Sicherheit rauf, Kosten runter

Konstruktionsmanagement

SicherheitsSoftware – Die Umsetzung der Maschinenrichtlinie ist in vollem Gange. Über die Kosten sind sich die meisten aber nicht im Klaren. Kann ein CE-Beauftragter helfen und was bringt ein Softwaresystem?

13. November 2012

Die Maschinenrichtlinie sorgt in der Branche nachhaltig für Wirbel. Es gibt zwar Konzepte zur Umsetzung, und vor allem die größeren Unternehmen sind recht weit in der Umsetzung, aber viele kleine stecken noch immer mittendrin. Dabei besteht eine klar formulierte Pflicht zur Risikobeurteilung und der »Integration von Sicherheit in Konstruktion und Bau der Maschine«, mit dem Ziel, das Risiko für die Bediener zu mindern.

Das macht sich nicht umsonst und darum verzichten viele aus Kostengründen auf die Durchführung von Risikobeurteilungen in den Engineering-Prozessen. Zur Umsetzung kommen die »immer schon gewählten Lösungen«.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese Lösungen oft nicht kausal in Zusammenhang mit der Gefährdung stehen und trotz hoher Kosten die Sicherheitsziele nicht erfüllen. Es ist daher besonders wichtig, immer zuerst die relevanten Gefährdungen zu identifizieren, das damit verbundene Risiko abzuschätzen und erst danach die geeignete Lösung zu ermitteln. Ein recht wirksames Hilfsmittel sind dabei die harmonisierten europäischen Normen, alle Projektbeteiligten sollten darum zu jeder Zeit Zugriff auf die aktuelle Version dieser Normen haben.

Hilfreiche Übersicht

Ein weiterer Ansatz ist das »CE-Umsetzungskonzept« in der Europäischen Norm EN ISO 12100. Auf einem einzigen Blatt stellt es die Anforderungen zur Risikobeurteilung sowie Risikominderung aus den allgemeinen Grundsätzen des Anhang I der Maschinenrichtlinie dar.

Die große Herausforderung in den Unternehmen besteht darin, dass sich alle Konstrukteure und Planer an diesen Ablauf halten. Dafür könnte sehr gut ein CE-Beauftragter sorgen, das zeigt die Erfahrung. Leider überlassen die meisten Beteiligten diesem dann oft die vollständige Verantwortung und halten sich aus der Thematik heraus, was den CE-Beauftragten vor teilweise unlösbare Aufgaben stellt. Es ist daher dringend zu empfehlen, die Ziele, Aufgaben, Befugnisse und Verantwortlichkeiten in einer Stellenbeschreibung möglichst klar und schriftlich festzuhalten. Unklarheiten gehen meist zulasten des Unternehmens.

Unnötige Kosten meiden

Weitere Kosten entstehen durch Sicherheitsbauteile wie etwa Not-Halt-Einrichtungen oder andere Sicherheitsbauteile. Solche Hilfsmittel sind aber obsolet, wenn die Anwender schon bei der Konstruktion auf Sicherheit achten. EN ISO 12100 informiert im Abschnitt 6.2 über diese Möglichkeiten.

Die Kosten für solche inhärent sicheren Lösungen können verschwindend gering ausfallen, wenn diese bereits während der Konstruktion einfließen. Nach dem Bau der Maschine ist das meist nicht mehr oder nur mit großem Aufwand möglich und darum liegt hier ein stattliches Einsparungspotenzial.

Auch bei der Gestaltung der Benutzerhinweise entstehen teilweise unnötig hohe Kosten durch einen nicht optimal organisierten Workflow. Optimalerweise ergeben sich die erforderlichen Hinweise auf eventuelle Restgefährdungen aus der Risikobeurteilung.

Wenn sich technische Redakteure bei der Dokumentation aber mangels notwendiger Informationen nachträglich selbst auf die Suche nach Restgefährdungen begeben müssen, erzeugt dies nicht nur sehr hohe Kosten. Zusätzlich erhöht sich das Produkthaftungsrisiko, da nicht zu erwarten ist, dass sie alle Restgefährdungen auch tatsächlich finden.

Viele Unternehmen erstellen die Dokumentation mit Word oder Excel. So müssen sich die Projektbeteiligten nicht mit der Funktionsweise einer neuen Softwareoberfläche auseinandersetzen. Allerdings ist es notwendig, entsprechende Vorlagen anzufertigen und diese bei Normen- oder Richtlinienänderungen zeitnah zu aktualisieren. Dies geht oft nur solange gut, solange die Person, die dieses System ausreichend kennt und betreut, noch verfügbar ist. Andernfalls wird oft noch jahrelang mit veralteten Vorlagen gearbeitet, ohne dass die Anwender dies merken.

Der gravierendste Nachteil ist aber, dass sich die Daten, in Word oder Excel in jahrelanger mühsamer Arbeit zusammengetragen, nicht mit einfachen Mitteln auswerten, überprüfen und aktualisieren lassen. Gerade hier bietet moderne Computertechnologie Mechanismen, um Arbeiten, für die Hunderte Menschen manuell mehrere Monate oder Jahre benötigen würden, in wenigen Sekunden durchzuführen. Dadurch können qualitätssichernde Maßnahmen in die Konstruktionsprozesse einfließen, ohne dass die Anwender dies merken.

Intelligent verknüpfen

Dank intelligenter Verknüpfung von digitalem Wissen aus verschiedenen Datenbanken lässt sich ermitteln, in welcher Weise bestimmte Ereignisse Auswirkungen auf laufende Projekte haben und für welche Personen im Unternehmen dies relevant ist – eine entscheidende Information, bevor die Konformitätserklärung rechtsverbindlich unterschrieben wird.

Wichtig ist auch zu klären, welche Funktionalitäten tatsächlich benötigt werden. Es empfiehlt sich, bei der Bewertung mittel- und langfristige Projektzahlen sowie Projektlaufzeiten zu berücksichtigen. Datenmengen, die heute noch leicht zu überblicken sind, können in wenigen Jahren Dimensionen annehmen, die manuell nur mehr schwer zu handhaben sind.

Hilfreich ist dabei eine Checkliste, mit der sich der Bedarf an ein Softwaresystem leicht ermitteln lässt, wie es IBF aus Österreich mit der neuen Generation ihrer CE-Praxissoftware Safexpert anbietet. Unterstützend dazu ist im August 2012 das Fachbuch »Effiziente CE-Kennzeichnung von Maschinen und Anlagen Risikobeurteilung in der Praxis« neu erschienen. Es stellt einen Leitfaden zur kostengünstigen und pragmatischen Implementierung und Durchführung von Risikobeurteilungen im Maschinen- und Anlagenbau bereit. Ein speziell für das Fachbuch produzierter Zeichentrickfilm zeigt Schwierigkeiten auf, mit denen Konstrukteure im Alltagsleben konfrontiert sein können.

Erschienen in Ausgabe: 08/2012