Solarpleite oder Erfolgsstory?

Kommentar

Solarindustrie – Immer mehr Anbieter von Solartechnik gehen bankrott, weil keine Subventionen mehr fließen. Ist das eine unglückliche Entscheidung oder gewollt?

24. Mai 2012

Angesichts der geplanten Kürzungen in der Solarstromförderung muss man sich fragen: Wars das jetzt mit der deutschen Solarindustrie? Will Frau Merkel diese Branche jetzt genauso entsorgen wie die Atommeiler? Und wie geht’s weiter? Eins ist klar: Es wird weitergehen – nur anders.

In der Regelungstechnik kennen wir den Begriff des Überschwingens: Wenn die Verstärkung zu groß ist, gibt es einen zu starken Ausschlag des Systems. Das ist vergleichbar mit dem Wachstum der Solarbranche: Auch dort wurde die Verstärkung zu groß gewählt, weil man zu schnell zu viel erreichen wollte. Das Ergebnis sticht ins Auge. So sind die schönen bayerischen Bauernhöfe mit Solarpanels verunstaltet, und fast jeder Hausbesitzer hat sein Festgeldkonto aufs Dach montiert, um statt Zinsen die Einspeisevergütung einzustreichen.

Jetzt will die Politik vor lauter Angst gleich den Not-Aus drücken, anstatt einfach den P- oder den I-Anteil richtig einzustellen. Wir wissen aber alle, was dann passiert: Die Anlage kommt abrupt zum stehen. »Alle Räder stehen still, nur weil Röttgen es so will« titelte einer unserer Redakteure. Danach folgt das Wiederanfahren der Anlage.

Mich erinnert das an den Tennishallen-Boom in den 80er Jahren: Sehr viele Investoren haben sich daran beteiligt, obwohl die meisten ganz sicher wissen mussten, dass eine solch hohe Anzahl an Hallen gar nicht rentabel sein konnte. Also mussten sie erst dreimal Konkurs machen und die Verluste steuerlich abschreiben, bis sich die Hallen rentabel betreiben ließen. So ähnlich wird es auch bei den Fabriken der Solarbranche kommen. Die Verbindlichkeiten wie getätigte Investitionen und geflossene Fördermittel werden im Konkurs auf null gesetzt und dann kann die Produktion – an gleicher Stelle – wieder neu starten.

Denn die Lohnkosten liegen bei der Herstellung der Solarpanels bei ungefähr drei bis fünf Prozent der Herstellkosten, sind also vernachlässigbar gegenüber den Qualitätskosten. Und damit kann man im Ausland auch nicht günstiger produzieren als hier in Deutschland.

Aber die Branche kann sowieso eine Denkpause brauchen, um technische Fragen zu lösen, die bisher immer unter den Teppich gekehrt wurden: Wie kann die Feuerwehr ein Einfamilienhaus richtig löschen kann, wenn das ganze Dach mit Solarpanels belegt ist und sich zudem die Zwischenkreisspannung auf dem Dach nicht sicher abschalten lässt? Wo bleiben wir mit der Überproduktion von Energie an sonnigen Sommertagen? Ein weites Feld für Politiker und Ingenieure.

Aber da wir auf die Politik wohl schwer vertrauen können, bleibt uns nur das Vertrauen auf unsere Industrie. Wir müssen an übermorgen denken und auch diese Technologie weiterentwickeln – zum Beispiel mit der Integration von Solarpanels in die Fassadentechnik oder auf Fabrikdächer. Nicht nur als Geldanlage, sondern für den Eigenbedarf – denn Energie wird nicht billiger. Das jedenfalls ist sicher.

Ihr Rüdiger Eikmeier

PS: Mich interessiert Ihre Meinung dazu, schreiben Sie sie mir doch einfach an: r_eikmeier@gii.de

Erschienen in Ausgabe: 04/2012