Taufrisch in die Luft

Energieführung – Energieketten von Igus sorgen für eine sichere Leitungszuführung in Enteisungs- und Waschanlagen für Flugzeuge, schmiermittelfreie Igubal-Lager ermöglichen die hohe Beweglichkeit der Flüssigkeitsdüsen.

28. Mai 2019
Taufrisch in die Luft
(© MSG)

Sobald im Winter der erste Schnee fällt und der Frost einsetzt, herrscht auf den Flughäfen Hochbetrieb. Flugzeuge sind vor dem Start von Eis zu befreien und mit einem temporären Eisschutzmittel zu besprühen. Bei der Abfertigung vieler Maschinen in kurzer Zeit stoßen die lokalen Kapazitäten des Flughafens oft an ihre Grenzen. Derzeit entfernen spezielle Fahrzeuge Eis und Schnee unter freiem Himmel von den Flugzeugen, wobei die Vehikel sowie deren Spritzvorrichtungen manuell bedient werden müssen.

Schlechte Effekte

Neben Kosten- und Zeitaufwand entsteht eine hohe Umweltbelastung, da das Abwasser durch mangelnde Abflusskontrolle ungefiltert in Flüsse oder Grundwasser gelangen kann. Ebenso können bei unsachgemäßer Bedienung die Flugzeuge selbst beschädigt werden. Und das Waschen einer Boeing 737 von Hand dauert bis zu zehn Stunden.

All dieser Herausforderungen nahm sich die norwegische MSG Production AS an und entwickelte eine vollautomatische, multifunktionale Wartungshalle. Dieses neuartige Konzept ist vom Prinzip her eine Waschanlage für Flugzeuge – aber mit Extrafunktionen. Die Behandlung der Flugzeuge in der Anlage erfolgt automatisch und schnell: Im Computer werden die Abläufe für die einzelnen Flugzeugtypen einprogrammiert und somit einfach abrufbar gemacht. »Statt mehreren Stunden dauert das Waschen von Flugzeugen nur rund 20 Minuten, eine Enteisung weniger als sieben Minuten«, erklärt Svein Gunnar Mæland, Geschäftsführer und Gründer der MSG Production AS.

Außerdem ist die Dauer der Bearbeitung immer gleich, was den Zeitaufwand der Vorgänge vorhersehbar macht und somit genauere Abflugzeiten ermöglicht. »Wir haben die Anlage so entwickelt, dass sich die Kunden frei entscheiden können, welche Funktionen sie nutzen möchten. So ist die Anlage zum Waschen beispielsweise in Ländern wie Saudi-Arabien oder Thailand sinnvoll, während andere Länder wie Schweden zusätzlich das Feature der Enteisung nutzen können«, so Svein Gunnar Mæland.

Flugzeuge einfach warten

Die Anlage ist zudem ein Wartungssystem. Ein Kamerasystem überprüft in diesem Fall das Flugzeug optisch auf Schäden wie Kratzer oder Dellen. Entsprechend hohe Anforderungen wurden an die Bauteile der Anlage gestellt: Kälte- und Hitzeunempfindlichkeit, keine Probleme mit Feuchtigkeit, Chemikalienresistenz, Wartungs- und Schmiermittelfreiheit. Zudem war eine lange Lebensdauer, selbst bei hoher Belastung im Dauerbetrieb, gefordert.

»Igus-E-Ketten bieten uns in rauer Umgebung langlebige Systeme.«

— Svein Gunnar Mæland, Geschäftsführer und Gründer, MSG Production

Die gesamte Anlage wird in einem Hangar installiert. Drei Traversen sind an einem Schienensystem befestigt, daran befinden sich Teleskoparme mit Barren. Das Flugzeug wird während des Aufenthaltes in der Anlage von einem elektrischen Schlitten gezogen. Jedes Teil dieser Konstruktion ist, mit Ausnahme der Anfangs- und Endtraversen, individuell beweglich.

So formen die inneren Barren – wenn der Flugzeugrumpf durch den Hangar fährt – einen Halbkreis um den oberen Rumpf. All das, verspricht Mæland, funktioniert, ohne Hand ans Flugzeug anzulegen: »Die Bewegungen der Anlage sind für jeden Flugzeugtypen vorprogrammiert und erfolgen automatisch. Das Programm lässt sich ganz einfach über einen Bildschirm auswählen.« Da die Traversen, Teleskoparme und Barren mitsamt Düsen sowohl Flüssigkeit als auch Strom benötigen, musste eine sichere Leitungsführung garantiert werden können.

Das spezielle Anwendungsfeld schränkte die Produktauswahl erheblich ein. So würden Leitungsführungen aus Stahl aufgrund der Feuchtigkeit nach einiger Zeit anfangen zu rosten und ausfallen.

Auf Igus gekommen

Nach Betrachtung aller Anforderungen an die Bauteile wandte sich das Unternehmen MSG Production AS über den Händler ASI Automatikk AS an den Motion-Plastics-Spezialisten Igus. Die Wahl fiel auf die zwei Energiekettenserien E4.1 und 2400. Insgesamt verrichten in der Anlage 25 verschiedene Energieketten ihre Arbeit.

Wegen der Betriebsbedingungen der Energieführungen konnte die E4.1 ihrem Ruf als Allrounder gerecht werden. Die E-Kette ermöglicht lange Verfahrwege und große freitragende Längen bei hoher Stabilität. Zudem steht sie trotz robuster Bauweise für eine einfache Montage. Die Kettenglieder halten Schubkräften von bis zu 7.000 Newton stand. Als Besonderheit verläuft oberhalb der Anlage eine E4.1-Energiekette ohne Vorspannung mit 26,74 Meter Verfahrweg.

Die Energieführungen bestehen aus Hochleistungskunststoffen, wodurch das Eigengewicht häufig unter dem vergleichbarer Metalllösungen liegt. Der Werkstoff Igumid G sorgt dafür, dass die Energieketten unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit und Chemikalien sind. Ebenso stellen Temperaturen im Bereich von −40 Grad bis 120 Grad Celsius kein Problem dar. Ketten aus diesem Standardmaterial von Igus sind schmutzunempfindlich und selbstschmierend, wodurch sie für den Einsatz in einer Enteisungs- oder Waschanlage ideal geeignet sind.

Die Ketten der Serie 2400 schützen die Leitungen in den äußeren Barren. Sie dienen als Leitungszubringer zu den Düsen und Gelenken, welche die Winglets behandeln. Die Serie ist, wie die E4.1, sehr robust und leicht. Sie verhindert, dass bei der Anpassung der Anlage an die Flugzeugform Leitungen eingeklemmt oder anderweitig beschädigt werden.

»Unser System muss von hoher technischer Qualität sein, damit an den Flughäfen keine unerwarteten Anlagenausfälle auftreten. Wir glauben, dass Igus-Energieketten uns helfen, ein auch in rauen Umgebungen langlebiges System aufzubauen«, erklärt Svein Gunnar Mæland.

Immer beweglich

Fast überall, wo Bewegungen stattfinden, lassen sich die Produkte von Igus anwenden. So auch im Düsensystem der Anlage: Die Beweglichkeit des Systems in Boden und Barren wird zuverlässig durch die Igubal Flansch- und Stehlager gewährleistet. Durch ihre Positionen sind sie permanent Chemikalien und Feuchtigkeit ausgesetzt. Wie alle Produkte aus Köln sind auch diese Lager schmiermittelfrei, wodurch die Flüssigkeiten und Abwässer nicht durch Öle oder Fette verunreinigt werden. Die Düsen eines Barrens werden jeweils zwischen zwei Lagern befestigt und mit einem Stangensystem miteinander verbunden. So verursacht ein Motor auf dem Barren durch Züge und Schübe die Bewegung der Düsen.

Der Hangar bildet praktisch ein in sich geschlossenes System; alle verwendeten chemischen Stoffe und Abwässer werden zum Großteil wiederaufbereitet und erneut verwendet. Darüber hinaus sind alle eingesetzten Reinigungsmittel biologisch abbaubar.

Durch die Überdachung der Anlage kann sich das Abwasser auch nicht mit Regenwasser oder Schneeschmelze vermischen und es entstehen keine Sprühverluste durch Winde. Somit ist die Anlage nicht nur umweltfreundlicher, sie ist auch sicherer.

Dank der eingesetzten Energieketten von Igus können Flughafenbetreiber sich stets auf garantierte Sicherheit verlassen. Diese ist besonders in langen Wintern wichtig. Das derzeitige Potenzial für solch eine Anlage ist enorm. Es gibt über 10.000 Flughäfen weltweit, wo Flugzeuge regelmäßig gewaschen werden. Dazu kommen weitere 2.500 Flughäfen, die die Maschinen im Winter enteisen. Im Einsatz automatisiert die Maschine von MSG Production AS viele langwierige Prozesse und trägt dazu bei, den CO2-Fußabdruck der Luftfahrtindustrie zu verringern. mkT

Erschienen in Ausgabe: 04/2019
Seite: 8 bis 11