Sicher stecken und trennen

Porträt

ISV Marechal – Sich in der Welt der elektrischen Verbindung abzuheben ist nicht leicht. Ein französischer Anbieter mit deutscher Niederlassung hat es dank eines genialen Prinzips geschafft.

22. September 2012

Stecker in der Industrie haben oft nicht viel mit dem zu tun, was man aus dem Haushalt kennt. Sonst könnten sie den harten Bedingungen nicht standhalten, die unter Tage herrschen, im Tunnelbau sowie in Hafenanlagen oder Chemiefabriken.

Dort vertrauen die Anwender speziellen Technologien wie dem Dekontaktor-Prinzip. Dieses war die grundlegende Idee, als Gilles Maréchal 1952 sein Unternehmen Marechal S.A. gründete. Er machte sich die bei Schaltern und Schützen verwendete Kontakttechnologie zunutze, um sie in spezielle Steckvorrichtungen zu integrieren. »Auf diese Weise wollte er maximale Sicherheit, Zuverlässigkeit und Leistungsstärke in Elektroinstallationen gewährleisten«, erzählt Prokurist Hans-Peter Hinz, seit 1982 bei ISV und seit 1998 Leiter Vertrieb und Technik.

Mehrere Generationen von Dekontaktoren wurden kontinuierlich ausgebaut und optimiert: Auf die erste Baureihe DN folgte einige Jahre später die Kernbaureihe DS mit Drehsicherheitsscheibe. Heute bietet ISV Marechal eine Vielzahl von Produktfamilien für Lösungen in ganz unterschiedlichen und spezifischen Anwendungen der Verbindungstechnik. Ganz aktuell sind die DS9 für Motoren und Stromaggregate bis zu 150 Ampere und einer Spannung bis 1.000 Volt mit sechs Hilfskontakten.

Hans-Peter Hinz fasst die Vorteile des Dekontaktor-Prinzips zusammen: »Ein wesentlicher Punkt ist das einfache und sichere Handling der Steckverbindung, wir können wie kein anderer Anbieter bis 250 Ampere und 400 Volt unter Last trennen. Das geschieht durch einfachen Knopfdruck auf den Auslösehaken. Auf diese Weise bieten wir die notwendige Sicherheit, denn der Stecker ist beim Herausnehmen bereits last- und spannungsfrei.«

Die Drehsicherheitsscheibe in der Dose verhindert dabei zuverlässig jeglichen Zugang zu spannungsführenden Teilen.

»Der zweite Vorteil ist die optimale Stromübertragung durch korrosionsbeständige Silberstirndruck-Kontakte mit niedrigen Übergangswiderständen. Und als drittes würde ich die lange Lebensdauer der Steckvorrichtungen nennen, ermöglicht durch den Kontaktwerkstoff Silber-Nickel, hochresistente Kunststoff- oder Metallgehäuse sowie eine hohe Dichtigkeit, da beim Stecken automatisch Schutzart IP66/IP67 hergestellt wird.« Zudem seien die DS9-Dekontaktoren robust gegen Feuchtigkeit, Korrosion, Verschmutzung, Staub und mechanische Beanspruchung. Dank seiner sechs vorverkabelten Hilfskontakte ermöglicht der DS9-Dekontaktor neben der Leistungseinspeisung auch die Übertragung von Mess- und Steuersignalen, zum Beispiel für SPSen. Insgesamt verfügt die Steckvorrichtung über 24 Codierpositionen.

Überall zu finden

Heute hat sich der Anbieter als Marechal Electric Group (MEG) weltweit aufgestellt. Mit seinem langjährigen Know-how sowie Standardprodukten und kundenspezifischen Entwicklungen zielt MEG auf verschiedene Branchen wie Tunnelbau, Bergbau, die Nahrungsmittelindustrie, die Abwasseraufbereitung, Schwerindustrie, Chemie, Kranbau und Infrastruktur, Transportwesen, Energie oder Unterhaltung und Medien.

Beispiele für die zahlreichen Referenzen sind Eckes Granini oder Nestlé aus der Nahrungsmittelindustrie, Sanofi Aventis oder Tesa aus der Chemiebranche, der Energieversorger Areva sowie ThyssenKrupp, die Lufthansa oder Disneyland.

Die deutsche Tochter ISV Industrie-Steck-Vorrichtungen GmbH hat heute 39 Mitarbeiter und fertigt gemäß den europäischen und internationalen Normen. »Außerdem sind wir Mitglied der internationalen Vereinigung der Hersteller von elektrischen Steckvorrichtungen mit Stirndruckkontakten, BECMA genannt«, ergänzt Hans-Peter Hinz. Das Qualitätsmanagement ist nach DIN EN ISO 9001:2008 zertifiziert.

»All unsere Steckvorrichtungen werden in Willstätt gefertigt« erläutert der Leiter Vertrieb und Technik. »ISV ist dabei für die Märkte DACH, Dänemark und Schweden sowie die angrenzenden östlichen Nachbarländer und Russland zuständig. Unser eigenes Vertriebs- und Technikteam bietet zudem einen kompetenten Kundendienst für alle Fragen rund um den Einsatz von Industriesteckvorrichtungen.«

Auf einen Blick

-ISV Industrie-Steck-Vorrichtungen.

-Firmensitz und Produktion in Willstätt-Sand.

-1969 gegründet, 39 Mitarbeiter.

-Deutsche Tochtergesellschaft der Marechal Electric Group (MEG), seit 60 Jahren Anbieter für Industriesteckverbindungen, 320 Mitarbeiter weltweit, Jahresumsatz rund 60 Millionen Euro.

Erschienen in Ausgabe: 07/2012