Sicher, schnell und effizient

Leitungsmontage – Neuartige Kabeldurchführungssysteme ermöglichen die Kabelmontage ohne Verschraubung und nahezu werkzeuglos. Innovative Details ersparen dabei zugleich Montagezeit und Platz.

10. September 2008

Die Oskar Frech GmbH + Co. KG in Schorndorf im Remstal östlich von Stuttgart ist ein führender Hersteller von Warmkammer- und Kaltkammer-Druckgießmaschinen für Magnesium, Aluminium und Zink. Auf dem Gebiet der Warmkammer-Druckgießmaschinen ist das Unternehmen nach eigenen Angaben sogar Weltmarktführer. Das 1949 gegründete in Familienunternehmen mit 18 Niederlassungen in Europa, Asien und Nordamerika beschäftigt heute weltweit rund 660 Mitarbeiter.

International führend ist das Unternehmen auch bei der Fertigung und Montage der Maschinen. So realisiert Frech die gesamte Schaltschrankverkabelung und viele andere Verkabelungsarbeiten schnell, flexibel, hoch effizient und nahezu ohne Werkzeugeinsatz. Auf den Einsatz traditioneller Kabelverschraubungen kann das Unternehmen dabei selbst für vorkonfektionierte Leitungen mit Stecker komplett verzichten: Anstelle dieser konventionellen Bauteile nutzen die Schwaben innovative Kabeldurchführungs- und Halterungssysteme des Systemtechnikherstellers Murrplastik aus Oppenweiler.

Bernd Entenmann, Leiter der Warmkammer- Montage bei Frech, kennt das leidige Problem aus der Vergangenheit zur Genüge: »Bei der Montage von Kabeln, Pneumatikleitungen und vorkonfektionierten Leitungen in unseren Schaltschränken oder Klemmenschränken konnten schon mal sehr viele unerwünschte Arbeitsstunden zusammenkommen.«

Zudem besteht bei der Montage Dutzender Kabelverschraubungen bei einer 22 Tonnen schweren Warmkammer-Druckgießmaschine wie der Frech DAW 500 bei der konventionellen Verkabelungstechnik immer die Gefahr, dass der Monteur einmal den Überblick verliert. Mitunter ein wahres Schreckensszenario war früher insbesondere die Verkabelung von vorkonfektionierten Leitungen mit Steckern, beispielsweise für Sensoroder Datenleitungen, erinnert sich Helmar Dannemann, Frech-Bereichsleiter Konstruktion und Entwicklung: »Wir mussten zuerst den Stecker demontieren oder abschneiden, dann in den Schaltschrank einführen und abschließend den gesamten Stecker wieder zusammenbauen.«

Eine solche Montage verursacht nicht allein einen enormen Zeitaufwand – zudem konnte man sich nie sicher sein, ob der Stecker nach der brutalen Prozedur wieder hundertprozentig funktioniert. Die logische Konsequenz waren aufwendige Prüfungen, ergänzt Dannemann.

Wolfgang Sohn, Leiter des Profi t Centers Kabeldurchführungs- und Schlauchverschraubungssysteme bei Murrplastik, erläutert das Problem: »Stundenlange und fehleranfällige Verkabelungsarbeiten sind heute im globalen Wettbewerb nicht mehr drin, zudem muss ein global agierendes Unternehmen wie Frech die Wartungs- und Servicefreundlichkeit aller Systeme mit einschließen.«

Praxistests haben gezeigt, dass die Kabelinstallation und -nachrüstung sich mit Murrplastik-Kabeldurchführungssystemen bis zu zehnmal schneller realisieren lassen als mit herkömmlichen Kabelverschraubungen. Zur Montage genügt es hier, lediglich Rasthaken auf das Blech am entsprechenden Ausschnitt aufzuschieben und das jeweilige Kabeldurchführungssystem anschließend auf die Rasthaken zu stecken. Ein weiterer Vorteil des Systems ist die hohe Packungsdichte: So können auf derselben Fläche bis zu 50 Prozent mehr Kabel oder Schläuche angeschlossen werden als mit konventionellen Kabelverschraubungen. Das Ergebnis sind kürzere Montagezeiten, geringerer Platzbedarf und eine geringere Fehleranfälligkeit und damit eine deutliche Kostensenkung.

Problemlos mit und ohne Stecker

Für die Durchführung von Kabeln und Pneumatikleitungen verwendet Frech das Murrplastik-System KDP mit einer Durchführungsplatte. Diese besteht insgesamt aus vier Teilen: Zwischen zwei Gehäuseteilen befinden sich zwei Elastomerplatten, die die notwendige Zugentlastung der Kabel gewährleisten und zudem das Gehäuse gegen Umwelteinflüsse gemäß Schutzart IP 65 abdichten. Um einen Anschluss abzudichten, lässt sich der integrierte Verschlussstopfen wieder in die Ursprungsposition zurückdrücken. Die Kabeldurchführung funktioniert denkbar einfach, erklärt Konstruktionsleiter Dannemann: »Zum Einführen eines Kabels oder eines Pneumatikschlauchs ist jeweils ein Loch in der Platte vorgestanzt. Durch einen kurzen Ruck in die Gegenrichtung verschließt sich die Öffnung selbsttätig.«

Für anschlussfertig vorkonfektionierte Leitungen mit Stecker kommt bei Frech dagegen das Kabeldurchführungssystem KDL/E zum Einsatz. Bei diesem System wird zunächst eine geteilte Tülle um jede Leitung gelegt und danach verschlossen. Danach werden die verschlossenen Tüllen mit den Kabeln in einen Grundrahmen eingeschoben, bei dem zuvor die benötigte Anzahl von Öffnungen freigelegt wurde. Die gesamte Kabeldurchführungsleiste mit den Leitungen kommt danach in die normierte Aussparung im Gehäuse. Die Zugentlastung der Leitungen erfolgt einzeln an jeder Tülle.

In geschlossenem Zustand bildet die Kabeldurchführungsleiste KDL/E zusammen mit den Tüllen eine umlaufende, fest schließende Dichtlippe zum Maschinengehäuse, die ohne zusätzliche Dichtungen die Schutzart IP 54 erfüllt. Ein wichtiger Vorteil für Frech ist auch die Flexibilität des Systems: So lässt sich die Kabeldurchführungsleiste mit bis zu zehn vorkonfektionierten Leitungen mit Durchmessern zwischen drei und 31 Millimeter bestücken. Die entsprechenden Tüllen sind in 13 verschiedenen Größen oder alternativ als Variotülle erhältlich.

Kennzeichnung schafft Ordnung

Neben den Verkabelungssystemen liefert Murrplastik auch die Kennzeichnungssysteme für eine weltweit universelle Beschriftung der Anschlüsse und Leitungen, erläutert Bernd Entenmann, Leiter der Warmkammer- Montage bei Frech: »Mit den Kennzeichnungssystemen von Murrplastik erreichen wir eine eindeutige und dauerhafte Beschriftung von Leitungen, Einzeladern, Bauteilen, Schaltgeräten und Klemmen; speziell im Wartungs- und Servicefall ist das von unschätzbarem Vorteil.«

Wolfgang Sohn, Murrplastik/bt

Fakten

-Kabeldurchführungssysteme von Murrplastik Systemtechnik ermöglichen die Leitungsmontage ohne Verschraubung.

- Kabeldurchführungsplatten besitzen vorgestanzte Löcher zum Einführen einer Leitung ohne Anschlüsse. Durch einen kurzen Ruck in die Gegenrichtung verschließt sich die Öffnung selbsttätig. Zur Wahl stehen unterschiedliche Typen in runder oder rechteckiger Ausführung aus Kunststoff, Aluminium oder Edelstahl.

- Vorkonfektionierte Leitungen mit Steckern lassen sich mit geteilten Kabeldurchführungsleisten in ein Gehäuse einführen.

Erschienen in Ausgabe: 06/2008