Zur Sicherheit überprüft Alan Mulder auf seinem Tablet die Anfahrtsroute. »Sind wir richtig?«, fragt der Lapp-Verkaufsexperte seinen Kollegen Ayanda Dayimani am Steuer und zoomt auf die Details. Der 41-Jährige nickt. Er kennt die Strecke. Wenige Kilometer nach Vryburg, knapp 400 Kilometer westlich von Johannesburg, verlässt der weiße Transporter die asphaltierte Nationalstraße N14. Wenig später ist das Ziel erreicht: Die Baustelle eines neuen Solarparks. Die Trommeln mit den Solarkabeln von Lapp sind bereits angeliefert. Die Nutzung erneuerbarer Energien – vor allem durch die Sonne – eröffnet Chancen für 600 Millionen Menschen, die bisher keinen Zugang zu elektrischem Strom haben. Das ist die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung.

Für rund 100 Millionen Euro entsteht auf dem 150 Hektar großen Gelände bis Juli 2020 einer der größten Solarparks Südafrikas. Zeitweise sind bis zu 400 Arbeiter gleichzeitig mit dem Bau beschäftigt. Noch werden mithilfe einer Bohrramme die Pfähle für die Befestigung der Solarpanels 1,60 Meter tief in den steinigen Untergrund befördert.

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Für die Verteilstationen waren dafür sogar kleine Sprengungen nötig. Die Vorarbeiten für den Bau von Umspannwerk, Büro, Lager und der dazugehörigen Infrastruktur laufen ebenfalls bereits. Es ist ein Abenteuer! Arbeiter erzählen, dass morgens das Brüllen der hungrigen Löwen zu hören sei. Von oben brennt die Sonne nachmittags erbarmungslos, am Boden lauern Schlangen, Skorpione und Zecken. Immer wieder ziehen kleine Sand-Wirbelstürme über die Anlage und geben einen Vorgeschmack auf die harten Bedingungen, denen der Solarpark nach der Inbetriebnahme dauerhaft trotzen muss. Schon bald werden die Solarpanel, jeweils 1,90 Meter mal 1,10 Meter groß, montiert. 262.000 von ihnen ergeben eine Fläche von fast 550.000 Quadratmetern. Das entspricht 135 Fußballfeldern. 86 Megawatt beträgt die Leistung der Anlage. Der Strom wird ins öffentliche Netz gespeist. Damit können rund 15.000 Haushalte in Südafrika mit Strom versorgt werden.

2,3 Millionen Meter Kabel

Das Gelände des Solarparks hat ein leichtes Gefälle. Ein ausgeklügeltes Sensorsystem steuert später Motoren, die dies ausgleichen – und noch viel mehr können. Je nach Sonnenstand wird die Neigung der Solarpanels verändert. Morgens sind die Kollektoren im 30-Grad-Winkel nach Osten ausgerichtet. Abends sind es wieder 30 Grad, diesmal aber nach Westen. Die Nachjustierung erfolgt laufend. Immer optimal der Sonne entgegen. Je mehr Technik zum Einsatz kommt, desto leistungsfähigere Kabel und Verbindungslösungen werden benötigt. Rund 2,3 Millionen Meter Kabel von Lapp werden hier verbaut. Insgesamt kommen 36 verschiedene Produkte zum Einsatz.

Die meisten davon liefert Lapp nicht direkt auf die Baustelle, sondern über die Firma Hellermann Tyton. Der Kunde hat für Lapp die Tür zum Solargeschäft weit geöffnet. In 39 Ländern ist Hellermann Tyton aktiv und beschäftigt dabei 5000 Mitarbeiter. »Zu Lapp haben wir eine ganz besondere Beziehung«, erzählt Claude Middleton, Geschäftsführer von Hellermann Tyton Südafrika. »Denn die Kabel und Verbindungslösungen helfen dabei, unsere Produkte hochwertiger und damit einzigartig zu machen.«

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Middleton greift sich beim Rundgang durch die Produktion von Hellermann Tyton einen Kabelschutzschlauch von Lapp. Der Silvyn EMC AS-CU steht symbolisch für die Partnerschaft der beiden Unternehmen, die in den vergangenen zwei Jahren im Zusammenhang mit dem Bau von Solarparks intensiviert wurde. Der Schutzschlauch mit einem Durchmesser von 17 Millimetern besteht aus einem Metallwendel, der dank der ineinander verhakten Profile extrem flexibel und dennoch sehr stabil gegenüber äußerer Krafteinwirkung sowie mechanischer Bewegung ist und daher als Schutz der im Inneren verlegten Solar- und Motorenkabel dienen kann. Sie verbinden die jeweils 80 Zentimeter breiten, 60 Zentimeter hohen und 30 Zentimeter tiefen Steuerungsboxen aus Stahlblech mit Motoren und Sensoren. Im Durchschnitt 250 Bauteile sind darin zu einer Art »Gehirn« verbaut, das später die Anlage intelligent steuert und damit auch die Effizienz sicherstellt. Das wichtigste Qualitätskriterium von Silvyn EMC AS-CU ist der optimale Schutz vor elektromagnetischen Störungen. Die könnten im Extremfall den ganzen Park lahmlegen. Was das bedeutet, erklärt Middleton. »Ich habe vor wenigen Dingen Angst, aber wenn es auf so einem Solarpark während eines Sommersturms gewittert und der Blitz einschlägt, möchte ich nicht dort sein«, erzählt er. Die dann kurzfristig auftretende Überspannung würde die sensible Steuerungstechnik in den Verteilerboxen nicht überstehen. Die vernickelten Messingschlauchverschraubungen Silvyn MSK-M Brush von Lapp besitzen hunderte feine Kupferdrähte, die eine optimale 360-Grad-Schirmung garantieren und so unerwünschte Überspannungen aus dem Inneren der Boxen fernhalten. »Als wir uns auf dem Markt umgeschaut haben, haben wir nichts Vergleichbares gefunden. Wir bauen hochwertige Komponenten für die Solarindustrie und dazu benötigen wir die Qualität der Verbindungslösungen von Lapp.«

Maximal möglicher Service

Für jedes Projekt baut Hellermann Tyton maßgeschneiderte Steuerungsboxen. In Handarbeit. Es ist eine Detailarbeit, bei der jeder Handgriff sitzen muss. »Wir konfektionieren die Kabel, bauen sie ein, testen jede einzelne Box und liefern sie aus – fast jede ist anders«, erzählt Middleton.

»Am Ende bekommt der Kunde ein speziell auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes Produkt, das er nur noch anschließen muss.« Im Gesamtprojekt handele es sich zwar um ein relativ kleines Produkt, so der Geschäftsführer, aber Wertigkeit, Sicherheit und Qualität seien wichtige Verkaufsargumente. Vor allem angesichts der extremen Anforderungen an die Technik. Nur zwölf Mitarbeiter sind später für Betrieb und Wartung des Solarparks zuständig.

Middleton schätzt die Zusammenarbeit mit Lapp Südafrika. »Beim Bau einer so großen Anlage ist die Gefahr groß, dass man etwas vergisst. Man kann dann nur hoffen, dass es sich dabei um ein Produkt von Lapp handelt«, scherzt der Geschäftsführer.

»Wir haben immer das Gefühl, dass wir den maximal möglichen Service bekommen.« Seit kurzem wird das Silvyn EMC AS-CU in größeren Längen angeliefert, so dass sich der Ausschuss für Hellermann Tyton bei der Weiterverarbeitung verringert. Auch hinter dieser Maßnahme steckt der gemeinsame Austausch mit dem Ziel, Produkt und Prozesse ständig zu optimieren.

Lagerfläche am neuen Standort doppelt so groß

Afrika benötigt viele spezielle Lösungen. Für Chad Andrews, Geschäftsführer von Lapp Südafrika steht fest: »Afrika ist ein schlafender Riese.« Denn auch für Lapp eröffnen sich große Marktchancen. Der Firmenstandort im Founders View South Business Park in Johannesburg ist inzwischen zu klein, vor allem das Lager.

Zweimal pro Woche kommt Nachschub aus Europa. Ende des Jahres wird ein neuer Standort rund sieben Kilometer entfernt bezogen. Er ist mit 2700 Quadratmetern Lagerfläche mehr als fünfmal so groß wie der bisherige. Allein die Lagerfläche wird verdoppelt. Von hier aus beliefert Lapp 17 Länder im südlichen Teil Afrikas. Text: Michael Thiem