Starker Verbund

Technik | Konstruktionsmanagement

Synergien – Die Unternehmen Rittal, Eplan und Kiesling können durch ihre intensive Zusammenarbeit noch mehr Wertschöpfung und Produktivität im Schaltanlagenbau erzeugen. Die Praxis beweist dies.

30. Oktober 2013

Schlagkräftige Gemeinschaften erleichtern das Handeln. Das gilt für das alltägliche Leben genauso wie für Unternehmen. Mit der Übernahme von Kiesling Maschinentechnik hat Rittal International genau das bewirken wollen. Erklärtes Ziel ist, die Lösungskompetenz für den Schaltanlagen- und Steuerungsbau deutlich auszubauen.

Kiesling Maschinentechnik beschäftigt sich mit Automatisierungslösungen und Zukunftskonzepten für den Schaltanlagenbau. Der Maschinenbauer verfügt über lange technologische Kompetenz bei der mechanischen Bearbeitung von Schaltschränken. Als neue Technologie hat das Unternehmen sein robotergestütztes Verdrahtungssystem »Averex« vorgestellt, das das zeitaufwendige manuelle Verdrahten von Montageplatten ersetzt und für vollautomatisch erzeugte, norm- und sicherheitsgerechte Verbindungen zwischen Betriebsmitteln auf der Montageplatte sorgt.

Geschäftsführer Rolf von Kiesling ist sich sicher, dass die Kunden an mehreren Stellen von der Übernahme profitieren werden: »Wir erhalten den Input für zukünftige Trends in der Schaltschranktechnik viel früher und können uns besser um die Automatisierung bei der Weiterverarbeitung neuer Produkte kümmern. Zudem bekommen Eplan-Kunden die Sicherheit, dass das jeweils aktuelle Maschinen-Know-how sinnvoll übertragen wird. Gemeinsam können wir den Workflow des Kunden besser aufgreifen und in die eigenen Produkte integrieren.«

Die drei Unternehmen Rittal, Eplan und Kiesling bilden nach eigenen Angaben einen weltweit einmaligen Leistungsverbund in der Schaltschranktechnik. Eplan als einer der großen Anbieter für softwarebasiertes Engineering steuert dazu eine ganze Reihe von Lösungen bei. All das geschieht vor dem Hintergrund des wohl größten Schaltschrankprogramms auf dem Markt, das Rittal seinen Kunden weltweit bietet.

Kunden sollen dank dieser »Dreifaltigkeit« künftig entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Schaltschrank- und Anlagenbau von durchgängiger Lösungskompetenz und steigender Produktivität profitieren – vom Engineering bis zur robotergestützten Verdrahtung.

Optimaler Ablauf

Ein typischer Anwendungsfall könnte in Zukunft so aussehen: Der Schaltschrankbauer konfiguriert auf Basis der Daten aus dem Eplan-Data-Portal, den Schaltplänen aus dem elektro- oder fluidtechnischen Detail- und Hardware-Engineering, dem in der Eplan-Plattform oder dem Engineering Center hinterlegten Systemwissen zu Schaltschrankkomponenten sowie dem Zubehör von Rittal seine individuelle Lösung.

Mit Eplan Pro Panel platziert er alle vorgegebenen Betriebsmittel einfach und komfortabel auf die Konstruktionsfläche – und das sogar dreidimensional. Informationen zu Befestigungsbohrungen, Bohrungsgewinden oder Durchbrüchen werden dabei automatisch generiert oder bei Bedarf interaktiv ergänzt.

Auf der Grundlage des 3D-Schaltschrank-Prototypen und den Verbindungsinformationen aus dem Schaltplan ermittelt Eplan Pro Panel die optimalen Verlegewege sowie die notwendigen Längen für Drähte und Kabel. Alle für die Materialdisposition, die mechanische Bearbeitung oder die Konfektionierung beziehungsweise Verlegung der Drähte erforderlichen Informationen werden von Eplan bereitgestellt und in Form von Bestell- und Stücklisten, Fertigungs- und Montagezeichnungen oder als Maschinenprogramme bereitgestellt.

Entspricht die Konstruktion den technischen Vorgaben, kann der »reale« Schaltschrankbau mit Komponenten aus dem Programm »Rittal – Das System.« erfolgen. Danach erfolgt die mechanische Bearbeitung des Gehäuses oder Schrankes sowie der Montageplatte mit den Bearbeitungsmaschinen von Kiesling. Die von Eplan bereitgestellten Verdrahtungsdaten sowie die Informationen aus dem 3D-Modell zu Bauteilen und ihrer Position auf der Montageplatte werden über eine eigens entwickelte Maschinenschnittstelle an den Kiesling-Verdrahtungsroboter Averex übergeben.

Mit Hilfe dieser Informationen verifiziert und prüft der Roboter zunächst den manuell erfolgten Aufbau der Montageplatte und nimmt dann die Verdrahtung der Komponenten selbstständig und vollautomatisch vor. Ein Drahtwechsel bei Farb- oder Querschnittwechseln ist inklusive. Das beschleunigt den Prozess der sonst manuellen Verdrahtung laut Rittal erheblich – Zeit- und Kostenersparnis sowie ein durchgängiger Workflow sind die Konsequenz.

In der Praxis bewährt

Eine typische Anwendung in der Praxis läuft bei GWG Industrietechnik. Auch wenn der Mittelständler überwiegend kleinere Projekte realisiert, lohnt sich die Investition in Software und Maschinen, die für ein durchgängiges Engineering notwendig sind. »Bei Rittal auf der Hannover Messe waren wir schnell vom Perforex-Bearbeitungszentrum überzeugt, sodass wir uns bereits während der Messe zum Kauf einer solchen Maschine entschieden haben«, sagt Wilfried Paßmann, einer der beiden Geschäftsführer von GWG Industrietechnik. Mit den Perforex-Maschinen von Kiesling kann das Unternehmen Montageplatten sowie Türen und andere Schaltschrankteile automatisiert bearbeiten.

Dabei sind alle im Schaltanlagenbau üblichen Materialien wie Stahl, Edelstahl, Kupfer, Aluminium und Kunststoff möglich.

»Bevor wir die Perforex gekauft haben«, erinnert sich Paßmann, »hat ein Mitarbeiter die Montageplatten manuell bearbeitet. Dazu musste er ausmessen, anzeichnen, körnen und bohren, bevor er das Gewinde manuell schneiden konnte.«

Der Zeitbedarf für diese Schritte war je nach Komplexität der Montageplatte mindestens dreimal höher als bei der automatisierten Bearbeitung. Nach der Programmierung des Bearbeitungszentrums benötigt die Perforex etwa 15 bis 20 Minuten, um die Montageplatte komplett zu bearbeiten.

Besonders groß ist die Zeitersparnis laut Wilfried Paßmann, wenn mehrere identische Montageplatten benötigt werden.

»Auf diese Weise können wir das einmal erstellte Programm für die Maschine mehrfach verwenden.« Schon bei der Losgröße 1 sei die Effizienzsteigerung überdurchschnittlich groß und die Programmierung der Perforex kann von verschiedenen Arbeitsplätzen im PC-Netzwerk des Unternehmens erfolgen.

Erschienen in Ausgabe: 08/2013