Spezialisten für den Wind

Spez. Grüne Technologien

Wälzlager – Der Wälzlagermarkt ist für sich schon begrenzt – umso erstaunlicher, wenn sich ein Unternehmen wie Eolotec auch noch auf Lösungen für einen beschränkten Markt wie Windanlagen begrenzt. Geschäftsführer Wolfgang Losert berichtet, wie das funktionieren kann.

28. Mai 2014

Herr Losert, wie kommt man auf die Idee, als Start-up spezialisierte Lager für Windenergieanlagen zu bauen?

Ein wirkliches Start-Up sind wir eigentlich nicht mehr. Das Team in seiner heutigen Form arbeitet seit über sechs Jahren zusammen, zuerst bei einem Hersteller von Wälzlagern und dann bei einem, der Windkraftanlagen entwickelt. In einem Management-Buy-out durch meinen Partner Mathias Pick und mich entstand vor zweieinhalb Jahren Eolotec, und wir konnten unsere spezialisierte Wälzlagerlösung vorantreiben.

Der Bedarf ist da, denn es hat sich herauskristallisiert, dass die Windkraft bei den bisher eingesetzten Wälzlagern an ihre Grenzen stößt. Es gibt sehr gute Wälzlager und sehr gute Entwickler für den Rest außenherum. Aber es fehlte die Interaktion – und das machen wir.

Warum können Ihre Lager die Anforderungen in der Windkraft so gut abdecken?

Unsere Main Bearing Unit (MBU) ist genauso gestaltet, wie es eine Windkraftanlage erfordert. Wir haben die Wälzlager nach den sie umgebenden Strukturen gestaltet und diese Umgebung gemäß der Wälzlager. Unsere Ziele waren, möglichst wenig Wälzlagerstahl zu verwenden, denn das macht eine solche Anlage kostspielig, und möglichst viel in die Gussstruktur abzuleiten, die man ohnehin braucht.

Welche Rolle spielt die raue Umgebung mit Staub, Salz oder starkem Wind?

Wir richten jedes unserer Bauteile optimal ein und bauen es vollständig auf – stellen es ein, spannen es vor, befetten es, dichten es. Letztendlich ist es wie in einer Autowerkstatt, wo der Mechaniker sein Radlagermodul aus der Kiste nimmt und ans Fahrzeug schraubt. In unserem Fall nimmt der Hersteller der Anlage das Hauptlagermodul einbaufertig aus der Kiste und baut es ein.

Läuft das also nach dem allseits bekannten Grundsatz »Einbauen und vergessen«?

Genau das ist unser Ziel, aber eine Garantie geben können wir natürlich nicht. Unsere MBU ist auf mindestens 20 Jahre ausgelegt. Wir integrieren dazu ein Permanentschmiersystem, das für die gesamte Zeit für Schmierung sorgt. Und es gibt eine Sensorik, die alles überwacht. Derzeit läuft ein Prototyp seit einem Jahr durchgehend sehr gut. Ich hoffe, das hält 20 Jahre an.

Woher kommen die Impulse, wer liefert die Dimensionen?

Unser Kunde ist immer der Windanlagenhersteller. Mit ihm zusammen entwickeln wir das System, das zu seinem Antriebsstrang passt, und organisieren dann die Supply-Chain. Wir designen das Wälzlager selbstständig und ermitteln die optimalen Dimensionen, die der Anlagenbauer in seine Planung einbezieht. Die Produktion erfolgt bei verlässlichen Partnern wie Schaeffler, SKF oder Timken, die die Wälzlager nach unseren Vorstellungen produzieren.

Sie produzieren Ihre Lösungen also gar nicht selbst?

Nein, Eolotec ist Beratungsgesellschaft und Ingenieurbüro. Die Fertigung werden wir immer anderen überlassen, dazu sind die Anlagen zu aufwendig und die Investitionen einfach zu groß. Die Anlagen müssen ausgelastet sein, das könnten wir nie bewerkstelligen. Aber ein Wunsch und Ziel ist eine eigene Montage. Dazu würden wir uns auch gerne vergrößern und die derzeitige Mitarbeiterzahl von zehn aufstocken.

Bleibt Ihr Know-how den Windanlagen vorbehalten?

Dieser Bereich ist momentan das Kerngeschäft von Eolotec. Aber generell sind wir überall dort richtig aufgehoben, wo große Lager und Systemlösungen benötigt werden. Das kann über Applikationen in der Marine bis hin zum Bauwesen gehen.

Erschienen in Ausgabe: 04/2014