Sicher hinter verschlossener Tür

Sicherheitstechnik

Zuhaltungen – Produktionsprozesse erfordern auch aus Gründen der Prozesssicherheit häufig Sicherheitszuhaltungen. Spezielle Lösungen eignen sich auch für sehr große Schutztüren oder für Laserbearbeitungsanlagen.

06. Juli 2009

Ein bewährtes Element des Personenschutzes in der industriellen Fertigung sind Sicherheitsschalter, mit denen sich eine Maschine in Gefahrensituationen sofort stillsetzen lässt. Konventionelle Not-Aus-Schalter bieten jedoch nur mangelhaften Schutz, wenn an einer Maschine gefährliche Nachlaufbewegungen zu erwarten sind: In solchen Fällen kommen statt dessen Sicherheitszuhaltungen zum Einsatz, die ein Öffnen der Schutztür so lange verhindern, bis die gefahrbringende Bewegung tatsächlich zum Halt gekommen ist. Daneben gewährleisten solche Sicherheitszuhaltungen auch, dass der Fertigungs- oder Bearbeitungsvorgang nicht unterbrochen wird – etwa, wenn eine Unterbrechung zu Qualitätsverlusten führt oder wenn ganze Fertigungslinien zum Stillstand kommen würden, weil ein Bediener eine Schutztür öffnet.

Berührungslose Abfrage

Zusätzliche Vorteile bieten hier die Sicherheits-Schaltgeräte mit CSS-Technologie des Wuppertaler Sicherheitstechnikspezialisten K.A. Schmersal, bei denen die Abfrage der Verriegelung und der Schutztürstellung berührungslos erfolgt. Das hat unter anderem den Vorteil, dass sich bis zu 31 Zuhaltungen in Reihe schalten und über einen gemeinsamen Sicherheitsbaustein abfragen lassen. Ein weiterer Vorteil ist die elektronische »Früherkennung« eines möglichen Schutztürversatzes. Die Geräte der Baureihe AZM200 bieten zudem einen integrierten Türgriff, eine Fluchtentriegelung, mit dem Bediener, die versehentlich im Gefahrenbereich eingeschlossen wurden, die Schutztür von innen einfach öffnen können, sowie LEDs zur Anzeige des Betriebszustands.

Neu im Programm des Unternehmens ist eine Variante mit höherer mechanischer Stabilität für den Einsatz in Großbearbeitungszentren, das sich auch bei großen zweiflügeligen Schutztüren einsetzen lässt und selbst im Fall des Herausfliegens größerer Werkstücke ausreichenden Schutz bietet. Die Lösung besitzt ein zusätzliches Verriegelungsgestänge, das an der Ober- und Unterseite des Schutztürrahmens eingreift und damit im geschlossenen Zustand der Schutztür eine stabile Dreipunkt-Verriegelung gewährleistet.

Für den Einsatz an Türen mit einer Überlappung von Schutztür und Maschinenumhausung eignet sich der Betätiger B40 mit breiterem Türschild. Verwendung finden derartige Türen zum Beispiel aus Gründen eines besonderen Schallschutzes oder auch bei Laserbearbeitungsanlagen, um sicherzustellen, dass kein »verirrter« Laserstrahl durch den Türspalt dringen kann.

Magnetisch verschlossen

Mehr Möglichkeiten als elektromechanische Sicherheitszuhaltungen verspricht der Einsatz einer berührungslosen Sicherheitszuhaltung vom Typ MZM 100, die Verriegelungskräfte bis 500 Newton auf elektromagnetischem Wege erzeugen kann. Der Verzicht auf eine mechanische Zuhaltung erleichtert die Integration der Sicherheitszuhaltung in die Konstruktion und verhindert zudem, dass Klappergeräusche an vibrierenden Maschinen entstehen.

Beim Einsatz für das nicht sicherheitsgerichtete Verschließen der Schutztür mit der Variante MZM100R ermöglichen so genannte »Targets« eine individuelle Anpassung der Rastkraft an die jeweiligen Anwendungen und Türgrößen in acht Stufen von etwa 30 bis 170 Newton bei eingebautem Gerät vor der Inbetriebnahme der Maschine. Zur Einstellung der Rastkraft genügt es, die Schutztür zu öffnen und den MZM100 von der Versorgungsspannung zu trennen. Dann legt man das Target mit der Betätigungsseite an das Typenschild des Gerätes an. Wird die Versorgungsspannung wieder eingeschaltet, sucht der MZM100R das Target und erhöht dabei die Rastkraft in acht Sekunden stufenweise um etwa 20 Newton. Leuchtdioden zeigen die jeweils erreichte Stufe an. Wenn der gewünschte Wert erreicht ist, speichert man die Rastkraft durch Abschalten der Versorgungsspannung. Da ein Target für alle Geräte dieser Bauart passt, lassen sich mit einem einzigen Target alle MZM 100 R im jeweiligen Betrieb individuell einstellen.

Helmut Letzel, Schmersal/bt

Erschienen in Ausgabe: 04/2009