Stetig wachsen

Pneumatik - Die Pneumatik macht keine Quantensprünge. Sie ist eine ausgereifte Technologie, verzeichnet aber stetiges Wachstum - ein größeres als der Maschinenbau allgemein. Wie kann die Branche diesen Trend untermauern und fortsetzen?

14. Dezember 2005

Pneumatik als Technologie umfasst ein breites Programm aus Zylindern, Ventilen und Zubehör. Das Angebot reicht von der Einzelkomponente bis hin zu komplexen pneumatischen Systemen und Anlagen. Pneumatik ist in vielen Branchen zu finden: In der Nahrungsmittel- und Verpackungsindustrie Genauso wie in der Automobilindustrie, Elektronikfertigung, im Materialhandling oder der Druck- und Papierindustrie. Die Branche war viele Jahre lang von starkem Wachstum geprägt. Langfristig erlebte sie ein schnelleres Umsatzwachstum als der Maschinenbau. Marktuntersuchungen sehen für die Pneumatik auch in den kommenden Jahren gute Chancen. Bis 2012 wird mit einem Gesamtwachstum von 25 Prozent gerechnet. Einer der wichtigsten Gründe für die stetige Zunahme ist darin zu sehen, dass immer mehr manuelle Aufgaben bei Montage und Materialhandling durch leistungsfähige pneumatische Systeme ersetzt werden.

Keine Quantensprünge

In den letzten Jahren ist zudem ein Übergang von mechanisch geregelten zu elektronisch gesteuerten Anwendungen zu verzeichnen. Vor allem in diesem Bereich finden gegenwärtig die wichtigsten Weiterentwicklungen statt. Rexroth ist einer der führenden Anbieter von elektropneumatischen Lösungen. Das Unternehmen arbeitet permanent an kleinen Weiterentwicklungen der Pneumatiklösungen, die sowohl die Leistungsfähigkeit der Komponenten erhöhen, als auch die Lebensdauer verlängern. Diese Entwicklung verläuft kontinuierlich und eher selten in Quantensprüngen, wie sie beispielsweise aus der Elektronik bekannt sind.

Aktuelle Trends

Dezentrale Systemarchitekturen führen auch in der Pneumatik zu einer immer höheren Elektronikintegration. Hierbei rückt Condition Monitoring weiter in den Vordergrund. Rexroth zum Beispiel hat bereits übergreifende Lösungen für Condition Monitoring entwickelt. Die Geräte unterstützen alle gängigen Busprotokolle, wie Profibus, Interbus S, Devicenet sowie Controlnet, und bieten umfangreiche Diagnosemöglichkeiten: von der Konfigurationsanalyse über die Kontrolle der Stromversorgung und die Lokalisierung von Kurzschlüssen bis hin zur Diagnose von Datenübertragungsfehlern. Neben der Erweiterung durch Elektronikintegration prägen Miniaturisierung und neue Werkstoffkombinationen die Hardwareentwicklung. Damit werden weitere Leistungssteigerungen in den Komponenten bei gleichzeitig weiter sinkenden Herstellkosten erreicht. Ein weiterer Schwerpunkt in der Entwicklung liegt darin, die Auslegung, Montage und Inbetriebnahme bei Kunden möglichst einfach und kostengünstig zu gestalten. Das Automationssystem ›Rexroth Easy-2-Combine‹ ermöglicht die direkte Kombination von pneumatischen Einzelkomponenten ohne aufwändige und teure Verbindungsbausätze. Die Komponenten des Systems bilden die in der Montagetechnik gängigen Anwendungen wie lineare Bewegungen, Rotationsbewegungen und Greiffunktionen ab.

Chance Piezotechnik

Die Piezotechnik ist ein relativ neuer Zweig innerhalb der Pneumatik. Keramische Materialien mit Piezoeffekt reagieren auf Druck und können Ventile stellen. Derzeit ist die verbreitete Anwendung dieser Technik aus Kostengründen noch nicht realistisch und nur für bestimmte Bereiche interessant. Erfahrungsgemäß setzen sich neue Ideen aber nach einiger Zeit durch, auch wenn sie kurzfristig nicht wirtschaftlich erscheinen. Ein zweites Beispiel sind Mikroventile auf der Grundlage von Mikrosystemtechnik. Deren Selbstkostenpreis liegt noch weit über dem Preis, den der Markt dafür zu zahlen bereit ist. Wir schließen jedoch nicht aus, dass Mikroventile in einigen Jahren in gewissem Umfang produziert und verkauft werden.

Diagnose von Komponenten

Fortschritte verbucht die Pneumatik auch bei der Diagnosefähigkeit von Komponenten. Der Zustand eines Ventils lässt sich damit zu jeder Zeit bestimmen und überwachen, auch mithilfe der Ferndiagnose. Dadurch können Hersteller ihre Maschinen und Anlagen variabler aufbauen und verwenden. Auch wenn dies nur ein kleiner Schritt ist, bringt er doch erkennbare Verbesserungen für den Benutzer. Große Anbieter investieren noch immer beträchtliche Summen in Forschung und Entwicklung. Kleinere Anbieter haben dafür nicht immer die Ressourcen und beschränken sich häufig auf die Herstellung bestehender Konzepte. Die Kunden beobachten genau, welche neuen Lösungen erdacht werden und welche in den kommenden Jahren kommerziell interessant sein können. Rexroth arbeitet intensiv an solchen Lösungen und kann hier auch auf die Entwicklungserfahrung der gesamten Bosch-Gruppe zurückgreifen. Das Know-how der dort versammelten Fachleute kann das Unternehmen oftmals auf breiterer Basis verwerten und so Synergien nutzen - beispielsweise im Bereich der Materialforschung. Die Pneumatik ist und bleibt ein attraktives Technologiefeld, das neue Entwicklungen hervorbringen wird - auch wenn diese nicht immer so spektakulär sein mögen wie bei anderen Technologien. Die Zeit von Aluminiumventilen und Zylindern ist noch nicht abgelaufen, aber Kunststoffe und keramische Materialien werden an Boden gewinnen. Entwicklungspotenzial liegt vor allem bei Sensoren und elektronischern Steuerungen.

Sabine Nätscher, Bosch Rexroth

Erschienen in Ausgabe: Wer macht was?/2006