Technik für den Kometen

Mit Spannung hat die Welt die Eroberung des Kometen 67P mitverfolgt. Das galt besonders auch für einige Unternehmen, deren Komponenten mit im All unterwegs waren.

11. Dezember 2014

Als der Lander Philae auf dem dem Kometen 67P / Churyumov-Gerasimenko, kurz Tschury, gelandet war, atmeten viele Entwicklerteams auf, hatten sie doch Komponenten für die große Mission geliefert.

Das Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren Izfp zum Beispiel lieferte Schallwandler speziell für CASSE (Comet Acoustic Surface Sounding Experiment), eines von zwei Instrumenten an Bord des Landemoduls Philae zur Vermessung der elastischen und plastischen Eigenschaften der kometaren Materie. Deren Erkenntnisse sollen Rückschlüsse auf die Zusammensetzung und Festigkeit des Bodens ermöglichen. Die Auswertung der gewonnenen Informationen wird die Wissenschaft noch lange beschäftigen. In das für die Kometenlandung eigens angepasste Prüfsystem flossen die umfassenden Kenntnisse und Erfahrungen des Instituts in zerstörungsfreier Werkstoffcharakterisierung mit Ultraschall ein.

Der Schweizer Sensorspezialist Baumer war in enger Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Aeronomie für die Herstellung und Qualifizierung des Herzstücks der eingesetzten Spektrometer verantwortlich, mit dem die Zusammensetzung der Gashülle des Kometen bestimmt werden soll. Trotz der ungewöhnlichen Einsatzbedingungen konnte Baumer für die sehr anspruchsvollen Anforderungen der europäischen Raumfahrtagentur ESA eine ebenso spezielle Kundenlösung bieten. Seit dem Start im Jahr 2004 fliegen die von Baumer gefertigten Komponenten mit an Bord der Rosetta und sind Teil der Ausstattung der Landesonde Philae.

„Es macht uns stolz, dass wir mit unseren Hightech-Komponenten einen Beitrag zum großen Erfolg dieses beeindruckenden internationalen Weltraumprojekts leisten konnten“, so Dr. Oliver Vietze, CEO der Baumer Group. Baumer habe die hohen Anforderungen an Zuverlässigkeit und Qualität mit hoch qualifizierten Mitarbeitern, entsprechender Technologie und der erforderlichen Infrastruktur wie etwa Reinräume erfüllt. Gleichzeitig habe die Rosetta-Mission auch Baumer technologisch weitergebracht. „Unsere Kunden profitieren heute von unserem Know-how, von innovativen und zuverlässigen Produkten – für anspruchsvolle Anwendungen auf der Erde“, ergänzt Vietze.

Ganz wichtig für Raumfahrzeuge sind die richtigen Antriebe. Zur wissenschaftlichen Analyse konnte Faulhaber die Harpunen beisteuern, die Philae mithilfe der Ankerseilaufwicklung mehr Halt auf der Kometenoberfläche geben sollen. Diese wurden noch nicht ausgelöst, dafür unterstützte ein Faulhaber Motor beim Aufsetzen des Landers, um über einen Spindelantrieb kinetische in elektrische Energie und schließlich in Wärme umzuwandeln. Das Minilabor ist nach Aussagen der ESA einsatzbereit, sendet zuverlässig Signale und eindrucksvolle Bilder und hat bereits begonnen, den Kometen zu erforschen.

Bei der wissenschaftlichen Untersuchung, die unmittelbar nach dem Landevorgang begonnen hat, arbeiten weitere Faulhaber DC-Motoren in den Instrumenten und Versuchsanlagen von Philae. So sollen Bohrproben untersucht und die Ergebnisse zunächst an die Rosetta-Sonde und von dort in Richtung Erde übermittelt werden. Insgesamt 14 verschiedene Faulhaber Antriebssysteme trotzen den harschen Bedingungen auf 67P – und das nach zehn Jahren Reisezeit im Vakuum und Tiefsttemperaturen. Immer mit dem Ziel, wertvolle Erkenntnisse über die Entstehung und Geschichte unseres Sonnensystems zu liefern.

Sehr aktiv im Weltraum ist Maxon Motor schon seit langem. Nach den Marssonden ist jetzt Philae im Fokus des Interesses. Die Schweizer sind stolz, mit zwei DC-Motoren Teil der Rosetta-Mission zu sein. Diese haben jeweils einen Durchmesser von 13 Millimetern und lassen zusammen das APXS-Messgerät zu Boden. Dabei handelt es sich um ein Alpharöntgenspektrometer, mit dem die chemische Zusammensetzung von Tschury erfasst wird, was wiederum Aufschluss gibt über das Vorkommen wichtiger Elemente wie Kohlenstoff und Sauerstoff.

Die Antriebe haben die mehr als zehnjährige Reise von Rosetta also unbeschadet überstanden. Noch nie zuvor wurden Gleichstrommotoren über diese Dauer dem Vakuum ausgesetzt.