Stark und zuverlässig

Industrieelektronik

Relais – Rollstuhl-Hebebühnen müssen zuverlässig arbeiten und sich sicher bedienen lassen. Die Realisierung der aus Sicherheitsgründen nötigen Not-Ablass-Funktion erfordert stromfeste Relais.

15. Oktober 2010

Das oberste Gebot bei allen medizintechnischen Einrichtungen ist ihre Zuverlässigkeit, schließlich hängt davon oft die Gesundheit oder gar das Leben der Anwender ab. In besonderem Maße gilt dies für Anwendungen, bei denen die Patienten automatisiert bewegt werden: Unabhängig von der technischen Komplexität der jeweiligen Anwendung muss hier die Sicherheit der Patienten stets gewährleistet sein. Ein Beispiel für eine solche Anwendungen liefern Rollstuhl-Hebebühnen, die den Menschen mit einer Gehbehinderung vor allem bei öffentlichen Gebäuden einen Zugang ermöglichen. Vor allem, wenn dabei nur geringe Höhenunterschiede überwunden werden müssen, eine Rampe aber nicht infrage kommt, sind Rollstuhl-Hebebühnen häufig die geeignete Lösung: Sie eignen sich für den senkrechten Transport bis auf eine Höhe von 1,50 Meter und können Lasten bis zu 300 Kilogramm tragen.

Als Basis einer solchen Rollstuhl-Hebebühne dient ein Zahnstangenantrieb, der einen Transport mit einer Geschwindigkeit von fünf Zentimetern pro Sekunde ermöglicht. Der Motor und die gesamte Steuerung sind in den beweglichen Teil der Hebebühne integriert. Die Energieversorgung des Motors geschieht während der Fahrt über Akkus, die sich an den jeweiligen Endpunkten der Fahrtstrecke wieder aufladen.

Hohe Sicherheit

Die Steuerung erfolgt über einen Handschalter an einem Spiralkabel. Da die Benutzer den Antrieb selbst bedienen, gelten für diese Einrichtungen die Sicherheitsanforderungen der einschlägigen Normenreihe EN81 für Aufzüge. Um Verletzungen sicher zu verhindern, sind die Hebebühnen deshalb mit mechanisch verriegelten und kontaktgesicherten Türen, Sicherheitsbügeln und Auffahrrampen ausgestattet. Sobald die Hebebühne sich aus der unteren Halteposition in Bewegung setzt, wird der Raum unter der Hebebühne durch eine Aluminium-Jalousie abgesperrt, um zu verhindern, dass Personen den Raum unter der Hebebühne betreten können. Zudem ist die Steuerung der Hebebühne mit einem sogenannten Totmannschalter ausgestattet, durch den sich die Hebebühne nur so lange bewegt, wie der Benutzer den Schalter gedrückt hält.

Komplexe Steuerung

Mit der Entwicklung der für diese Funktionen nötigen komplexen Steuerung beauftragte der Hersteller der Rollstuhl-Hebebühnen die Contech Electronic GmbH & Co. KG im ostwestfälischen Leopoldshöhe. Das 1991 gegründete Unternehmen entwickelt kundenspezifische Systemlösungen im Bereich der Industrieelektronik bis hin zu kompletten Elektronik-Outsourcing-Programmen. Für die Realisierung einer aus Sicherheitsgründen nötigen Not-Ablass-Funktion verwendeten die Ostwestfalen Relais der Serie 44.62 des Industrieelektronikherstellers Finder aus Trebur in Südhessen. Daneben schließen die eingesetzten Relais den Antrieb beim Bremsen der Hebebühne kurz.

»Wichtig war vor allem die Stromfestigkeit der Relais mit zwei Wechslerkontakten«, erläutert Contech-Vertriebsleiter Dirk Sander. Die eingesetzten Relais ermöglichen einen Dauerstrom von jeweils 10 Ampere. Der weite Betriebstemperaturbereich von –40 bis +85 Grad Celsius erlaubt die Installation der Hebebühnen auch im Außenbereich.

»Ziel bei der Entwicklung der Steuerung war es, sowohl die Fertigung als auch die Verdrahtung des Aufbaus zu optimieren«, erläutert Contech-Vertriebsleiter Dirk Sander. Vorher wurden verschiedene Funktionen in der Steuerung mit mehreren Einzelkomponenten realisiert, was einen erhöhten Aufwand zur Folge hatte.

Die Serienfertigung der Steuerung ist inzwischen angelaufen, und der Elektronikhersteller lobt die Zusammenarbeit, die sich zwischen den beteiligten Firmen entwickelt hat: »Es gab mehrere Besuche der Finder-Mitarbeiter, um die Projektmeilensteine gemeinsam festzulegen«, erinnert sich Sander. Bei diesen Besuchen konnten auch Prototypen an einer Muster-Hebebühne geprüft werden. Entscheidend für einen reibungslosen Ablauf der anschließenden Produktion ist aber auch die Verfügbarkeit der Komponenten, also auch der Relais – und auch hier ist Sander sehr zufrieden: »Die gute Verfügbarkeit der Relais war einer der Gründe, warum wir uns für Finder als Lieferanten entschieden haben.«bt

Fakten

-Die Finder GmbH in Trebur ist die deutsche Niederlassung des italienischen Relaisherstellers Finder mit Hauptsitz in Almese bei Turin.

-Das Portfolio umfasst mehr als 10.000 Produkte im Bereich Schalt-, Zeit- und Überwachungsrelais.

-Die Fertigung erfolgt in Europa an vier Standorten in Italien, Frankreich und Spanien.

Erschienen in Ausgabe: 07/2010