Sicheres Zeugnis für Europa

EU-Richtlinien - Wer in Europa Maschinen konzipiert, baut oder in Verkehr bringt, muss sich an der geltenden Maschinenrichtlinie orientieren. Allem voran an den Sicherheits- und Schutzbestimmungen.

08. Mai 2006

Am Anfang des langen Weges zum CE-Zeichen, steht die Durchführung einer Gefahrenanalyse. Um dabei den Schutzzielen der Maschinenrichtlinie zu entsprechen, müssen alle Lebensphasen einer Maschine betrachtet werden. Darüber hinaus sind für jede Phase die Gefahren bei bestimmungsgemäßen Gebrauch sowie bei vorhersehbarem Missbrauch, Unachtsamkeit oder sonstigem Fehlverhalten des Bedieners zu analysieren, denn die meisten Unfälle ereignen sich nicht im Normalbetrieb, sondern bei Reinigungs-, Umrüst-, Wartungs- oder Reparaturarbeiten. Bezogen auf eine konkrete Maschine oder Anlage werden zunächst die Gefahrstellen und -bereiche ermittelt, die eine Person dem Risiko einer Verletzung oder Gesundheitsschädigung aussetzen. Nach der Identifizierung der möglichen Gefährdungen erfolgt eine Risikoeinschätzung und -bewertung, aus der sich dann ein Sicherheitskonzept ableitet.

Risiken eliminieren

Sind die Gefahrenpotenziale einer Maschine ermittelt und die idealen Schutzziele im Rahmen eines Sicherheitskonzeptes definiert, erfolgt nun die Auswahl betriebs- und sicherheitstechnisch geeigneter Schutzmaßnahmen. Sie dürfen die wesentliche Funktionsfähigkeit und Bedienbarkeit einer Maschine oder Anlage aber nicht beeinträchtigen und müssen möglichst zuverlässig gegen Manipulation oder Umgehung geschützt sein. Bei der Auswahl der einzusetzenden Sicherheitstechnik kann sich der Konstrukteur entscheiden, zwischen trennenden Schutzeinrichtungen und berührungslos wirkenden Schutzeinrichtungen. Wobei je nach Anlage auch eine Kombination aus beidem anzutreffen ist.

Bei trennenden Schutzein­richtungen wird zwischen feststehend trennend, z.?B. Zäunen, und beweglich trennenden Schutzeinrichtungen unterschieden. Letztere unterteilen sich in verriegelte mit und ohne Zuhaltung. Die mit Zuhaltung bieten den Vorteil, dass erst bei gefahrlosem Zustand ein Öffnen möglich ist. Generell müssen trennende Schutzeinrichtungen ausreichend stabil und haltbar ausgelegt sein.

Erste Wahl sind diese genannten Schutzeinrichtungen, wenn herausschleudernde Teile, hohe Drücke oder Strahlung entweichen können, oder auch große Lärmbelästigung an der Anlage zu erwarten sind. Bei der Verwendung von beweglich trennenden Schutzeinrichtungen ohne Zuhaltung, ist ein Sicherheitsabstand zu berücksichtigen. Mechanische Absperrungen sind zudem in vielen Einsatzfällen eine preiswertere Lösung, vor allem dann, wenn wenig Platz vorhanden ist und ein Zugang in den Gefahrenbereich nur selten oder gar nicht erforderlich ist. In allen anderen Fällen besitzen berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen wie Laserscanner-Lichtvorhänge oder Mehrstrahl-Sicherheitslichtschranken zur Absicherung von Gefahrstellen, Gefahrbereichen oder Zugängen deutliche Vorteile. Die kompakten Geräte können - so ein ausreichender Sicherheitsabstand zur gefahrbringenden Bewegung gegeben ist - direkt an der Maschine oder am Beginn des Gefahrenbereichs installiert werden. Da der Bediener nicht auf das Öffnen einer mechanischen Schutzeinrichtung warten muss, sind die Zugriffs­zeiten deutlich reduziert. Dies wiederum erhöht die Produktivität der Maschine, da Beschickungs- oder Entnahmezeit gespart wird. Zudem erlaubt eine intelligente Steuerungseinbindung, z.?B. beim 2-Takt-Betrieb, eine weitere Produktivitätssteigerung. Darüber hinaus ist der Zugang zur Maschine beim Umrüsten wesentlich vereinfacht.

Bei berührungslos wirkenden Schutzeinrichtungen können Schutzfeldhöhen und -geometrien flexibel festgelegt und je nach System und Anwendung modifiziert werden. Darüber hinaus können mit berührungslos wirkenden Schutzeinrichtungen Materialflüsse in sicherheitsrelevanten Bereichen automatisiert und Anlagen verkettet werden, da sie in der Lage sind, auf unterschiedliche Weise zwischen Menschen und Material, zwischen Personen und Paletten zu unterscheiden. Dadurch können z.?B. Automobilkarossen durch Sicherheits-Lichtvorhänge von einem Roboter zum nächsten transportiert werden, ohne dass die Schutzfunktion beeinträchtigt wird.

Ergebnisse dokumentieren

Entscheidend für die Auswahl der Funktion ist, dass die Schutzziele unter sicherheits-, produktions- und bedienungstechnischen sowie wirtschaftlichen Zielen erreicht werden. Dafür, dass dies auch in der Betriebspraxis so sein wird, muss nach Fertigstellung der Maschine kontrolliert werden, ob die Schutzmaßnahmen vorhanden und auch wirksam sind. Zusätzlich zur Durchführung der Prüfung wird empfohlen, die Prüfvermerke und -ergebnisse auf einem besonderen Formular festzuhalten und dieses der technischen Maschinendokumentation hinzuzufügen. Dies gilt entsprechend auch für die Warnung vor eventuellen Restrisiken, welche als Teil der Benutzerinformation durch die Maschinenrichtlinie vorgeschrieben wird. Gefahrenanalyse, Sicherheitskonzept, normgerechte Konstruktion und Ausrüstung der Maschine sowie Prüfung und Dokumentation - jetzt, so sollte man meinen, ist die Richtlinienkonformität erfüllt und die Maschine fertig für das CE-Zeichen. Doch trotzdem bietet eine CE-Kennzeichnung oft keine Gewähr für eine sicherheitstechnisch mängelfreie Maschine. Hinzu kommt, dass häufig auch gegen die formellen Voraussetzungen für das erstma­lige Inverkehrbringen von Maschinen verstoßen wird. So wird oftmals nicht beachtet, dass nur verwendungsfertige Maschinen eine CE-Kennzeichnung tragen dürfen. Hierzu muss am Aufstellungsort die Richtlinienkonformität hergestellt werden. Herstellern bzw. Inverkehrbringern wird dringend geraten, beim Bau einer Maschine neben den technischen Normen auch die formellen Voraussetzungen bei der Vergabe des CE-Zeichens zu beachten. Dieser Rat ergeht zum einen aufgrund der Verantwortung für die Betriebssicherheit der Maschinen, aber auch aufgrund der rechtlichen Auswirkungen, die nicht konforme Maschinen oder Betriebsunfälle an solchen Anlagen sowohl für Unternehmen als für Einzelpersonen im Unternehmen nach sich ziehen können.

Gerhard Dieterle/Simon Köpfer SICK AG

FAKTEN

- Alle technischen Produkte, die in Europa gehandelt werden, benötigen die CE-Kennzeichnung.

- Jeder Hersteller prüft in eigener Verantwortung.

- Zusätzlich erstellt der Erzeuger eine EG-Konformitätserklärung und bringt das CE-Siegel direkt am Produkt an.

Erschienen in Ausgabe: 03/2006