Sicherheit am Bahndamm

Industrieelektronik

IPC - In Bahnstrecken weltweit sind effiziente Achszählsysteme made in Austria eingebaut, deren Herz ein IPC aus der Schweiz ist.

12. Dezember 2012

Sicherheit wird bei Bahnunternehmen in der ganzen Welt großgeschrieben. Darum setzen die Betreiber auf sogenannte Achszählsysteme, die zur Überwachung von Gleis- oder Weichenabschnitten dienen und melden, ob ein Gleis frei ist.

Einer der Anbieter solcher Systeme ist die Frauscher Sensortechnik GmbH mit Sitz im oberösterreichischen St. Marienkirchen. Neben der Sensortechnik zur Raddetektion sind in den letzten Jahren Achszählsysteme zum wichtigsten Standbein des Unternehmens geworden. Die Funktionsweise solcher Systeme basiert auf dem Ein- und Auszählen von Achsen in definierten Gleis- oder Weichenabschnitten wie etwa zur Überwachung von Bahnübergängen.

Diese sogenannten Freimeldeabschnitte werden jeweils am Anfang und am Ende durch einen Zählpunkt begrenzt. Wenn die Achse eines Schienenfahrzeuges den Zählpunkt am Anfang eines Freimeldeabschnitts überquert, erhöht das Achszählsystem den Zählerstand um eine Achse, bei der Überquerung des Zählpunktes am Ende des Freimeldeabschnitts durch dieselbe Achse verringert es den Zählerstand um eins. Entsprechend muss der Zählerstand eines Freimeldeabschnitts Null betragen, damit der Streckenabschnitt freigegeben wird.

Die weltweit eingesetzte Technologie ersetzt durch ihre Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit zunehmend die weitverbreiteten Gleisstromkreissysteme. Stefan Raschhofer, Entwicklungsingenieur bei Frauscher, betont: »Unsere Achszählsysteme bieten höchste Zuverlässigkeit bei minimalen Life-Cycle-Costs. Ausschlaggebend dafür ist neben den modernen Fertigungsanlagen und unserer langjährigen Erfahrung vor allem der Umstand, dass unsere Kunden die modularen Systeme selbst konfigurieren, bedienen und warten können.«

Leistungsfähige Neuheit

Mit dem neuen Frauscher Advanced Counter (FAdC) präsentierten die Österreicher kürzlich eine neue Generation von Achszählsystemen. FAdC ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung des weltweit eingesetzten Achszählsystems ACS2000. Eine wesentliche Neuerung stellt die Implementierung eines Ethernet-Interface dar, das die Relaisschnittstelle überflüssig macht und neben einer hohen Fehlersicherheit auch eine kompakte Bauweise erlaubt.

Der FAdC besteht im Wesentlichen aus zwei Baugruppen, der Auswertebaugruppe (AEB), in der sich die Zählpunktauswertung sowie der Achszählalgorithmus befindet, und der Kommunikationsbaugruppe (COM), die die Anbindung von Software- und Hardware-Komponenten ermöglicht. Damit lässt sich der FAdC einfach an Kundensysteme anbinden.

Nachdem Frauscher sein neues System bereits letztes Jahr über mehrere Monate im dafür geschaffenen Testcenter der Österreichischen Bundesbahn auf der Strecke von PassaunachWels getestet hat, steht das Pilotprojekt in Wales kurz vor der Serienreife. Bei diesem Projekt kommt nicht nur der neue FAdC zum Einsatz, sondern auch erstmals eine dezentrale Architektur des Gesamtsystems, die durch die neue serielle Anbindung möglich wird. Dabei sitzt die Signaltechnik wie Weichenantriebe, Signale oder Achszählsysteme in Außenschränken entlang der Strecke anstatt wie bisher zentral in einem Stellwerkgebäude.

Wichtige Aufabe für IPC

Wie beim Vorgängersystem ACS2000 setzt Frauscher auch beim FAdC auf die Industrierechner des Embedded-Computing-Spezialisten Syslogic. Den Rechnern der Serie Compact 4/F1 kommt die Steuerung des Diagnosesystems zu, das einerseits für die Entstörung und Prävention, andererseits aber auch für statistische Aufgaben zuständig ist.

Alle verfügbaren Betriebs- und Statusdaten der Achszähler werden vom Rechner gespeichert, ausgewertet und aufbereitet. Stellt er eine notwendige Wartungshandlung fest oder liegen Störungen vor, alarmiert das übergeordnete System des Bahnbetreibers per E-Mail, SMS oder Machine-Machine-Interface. Über den integrierten Webserver ist es möglich, Unterstützung bei der Entstörung abzurufen.

Die Entscheidung für IPC von Syslogic begründet Entwicklungsingenieur Raschhofer mit der langjährigen Erfahrung der Schweizer in der Bahnbranche sowie mit der Auslegung der Rechner für den erweiterten Temperaturbereich. Syslogic, einer der wenigen Hersteller, der neben einer eigenen Entwicklung auch eine eigene Fertigung mit integrierter SMD-Bestückung unterhält, prüft sämtliche Geräte vor der Auslieferung in einem speziellen Burn-In-Verfahren, bei dem die Geräte während 48 Stunden extreme Temperaturschwankungen aushalten müssen.

»Unsere Achszählsysteme kommen weltweit und unter sehr unterschiedlichen klimatischen Bedingungen zum Einsatz«, erläutert Raschhofer und fügt an: »Entsprechend brauchen wir die Gewissheit, dass sämtliche verbauten Komponenten auch unter Extremsituationen zuverlässig funktionieren. Mit ihrem kompromisslosen Industriedesign erfüllen die lüfterlosen IPC von Syslogic unsere Anforderungen.«

Jederzeit anzupassen

Der Embedded-Spezialist hat dank seiner hohen Systemkompetenz den Eingangsspannungsbereich der Geräte für Frauscher auf 19 bis 72 Volt angepasst. Als weitere Besonderheit hat Syslogic kürzlich die Leiterplatten von Geräten für ein Bahnprojekt in Indien mit einem speziellen Schutzlack versehen, um sie auch bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit vor Ausfall zu schützen. Punkte wie diese veranlassen Stefan Raschhofer zu einem positiven Resümee: »Syslogic hat die gleichen Ansprüche an Qualität, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit wie Frauscher. Daher ergänzen die Syslogic-Rechner unsere Achszählsysteme ideal.«

Raschhofer zeigt sich optimistisch, dass Frauscher, bereits heute einer der drei führenden Hersteller von Achszählsystemen, mit dem neuen FAdC weitere Marktanteile erringen kann. Dank der seriellen Anbindung bietet das System neue Möglichkeiten wie eine dezentrale Bauweise. Zudem ermöglichen die kompakten Systeme noch geringere Werte bei den Life-Cycle-Costs. Dass diese Vorteile bei den Kunden weltweit Anklang finden, zeigt nicht nur das Pilotprojekt in Wales sondern auch zahlreiche neue Aufträge weltweit.

Erschienen in Ausgabe: Industrie Handbuch/2013