Sicherheit und Standard

Steuerrelais ? Wird funktionale Sicherheit mit der Einfachheit und Flexibilität des klassischen Steuerrelais kombiniert, werden viele Anwenderwünsche erfüllt. Neben dem Sicherheits-Schaltplan gibt es also auch den Standard-Schaltplan.

14. November 2007

Die Erfolgsgeschichte der Steuerungsrelais ›Easy‹ begann 1999. Das erste Steuerrelais von Moeller trug den Namen Easy400. Moeller hat die Baureihe sukzessive erweitert, die Geräte ? wie beispielsweise Easy700 und Easy800 ? unterscheiden sich vorrangig in der Anzahl der Ein- und Ausgänge, der Anzahl von Funktionsbausteinen sowie in der Vernetzungsmöglichkeit. Mit der Konfigurations- und Programmiersoftware EasySoft lassen sich alle Geräte in der einfach gehaltenen Easy- Sprache, die der Schaltplan-Technik angelehnt ist, programmieren. Die zügige Marktdurchdringung der Easy- Geräte belebte die Wünsche und Ansprüche seitens der Anwender. Die der EasyHMI-Familie zuzuordnende MFD-Titan-Reihe war die Antwort auf die Forderung nach einer Visualisierungsmöglichkeit kombiniert mit der Steuerfunktionalität einer Easy800. Das Steuerrelais ? mit integrierter Visualisierung ? überzeugt mit durchgehender Einfachheit: Das gilt für die Montage, die Schaltplanprogrammierung, dem Erstellen von Visualisierungsmasken gleichwie dem Vernetzen via EasyNet mit weiteren Easy800- und/oder MFD-Titan- Geräten. Der nächste Schritt folgte im Jahr 2006 mit der EasyControl-Reihe. Um komplexe Applikationen umsetzen zu können, fragten Anwender nach einer Easy-Steuerung, die gemäß internationalem Standard EN61131-3 programmiert werden kann. Hohe Performance, großer Speicher und vielfältige Vernetzungsmöglichkeiten geben EasyControl die Leistungsfähigkeit einer Kompakt-SPS im Easy800-Gehäuse, programmierbar mit EasySoft-CoDeSys. Die Produktfamilie EasyRelay, EasyHMI und EasyControl deckt eine Vielzahl von Applikationen in der Standard-Steuerungswelt ab. Bislang blieben jedoch Anwendungen, die der funktionalen Sicherheit zuzuordnen sind verschlossen. Moeller präsentiert ab 2008 hierfür EasySafety. Easy- Safety bietet eine Lösung für sicherheitsgerichtete Aufgaben, die auf die Einfachheit und Flexibilität setzt. Das sicherheitsgerichtete Steuerrelais bietet die Performance einer Easy800.

Sicherheitsrelais integriert

EasySafety ist ein sicherheitsgerichtetes Steuerrelais, das höchsten Ansprüchen genügt. Es entspricht der Kategorie 4 nach EN 954-1, PL e nach EN ISO 13849-1, SILCL 3 nach EN IEC 62061 sowie SIL 3 nach EN IEC 61508. Mit EasySafety lassen sich folglich Anwendungen realisieren, die höchsten Sicherheitsanforderungen entsprechen. Bereits EasyRelay vereint eine Vielzahl konventioneller Relais wie etwa Zeit- und Zählrelais. Auch die Geräte der EasySafety-Reihe sind ab Werk mit einer Fülle an klassischen Sicherheitsrelais in Form von Sicherheits- Funktionsbausteinen ausgestattet, wie Not-Aus, Schutztürüberwachung (optional mit Überwachung der Zuhaltung), Lichtgitter, Lichtgitter mit Mutingfunktion, Zweihandschalter, Schaltmatte, Zustimmschalter, Sicherheits-Fußschalter und viele mehr. Mit der hohen Anzahl an Sicherheits- Funktionsbausteinen eröffnet sich dem Anwender mit nur einem Gerät eine Vielzahl an Applikationsmöglichkeiten. Anwender bleiben flexibel, sie können auf aktuelle und zukünftig sich verändernde Applikationsanforderungen unmittelbar reagieren. Das schont finanzielle Ressourcen und bietet Zukunftssicherheit, nicht zuletzt verringert es die Lagerhaltungskosten für spezielle Sicherheitsrelais.

Mit oder ohne PC-Software

Die Sicherheits-Funktionsbausteine von Easy Safety lassen sich wahlweise mit PC oder direkt am Gerät konfigurieren. Mit dem Programm können Anwender die Sicherheitskonfiguration in der klassischen Easy-Schaltplansprache erstellen, simulieren und auf das Gerät übertragen. Die Simulation bei der Projektierung spart Zeit und eliminiert potenzielle Fehler zügig. Wollen Anwender bei Wartungsarbeiten auf Software plus Übertragungskabel verzichten, dann sind Geräte der EasySafety-Reihe mit integriertem Display und Tastatur vorzuziehen. Änderungen oder komplette Konfigurationen lassen sich hiermit ohne PCSoftware direkt am Gerät vornehmen. Die erstellte Konfiguration kann bei Bedarf auch via Speicherkarte auf das Safety-Gerät übertragen werden. Ein integriertes Gerätedisplay bietet weitere Vorteile, wenn eine schnelle und eindeutige Diagnose in Form einer Textanzeige gewünscht ist: Gedrückte Not-Aus-Taster, offene Schutztüren oder Fehler wie beispielsweise Querschlüsse zeigt das Display als Text direkt dem Bedienpersonal an. Das verkürzt kostenträchtige Stillstandszeiten einer Maschine.

Sicherheit und Standard vereint

Sollen derartige Meldungen nicht hinter Schaltschranktüren verborgen bleiben, kann die Informationsausgabe auch in eine Schaltschranktür montiert werden ? hierzu setzen Anwender einfach die abgesetzte Anzeigeeinheit MFD in Kombination mit einem CP4-Modul ein. In diesem Fall ist der kostengünstige Einsatz eines EasySafety-Geräts ohne Display und ohne Tastatur empfehlenswert. EasySafety bietet jedoch mehr als ein alleiniges Sicherheits-Steuerrelais. Neben dem Sicherheits-Schaltplan, der die Sicherheitskonfi guration beinhaltet, verfügt EasySafety zusätzlich über einen Standard-Schaltplan. Der Schaltplan ist nutzbar für Standard- Aufgaben, wie etwa die Verarbeitung von Diagnosemeldungen oder allgemeine Steuerungsaufgaben einer Maschine. Die Bedürfnisse eines Maschinenprojekteurs und eines Betreibers sind nicht selten unterschiedlich. Ein Maschinenprojekteur möchte seine Sicherheitskonfi guration vor Veränderungen, Einsichtnahmen oder gar Manipulationen schützen. Der Betreiber möchte flexibel bleiben und seine Standard- Funktionalität im Nachhinein flexibel anpassen können. Dank der strikten Trennung von Sicherheits- und Standard- Schaltplan wird EasySafety beiden Anforderungen gerecht: Beide Schalt pläne lassen sich unabhängig voneinander, mit bis zu drei verschiedenen Passwortebenen, schützen. Das erlaubt den Zugriff von unterschiedlichen Personengruppen, sie können die freigegebenen Schaltpläne einsehen und/oder bearbeiten. Soll jeglicher Zugriff auf die Sicherungskonfi guration verhindert werden, dann schließt der Verantwortliche einfach das Sicherheitsprogramm ab und vernichtet den virtuellen Schlüssel. Das schließt jede nachträgliche Änderung aus. Von Interesse ist diese Option insbesondere, wenn die Konfiguration durch einen Notified Body (Prüfstelle), wie etwa Berufsgenossenschaft oder TÜV, abgenommen wurde und keine Änderungen mehr zulässig sind. Jede Änderung an der Sicherheitskonfi guration führt zur Änderung der Sicherheits- Checksumme. Sie ist Bestandteil der technischen Dokumentation und unterliegt der Konformitätserklärung. Die EasySafety- Geräte verfügen über 14 sichere Eingänge und haben entweder vier Relaisausgänge oder einen redundanten Relais- plus vier Transistorausgänge.

Jens Regulski ist Produktmanager EasySafety bei der Moeller GmbH/ps

Erschienen in Ausgabe: 08/2007