Stecken statt schrauben

Verbindungssystem - Eine effiziente Verdrahtung erfordert höchste Flexibilität. Schließlich sollen sich komplexe Installationen einfach ändern lassen. Ein modulares System aus Reihenklemmen und individuell konfektionierbaren Steckverbindern ermöglicht funktions- und herstellerübergreifende Installationslösungen.

02. Mai 2005

Ein zentrales Element beim Aufbau einer elektrotechnischen Verdrahtung sind Reihenklemmen: Sie ermöglichen die schnelle und sichere Verbindung von elektrischen Leitern ohne Verschraubung. Ihr größter Vorteil ist dabei die Flexibilität der Verdrahtung, schließlich lassen sich die verschiedenen Kontakte meist beinahe beliebig belegen. Eine problematische Konsequenz dieser Flexibilität ist jedoch die Gefahr von Fehlverdrahtungen, speziell bei komplexen Maschinen und Anlagen, deren Aufbau häufig geändert werden muß. Eine Lösung dieses Problems verspricht das Kontaktsystem WeiCoS des Detmolder Elektrotechnikunternehmens Weidmüller, das die Vorteile der Reihenklemme mit denen eines Steckverbinders verbindet: Das System ermöglicht das schnelle Verbinden und Trennen der Anschlußebene, ohne dazu jedoch sämtliche Leiter lösen zu müssen. Die Lösung verwendet statt dessen vorgefertigte Funktionseinheiten wie Lampen- oder Türsteuerungen, Montageplatten und Schaltschrankfelder, die sich sekundenschnell und fehlerfrei mit der vorhandenen Installation verbinden lassen. Ein fremdgefederter Kontakt und Verriegelungselemente garantieren dabei einen schock-, vibrations- und rüttelsicheren Sitz des Steckverbinders auf der Reihenklemme. Das modulare, funktions- und herstellerübergreifende Verdrahtungskonzept ist damit prädestiniert für den Einsatz im Maschinen- und Anlagenbau, der Prozeßtechnik sowie im Schiff - und Schienenfahrzeugbau. Die Reihenklemmenfamilie ist zum Aufrasten auf die Tragschiene TS 35 konzipiert und umfaßt Durchgangs- und Schutzleiterklemmen sowie Doppelklemmen mit und ohne PE-Anschluß sowie eine Kombination aus Durchgangs- und PE-Klemme. Die Kontaktierung der Schutzleiter erfolgt automatisch beim Aufsetzen auf der Tragschiene. Das Klemmensystem besitzt auf der einen Seite einen Zugfederanschluß zum schnellen Anschluß abisolierter Leitungen, die andere Seite der Klemme nimmt einen oder zwei Steckverbinder auf, dazu kommen zwei Klemmentypen, die auf beiden Seiten je zwei Steckverbinder aufnehmen können. Diese Klemmentypen sind so gestaltet, daß die Steckrichtung aller vier Steckverbinder gleich ist und erleichtern damit das Vorkonfektionieren der Steckverbinder, da so lediglich die Reihenfolge der Anschlüsse beachtet werden muß, ohne zu bedenken, auf welche Seite der Klemmen der Steckverbinder später gesteckt werden soll.

Leiter direkt ohne Endhülsen angeschlossen

Je nach Ausführung erlauben die Klemmen den schnellen und rüttelsicheren Anschluß von Leitern in ein- und feindrähtiger Ausführung mit Aderquerschnitten von 0,5 bis 4 Quadratmillimeter. Leitereinführung und Federbetätigung erfolgen dabei parallel zueinander. Einen festen Sitz der Leiter garantiert die hohe Kontaktkraft des Zugfedersystems. Der Bemessungsstrom beträgt 24 Ampere, die Bemessungsspannung 500 Volt. Dieselben Leistungswerte bieten auch die zugehörigen Steckverbinder, von denen das System drei Typen mit bis zu 16 Polen verwendet, die sich ohne Polverlust stecken und kodieren lassen; spezielle Abschlußplatten sind nicht notwendig. Auch bei den Steckverbindern erlaubt das Zugfedersystem den direkten Anschluß von ein- und feindrähtigen Leitern auch ohne Aderendhülsen oder Kunststoffkragen. Den schock-, vibrations- und rüttelsicheren Sitz des Steckverbinders auf der Reihenklemme garantiert ein fremdgefederter Kontakt, dessen mechanische und elektrische Funktionen getrennt sind: So bestehenden sämtliche mechanischen Federelemente aus Stahl, während die elektrisch leitenden Teile der Feder in Kupfer ausgeführt sind.

Vielseitiges Zubehör erweitert die Einsatzmöglichkeiten

Sowohl die Reihenklemmen als auch die Steckverbinder lassen sich mit großen, sehr gut sichtbaren Standardmarkierern versehen, die sich auch bei gesteckten Steckverbindern und einer komplett verdrahteten Klemmleiste jederzeit gut ablesen lassen. Diese umfangreiche Betriebsmittelkennzeichnung erleichtert Service, Wartung und Fehlersuche. Integrierte Querverbindungskanäle der Reihenklemmen ermöglichen es, bis zu drei unterschiedliche Potentiale parallel zu führen sowie einzelne oder mehrere Reihenklemmen zu überspringen. Zur Einspeisung der Versorgungsspannung genügen Standard-Reihenklemmen aus der Z-Reihe für Leiterquerschnitte bis zu 25 Quadratmillimeter. Standard-Querverbinder ermöglichen dann die Verteilung des Potentials auf beliebig viele Reihenklemmen mit kleineren Querschnitten. Reihenklemmen und Steckverbinder bestehen aus einem isolierenden Spezial-Thermoplast mit der Bezeichnung »Wemid«, der gegenüber Polyamid PA 66 eine erhöhte Dauergebrauchstemperatur von 120 °C und eine verbesserte Brandresistenz der Brandklassifikation VO aufweist. Abgerundet wird das WeiCoS-Konzept durch ein umfangreiches Zubehör-Sortiment. So gewährleisten zusätzliche Verriegelungselemente einen schock-, vibrations- und rüttelsicheren Sitz der Steckverbinder auf der Klemmleiste. Kodierelemente ermöglichen eine eindeutige Zuordnung von Steckverbinder und Steckplatz, und Zugentlastungen am Steckverbinder bieten zusätzliche Sicherheit für angeschlossene Leiter. Für schnelle und präzise Prüfungen und Simulationen stehen unterschiedliche Testadapter zur Wahl.

Horst Kalla, Weidmüller

Erschienen in Ausgabe: 03/2005