Strategien für die Forschung

"Das Geld wird zukünftig nicht mehr an der Schneide verdient", so Prof. Thomas Bauernfeind, Leiter des Fraunhofer-Instituts IPA. Damit sich Unternehmen auf die Zukunft vorbereiten können, sollen sie von der deutschen Industrieforschung unterstützt werden. Die Strategien dafür erarbeiten die Stuttgarter Forscher.

06. Juni 2016

Wie sieht die industrielle Produktion im Jahr 2030 aus? Das soll die Forschungsinitiative Manufuture herausfinden. Dieses Projekt wurde 2006 unter der Führung des Fraunhofer-Instituts IPA gestartet, um die Forschungsinteressen deutscher Unternehmen aus der Produktionstechnik zu ermitteln und hierfür industrienahe Förderprogramme auszuarbeiten. "Dabei interessiert uns insbesondere die Frage: Wie können wir die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Industrie stärken und nachhaltig sichern?", so IPA-Institutsleiter Prof. Thomas Bauernhansl.

Zwischenergebnisse des Projekts werden am 23. und 24. Juni in Berlin auf dem Kongress Produktionsforschung 2016 vorgestellt. Am ersten Tag werden im Schwerpunkt die Themen ressourceneffiziente Produktion, Produktion für Mobilität und Innovationen für den Mittelstand in parallelen Foren behandelt. Der zweite Tag des Kongresses ist der Industrie 4.0 gewidmet. Daneben gibt es eine Begleitausstellung, bei der sich die Besucher über verschiedene aktuelle Themen der Produktionsforschung informieren können.

Um die wichtigsten Themen für die deutsche Produktionstechnik zu ermitteln, arbeiten die IPA-Experten mit Verbänden, Industrieunternehmen und der Forschung zusammen. "Wir haben Workshops mit Vertretern der deutschen Produktionswissenschaften und dem VDMA durchgeführt", erklärt Bauernhansl. Der VDMA hat wiederum Experten aus der Praxis eingeladen, darunter von Trumpf, Daimler, Festo und Wittenstein. Weitere Treffen, zum Beispiel mit dem Digitalverband Bitkom und dem ZVEI, seien angesetzt. Das soll sicherstellen, dass alle Akteure der Produktionstechnik in die Themenfindung einbezogen werden.

Im ersten Schritt definieren die IPA-Wissenschaftler Entwicklungsthesen. Gemeinsam mit den Industriepartnern sollen diese anschließend überprüft, priorisiert und ergänzt werden. "Das Geld wird zukünftig nicht mehr an der Schneide verdient", ist Bauernhansl überzeugt. So habe sich in den Workshops gezeigt, dass ein Großteil der Rendite nicht in der Produktion entsteht, sondern in deren Umfeld, zum Beispiel durch Ausrüstungen, IT-Services und neue Geschäftsmodelle. Im nächsten Schritt werden die Themen in Folgeinterviews und Online-Umfragen verdichtet. Abschließend erstellen die Wissenschaftler eine strategische Roadmap zur Förderung der Themen, die im Herbst 2017 in der Politik umgesetzt werden soll.

Für die Ausarbeitung der Forschungsschwerpunkte suchen die IPA-Wissenschaftler noch Industriepartner. Unternehmen aus der Produktionstechnik können an den verbleibenden Branchenworkshops teilnehmen oder sich für Umfragen oder Interviews melden. "Die Manufuture-Plattform bietet eine hervorragende Möglichkeit, die eigenen Forschungsschwerpunkte einzubringen und die Forschungsförderlandschaft mitzugestalten", so Bauernhansl. Beim Kongress Produktionsforschung in Berlin informieren die IPA-Wissenschaftler interessierte Firmen über ihre Thesen und mögliche Beteiligungsformen.