Produktion

Sonderteile in Rekordzeit

Um Kunden bei unvorhergesehenen zeitlichen Engpässen zu unterstützen, hat Pöppelmann Kapsto das Instrument der Fast Lane entwickelt. Mit diesem neuen Service liegen zwischen Auftragseingang und Lieferung im Optimalfall nur vier Wochen.

02. Oktober 2018
Sonderteile in Rekordzeit
Die Kapsto-Stopfen stellen sicher, dass die Sicherheitsarmaturen von Goetze sauber beim Kunden eintreffen. (Bild: © Pöppelmann)

Schutzelemente sind überall zu finden. Es gibt überraschende Anwendungen und solche, wo es näherliegt, wie etwa bei Sicherheitsarmaturen. Hersteller wie die Goetze KG Armaturen aus Ludwigsburg schützen ihre Ventile und Druckminderer, indem sie sensible Bauteile wie Dichtflächen oder Gewinde am Ende der Produktion mit Kunststoff-Schutzelementen verschließen oder abdichten. Ziel ist, alle 300.000 Einheiten pro Jahr in Topqualität und kürzester Zeit auszuliefern. Dazu schätzt Goetze seit Jahren die Produktvielfalt des Kapsto-Normprogramms von Pöppelmann aus Löhne, das mit mehr als 3.000 Lösungen Schutzelemente für Transport, Lagerung und Produktionsprozesse bietet.

Vor eine besondere Herausforderung stellte Goetze jüngst eine Anwendung, in der ein Kunststoffelement das Innenleben einer Sicherheitsarmatur schützen sollte: Benötigt wurde ein abgestimmter Stopfen, der eine Gewindeöffnung einer Armatur sicher verschließt und somit den Eintritt jeglicher Verunreinigungen verhindert. Die Montage sollte nicht zu zeitaufwendig und ohne Verschraubung vonstattengehen.

Um sicherzustellen, dass der Stopfen einen definierten Durchmesser schützt, musste er nach der Montage einen zentrierten Sitz in der Öffnung vorweisen. Zudem sollte er deutlich auffallen, damit ihn der Installateur schnell und einfach aus der Armatur entfernen kann. Die Demontage des Stopfens durfte weiterhin keine Späne verursachen, da diese die Funktion der Armatur beeinträchtigen könnten.

Es muss schnell gehen

Da neben der technischen Herausforderung aber auch der Zeitfaktor einen kritischen Punkt darstellte, nahm der zuständige Einkäufer von Goetze Kontakt mit der Kapsto-Produkt- und Anwendungsberatung auf. »Der Kunde benötigte die insgesamt 25.000 Sonderteile innerhalb kürzester Zeit«, erzählt der für das Projekt zuständige Kundenberater Sebastian Meyer. »Wegen des sehr engen Zeitfensters entschieden wir uns gemeinsam, dieses Projekt mit der Fast Lane zu bearbeiten.«

Dieses Leistungsangebot hat Pöppelmann entwickelt, um den Zeitproblemen der Kunden, beispielsweise aufgrund von Konstruktionsänderungen in der laufenden Serie, entgegenwirken und in kürzester Zeit reagieren zu können. Sobald eine Kundenanfrage mit Fast-Lane-Status eingeht, prüft das Kapsto-Team, ob sich das Projekt umsetzen lässt. Innerhalb eines Tages erhält der Kunde dann ein Angebot sowie ein Artikelkonzept in Form einer technischen Zeichnung oder einer Artikelskizze. Ist die Artikelkonstruktion auf CAD-Basis abgeschlossen, erstellen die Kunststoffexperten in Lohne auf dieser Grundlage innerhalb von nur einer Woche einen ersten Prototyp.

Zur Herstellung eines Musters kommen je nach Anforderung die 3D-Druckverfahren Rapid Prototyping oder Rapid Tooling zum Einsatz. Beim Rapid Prototyping wird das Muster selbst per 3D-Druck hergestellt und der Kunde erhält ein Ansichtsmuster aus einem für 3D-Druck geeigneten Material. Beim Rapid Tooling hingegen wird der Werkzeugeinsatz für die Spritzgussmaschine via 3D-Druck gefertigt.

So kann das für die Artikelserie vorgesehene Material direkt in die Form eingespritzt werden. Dies ist allerdings nur für eine begrenzte Menge Artikel möglich, da der gedruckte Einsatz schneller als ein Stahleinsatz abnutzt. Anhand der mit Rapid Tooling gefertigten Prototypen lassen sich grundlegende Funktionen und Eigenschaften direkt überprüfen. Nach erfolgreicher Abstimmung erhält der Kunde von Pöppelmann bereits nach einem Monat erste werkzeugfallende Artikel aus der Serienproduktion der Sonderanfertigung.

»Wir benötigen nur 30 Tage von Auftrag bis Serienreife.«

— Sebastian Meyer, Kundenberater Pöppelmann

Ein Tag bis zum Angebot

Als Sebastian Meyer die Anfrage von Goetze erhalten hatte, nahm er das Profil der Anwendung auf und erstellte mit dem Kunden ein Lastenheft, um die Funktionen und Anforderungen zu erfüllen. Bereits einen Tag nach Eingang der Anfrage konnte Pöppelmann dem Armaturenspezialisten das Lösungskonzept inklusive Angebot vorlegen: einen Stopfen aus Polyethylen niedriger Dichte mit handlicher Grifflasche zur schnellen Montage und Demontage. Eine flexible Lamelle setzt sich bei der Demontage weich in den Gewindegang der Öffnung und sorgt für einen sicheren Sitz. Vier am Schaft des Stopfens vorgesehene Rippen sorgen für die gewünschte Zentrierung sowie einen besseren Halt. Der Kopfdurchmesser ist auf die zu schützende Dichtfläche abgestimmt. Die leuchtende Signalfarbe stellt sicher, dass das Schutzelement gut zu erkennen ist.

Eine zusätzliche Gravur mit einem Pfeil und der Aufschrift »Remove« verdeutlicht dem Anwender außerdem, dass der Stopfen vor Gebrauch der Armatur unbedingt entfernt werden muss, da er nicht als Ersatz für einen Blindstopfen dienen kann. Nach erfolgreicher Abstimmung bekam Goetze die 3D-Daten. Die positive virtuelle Verbauprobe gab dann den Startschuss zur Fertigung von Prototypenteilen. Diese fertigte Pöppelmann innerhalb von nur fünf Werktagen aus Serienmaterial.

Im dritten Schritt ermöglichte Fast Lane die schnelle Umsetzung der Serienproduktion. Durch eine straffe Projektierungsstruktur und flexible Werkzeugkonzepte konnte die Herstellung erster werkzeugfallender Teile innerhalb der versprochenen vier Wochen in die Tat umgesetzt werden. In der Folgewoche erhielt Goetze die geforderte Stückzahl von 25.000 Sonderteilen in der gewünschten Qualität.

Das erfolgreiche Projektbeispiel zeigt, wie Pöppelmann dank der Fast Lane Kunden in kürzester Zeit mit Sonderlösungen versorgen und bei zeitlichen Engpässen zur Seite stehen kann. »Das neue Leistungsangebot macht es möglich: Fast Lane haben wir für Kunden konzipiert, die umgehend Serienteile entwickelt, konstruiert und gefertigt haben müssen. Nach Eingang einer Kundenanfrage werden weniger als 30 Werktage benötigt, bis die Serienteile produziert werden«, fasst Meyer zusammen. mk

Erschienen in Ausgabe: 07/2018