster« zusammengeschlossen haben.

Ein wichtiger Initiator hierbei ist der Kabinenspezialist Fritzmeier aus Großhelfendorf. »Wir sind als Entwickler aufgetreten und haben die Lösungen unserer Clusterpartner getestet und in die Zukunftskabine eingebaut«, sagt dessen CTO Uwe Rastel. »Es ist uns gelungen, die Partner zu überzeugen, dass deren aktive Mitarbeit und Unterstützung des Projekts für sie wertvoll ist. Die Vorzüge aller hier verbauten Komponenten sind auf den Mehrwert der anderen exakt abgestimmt und klar auf die Bedürfnisse des Maschinenbedieners ausgerichtet.«

Die Konzeptkabine vereint Zukunftseigenschaften, technische Lösungen, Neuerungen und modernes Styling. Dank ihr können die beteiligten Partnerfirmen auf der Bauma mit den Kunden über reelle, in Hardware dargestellte Lösungen sprechen. Sie können diese anfassen, live begutachten und einen Einblick gewinnen, wie sie die Komponenten in ihre Lösung integrieren können.

»Wir wollen von ihnen erfahren, ob die von uns angedachten Lösungen für ihre Produkte in Frage kommen«, sagt Uwe Rastel. »Es ist immer sehr schwer, nur von Ideen zu sprechen und auf deren Basis zu entscheiden. Das geht am bestehenden Objekt viel besser. Wir wollen zeigen, dass wir eine solche Kabine verwirklichen können. Der Kunde soll sehen, dass wir ihm nicht nur folgen, sondern eigene Ansätze und Lösungen entwickeln und Kapazitäten investieren, um ihm einen Mehrwert gegenüber dem Wettbewerb zu bieten. Er kann sich aus der Gesamtheit Einzelkomponenten herausgreifen, die Kabine selbst ist nicht so ausgelegt, um sie 1:1 in Serie zu produzieren«, erklärt Uwe Rastel. »Es handelt sich um ein reines Showobjekt, verwendbar sind nur die einzelnen Lösungen.« Mit diesem Showobjekt geht es Fritzmeier auch darum zu demonstrieren, dass das Unternehmen nicht alleine arbeitet. »Wir haben innovative deutsche Partner an unserer Seite, die die Entwicklung für gut befinden und aktiv an der Gesamtlösung mitarbeiten«, freut sich Uwe Rastel.

Die Hauptneuheit von Fritzmeier Cabs besteht in der Entwicklung einer integrativen Strukturlösung, die sich auffällig von einem konventionellen Überrollschutz (ROPS) unterscheidet. Die Besonderheit ist ihr modularer Aufbau mit einer »Softcab« aus verschweißten Aluminium-Spezial-Profilen und dem formfolgenden sogenannten Exo-ROPS aus Stahl, der additiv an der Kabine angebracht und für Gewichtsklassen von zehn bis 40 Tonnen variabel einsetzbar ist. Die Softcab allein ist in der Lage, neun Tonnen Fahrzeuggewicht abzudecken. Im Vergleich zu Baustählen bringt das eingesetzte Material eine deutliche Massenverringerung mit sich.

Fritzmeier setzt konsequent auf Leichtbau. »Dieser liegt voll im Trend, ist aber bis heute so noch nicht in einer Kabine verfügbar«, zeigt Uwe Rastel ein Highlight der Kabine auf. »Dies bezieht sich vor allem auf die Aluminiumkonstruktion, die auch als Kühlkörper für die integrierten Scheinwerfer fungiert.« So konnte Fritzmeier das Gewicht der Kabinenstruktur gegenüber Stahl um 30 Prozent reduzieren. Dafür haben die Ingenieure von Fritzmeier am F&E-Standort im rumänischen Sibiu Kabinenprofile in unterschiedlichen Querschnitten entwickelt.

Bestechend soll auf jeden Fall der äußere Eindruck der neuen Zukunftskabine sein. Das Design ist an einen geschliffenen Diamanten in einer starken Fassung angelehnt. Der additiv angesetzte, modulare Käfig trägt zusammen mit den Verkleidungselementen aus Kunststoff die Glaskanzel der Kabine mit facettierten Fensterflächen. Diese geben viel Sicht frei und reduzieren durch die Ausrichtung in spezifischer Winkelung den unerwünschten Verzerrungseffekt.

Die in die Struktur integrierten Fensterelemente und Innenverkleidungen sollen in der Serienherstellung zu erheblichen Kostenvorteilen führen. Dazu kommen viele weitere, in Sibiu neu entwickelte Features für die Kabine wie der »Ergo-Griff« und die elektrisch verfahrbare Sonnenblende. Die Arbeitsscheinwerfer sind in der Lage, gezielt Teilbereiche von der Ausleuchtung auszunehmen, um Blendwirkungen zu vermeiden. So lässt sich etwa bei einem Radlader die gehobene Schaufel ausblenden und das Licht an ihr vorbeiführen.

Integration und Wiedererkennung

Ein wichtiges Stichwort heißt Systemintegration, und das findet sich auch im Außendesign wieder: Die im toten Winkel der A-Pfosten ausgerichteten Protection-Rails übernehmen nicht nur ihre Funktion als Teil des Überrollschutzkäfigs, sondern dienen auch als Handlauf oder Kabelführung. Die besondere Silhouette wird zusätzlich durch die formgebenden Lichtlinien gesteigert, welche sich markenspezifisch anpassen lassen. Denn die Wiedererkennung der Markenzugehörigkeit und ein einzigartiges und unverkennbares Design werden auch im Off-Highway-Bereich immer wichtiger.

Letztendlich entscheidend ist aber der Mensch, der in der Kabine eine Baumaschine bedient und viel Zeit darin verbringt. Dazu hat der Cluster das Leitmotiv ›Human Centered Design‹ entwickelt. Es setzt durch den hochwertigen, großzügig dimensionierten Innenraum den Fokus auf einen maximal ergonomischen Arbeitsplatz. Durch diese kompromisslose Ausrichtung auf den Bediener und eine abermals konsequente Systemintegration wird die Arbeitssicherheit erhöht und die Effizienz des Mitarbeiters gesteigert. Designer und Entwickler richteten sich dabei auch nach wichtigen Punkten wie Informationsmanagement, Klarheit oder Cocooning.

An der Bauma als Ort der Premiere geht für Uwe Rastel kein Weg vorbei. »Wir finden in dieser weltweit größten Messe eine ideale und internationale Plattform für unser wichtigstes Marktsegment. Die Chance, uns dort mit einem Ansatz wie der CCC-Kabine zu präsentieren, ist sehr wertvoll. Alle bestehenden und potenziellen Kunden sind dort vertreten.«

Auf einen Blick

- Die Genius Cab ist eine Entwicklung vom »CAB Concept Cluster«, einem Netzwerk von OEM-Zulieferern und Wissenschaftlern der Branche.

- Die Mitglieder sind: Aurora, Bosch, Fritzmeier, Grammer, Hella, Hydac, Max Bögl, Mekra Lang, Savvy Telematic Systems, S.M.A., die Designagentur Lumod sowie die Technische Universität (TU) Dresden und der Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik e.V. (VDBUM).

- Das Konzept ist in der Kategorie Design für den Bauma Innovationspreis 2016 nominiert.

Bauma: Halle A6, Stand 327

Erschienen in Ausgabe: 02/2016