Sicherheit und Zukunftstrends

Sicherheitstechnik

Sicherheit – Normen und Richtlinien zur Sicherheit von Maschinen und Anlagen sind für viele Anwender ein Buch mit sieben Siegeln. Eine Veranstaltung soll Klarheit bringen und Entwicklungen aufzeigen.

29. April 2013

Mit der Schaffung harmonisierter Gesetze und Normen hat die Europäische Union maßgeblich dazu beigetragen, den freien Warenverkehr für Maschinen und Anlagen zu fördern und Handelshemmnisse abzubauen. Allerdings gelten die einheitlichen Bestimmungen »nur« für den Europäischen Wirtschaftsraum. Beim Export von Produkten in die USA, nach Australien, China oder in den Eurasischen Wirtschaftsraum führt kein Weg daran vorbei, die jeweiligen nationalen Gesetze zu studieren und einzuhalten.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich die Industrie weltweit einheitliche Regeln für das Inverkehrbringen von Maschinen oder Anlagen wünscht. Bis dahin werden aber noch Jahre vergehen.

Doch die für den sicherheitstechnischen Maschinen- und Anlagenbau wichtige Basisnorm ISO 12100 entwickelt sich immer mehr zur international einheitlichen Methodik zur sicherheitstechnischen Konstruktion und Planung von Maschinen und Anlagen. Dieser Trend bildet einen Schwerpunkt bei den CE-Praxistagen am 4. und 5. Juni 2013 in Pforzheim.

Konstruktions- und Planungsprozesse auf Basis von ISO 12100 sind zukunftsfähig, da auch die europäische Maschinenrichtlinie auf dieser Norm beruht. Daher haben viele europäische Unternehmen so genannte CE-Beauftragte installiert, obwohl der Gesetzgeber dies nicht vorschreibt. Sie sollen für effiziente und praxistaugliche Prozesse sorgen. Allerdings kann dies dann kontraproduktiv sein, wenn diese Personen in den einzelnen Projekten für die operative Durchführung und Dokumentation der Risikobeurteilung und -minderung verantwortlich zeichnen müssen.

ISO 12100 wird dann meist nicht erfüllt. Sowohl die Norm als auch die Maschinenrichtlinie fordern die iterative Integration der Sicherheit in die Konstruktionsprozesse. Spezialisten sowie der eintägige Workshop »CE perfekt organisieren« informieren bei den CE-Praxistagen, wie man in kleinen und internationalen Konstruktionsteams für entsprechende Compliance sorgt.

In der ISO 12100 heißt es: »Eine zu einem bestimmten Zeitpunkt annehmbare Maschinenkonstruktion ist möglicherweise nicht mehr vertretbar, wenn die technologische Entwicklung die Konstruktion einer gleichwertigen Maschine mit geringerem Risiko erlaubt.« Hier verbirgt sich eine gewisse Brisanz, denn der Unterzeichner der Konformitätserklärung erklärt, dass die Maschine zum Zeitpunkt des Inverkehrbringens dem Stand der Technik entspricht. Dieser Zeitpunkt spielt auch im Produkthaftungsrecht eine Rolle, um zu klären, ob ein Produktfehler Ursache für einen Personenschaden war.

Dies zwingt in den Engineering-Prozessen insbesondere beim Kopieren von Projekten zu großer Sorgfalt. Es gilt, jede sicherheitstechnische Lösung auf ihre aktuelle Tauglichkeit zu überprüfen. Aber auch während der Projektlaufzeit kann es zu Änderungen im Stand der Technik kommen. Serienmaschinen, die über einen langen Zeitraum einzeln in den Verkehr gebracht werden, könnten zu einem bestimmten Zeitpunkt die gesetzlichen Anforderungen plötzlich und unbemerkt nicht mehr erfüllen.

Aber wie soll es im immer stärker werdenden Wettbewerb gelingen, externe, konstruktionsbeeinflussende Entwicklungen zu beachten, wenn Juristen erklären, dass selbst durch die Anwendung aktueller Normen nicht garantiert ist, dass die gesetzlichen Bestimmungen erfüllt sind?

Auch dazu sollen auf den CE-Praxistagen Lösungskonzepte zum sicherheitstechnischen Qualitäts- und Projektmanagement der Zukunft präsentiert werden. Innovative Unternehmen werden durch die frühzeitige Anwendung dieser Entwicklungen in mehrfacher Hinsicht profitieren.

Erschienen in Ausgabe: 03/2013