Stark im Verbund

Porträt

Althen – Althen ist ein etablierter Anbieter für Sensorik, vor allem für mechanische Größen. Was kaum jemand weiß: Das Unternehmen ist Mitglied einer niederländischen Firmengruppe. Das birgt Synergien und lässt Pläne wachsen.

22. August 2017

Landläufig besteht die Meinung, dass die Zugehörigkeit zu einer Gruppe negativ ist für ein Unternehmen. Der Ansicht ist Peter Rohrmann, Geschäftsführer des Sensorspezialisten Althen, nicht. »Wir sind sehr zufrieden in der kleinen holländischen Broadporte-Gruppe mit den Inhabern Dirk Schouten und Thijs Haselhoff. Diese Gruppe umfasst insgesamt fünf Firmen, neben Althen gibt es Altheris, die decken im Prinzip ein ähnliches Sensorportfolio ab wie wir, nur mit dem Kernmarkt Benelux.« Aufgrund der ähnlichen Betätigungsfelder und einer jahrelangen engen Zusammenarbeit soll diese deutlich vertieft werden und beide Unternehmen sollen nach außen unter einem Brand auftreten.

Weil Althen bekannter und größer ist, bleibt der Name, dafür ist das CI in den Farben Blau und Rot von Altheris gestaltet. »Dieser Zusammenschluss ist kein Merger«, betont Rohrmann. »Beide Einheiten werden unabhängige und eigenständige juristische Einheiten bleiben, nur agiert Althen auf dem deutschsprachigen Markt und Altheris in Benelux. Es wird in Zukunft aber eine gemeinsame Webseite geben. Wir werden die Prozesse weiter synchronisieren, gemeinsame Lieferanten haben, das Portfolio wird insgesamt größer.« Befürchtungen, aufgrund der Kooperation könnte es Bereinigungen bei den Arbeitsplätzen geben, seien aber nicht gerechtfertigt. »Aber wir werden als gemeinsames Warenwirtschaftssystem das von Altheris übernehmen und so auf der gleichen Datenbank arbeiten. Darüber hinaus werden wir unsere internationalen Vertriebsteams definieren, strukturieren und synchronisieren.«

Als Unterschied zu Altheris betreibt Althen eine eigene Engineering-Abteilung. So ist das Unternehmen in der Lage, auch kundenspezifisch zu entwickeln und zu produzieren, zum Beispiel Verstärker in kleinen Stückzahlen unter eigenem Namen. Rohrmann spricht von einer Größenordnung von 500 Systemen. Diese Kompetenz werde Altheris in Zukunft nutzen. »Solche Synergien soll der Zusammenschluss befeuern, genauso wie eine stärkere Expansion der neuen Einheit. Wir wollen uns auf dem europäischen Markt als ein führender Anbieter von Sensor- und Messtechnik positionieren«, sagt Rohrmann. Mittel- oder langfristig könne es bei Althen auch eine eigene Produktion oder zumindest eine eigene Montageeinheit geben. »Wir sehen da Wachstumspotenzial und wollen das ausbauen.«

Althen hat Joysticks als neues Geschäftsfeld ausgemacht. Die holländischen Kollegen seien da laut Rohrmann sehr erfolgreich, weil sie einen japanischen Hersteller für Joysticks und Potenziometer im Programm hätten. Deswegen werden die Joysticks jetzt ins gemeinsame Portfolio übernommen und aktiv vermarktet – auch online. »Hier sehen wir einen hochinteressanten Markt, auch wieder für kleine Stückzahlen und kundenspezifische Ausführungen und trotzdem mit vernünftigen Lieferzeiten. Unser Partner ist in der Lage, das zu realisieren.«

Mit dem Partner Laumas ist Althen auch im Bereich Automatisierung unterwegs. »Wir haben es geschafft, digitale Schnittstellen direkt in die Sensoren zu integrieren. So können wir neue Produkte präsentieren, dazu gehören auch Drucksensoren mit CAN-Bus von zwei anderen Partnern. Eine weitere wichtige Kooperation ist die mit Opsens auf dem Gebiet der glasfaseroptischen Messtechnik. Unsere Aufgabe ist, dies alles stärker zu kommunizieren.« Denn mit der Integration von Sensoren in automatisierte Produktionsprozesse liege Althen voll im Trend der Industrie 4.0.

Mechanik im Fokus

Das Hauptthema im Althen-Portfolio sind aber mechanische Messgrößen, mit den Hauptumsatzbringern Druck, Kraft und Datenlogging sowie Drehmoment, Winkel oder Beschleunigung. Als Ergänzung zu den Sensoren befinden sich auch Messverstärker im Programm. »Und mit unseren erfolgreichen Datenloggern können Anwender Daten aufzeichnen und speichern und so komplette Messsysteme aufbauen. Der Kunde kauft neben dem Sensor auch gleich Kabel, Datenlogger und Messverstärker mit. So können wir quasi als Systemanbieter auftreten, auch auf der Webseite.«

Neben dem großen Produktportfolio soll die Systemlösungskompetenz mit Services, Engineering, Kalibration oder Reparatur stärker in den Vordergrund treten. Althen realisiert komplette Lösungen, unter anderem für die Polizei in Österreich, um den Schwerpunkt von Helikoptern zu messen.

Dazu wurde ein mobiler Messkoffer mit Kraftsensoren, Messverstärker und Anzeigesystem geschaffen. »Solche Dinge können wir mit unseren bestehenden Komponenten umsetzen«, sagt der Geschäftsführer. »Unser Mehrwert ist, dass wir ein großes Know-how in der Sensorik haben, dass wir Kunden beraten können. Ein Kunde hat ein Problem in seiner Fertigungsanlage, irgendetwas vibriert. Dann machen unsere Experten einen Vorschlag, um das Problem einfach zu lösen. Diese Beratungskompetenz ist einer unserer wichtigsten Bausteine.«

Miniaturisierung ist immer noch ein Thema. Um zum Beispiel einen Sensor auf den Rotorblättern von Windkraftanlagen aufzubringen, um dort Dehnung oder Vibration zu messen, muss dieser sehr klein sein und soll möglichst keine eigenen Wirbel und keine Veränderungen der Anlage herbeiführen. Genauso geht es in die andere Richtung, mit riesigen Sensorsystemen, die in der Ölindustrie die gewaltigen Pipelines und Bohrrohre inspizieren.

An Zielmärkten nennt Rohrmann die Infrastrukturüberwachung, zum Beispiel von Brücken. Hier bewegt sich das Team von Althen in Richtung Predictive Maintenance und Fernüberwachung – beides Kernthemen dieser Tage.

Weitere wichtige Betätigungsfelder sind die Luftfahrtindustrie oder der Energiesektor. Hier geht es vor allem um alternative Energieerzeugung. »Wenn wir gute Chancen sehen, in Märkte und Regionen einzusteigen, werden wir das tun«, bekräftigt Peter Rohrmann. »Es müssen aber die passenden Partner vor Ort zur Verfügung stehen. Wir verkaufen zunehmend international, bekommen Anfragen aus Indien oder Australien mit dem starken Bergbau. Hier verzeichnen wir schon einen signifikanten Umsatzanteil von 10 Prozent.«

Die Anpassung des Portfolios ist bei Althen ein kontinuierlicher Prozess. Es gilt, das Portfolio kontinuierlich zu überprüfen. Dies gilt auch für Themen, die auf einem absteigenden Ast sind. »Deshalb sind Innovationen so wichtig, sowohl in der Hardware als auch in der Software«, sagt Rohrmann. Und hier käme auch die Cloud ins Spiel.

Auf einen Blick

• Althen mit Standort in Kelkheim beschäftigt 35 Mitarbeiter, Altheris in den Niederlanden 15. 

• Umsatz Althen 7 Millionen Euro, in der Gruppe 11 Millionen. 

• Wachstumsziel Althen für 2017 bei 7 Prozent, langfristig 10 Prozent.

• Die Exportquote beträgt bei Althen nur 10 Prozent, bei Altheris hingegen 40 bis 50 Prozent.

Erschienen in Ausgabe: 06/2017