»Technisch ausgereift und zukunftsfähig«

Spezial Windkraft

Statement – Seit 20 Jahren finden Komplettanbieter und Komponentenlieferanten profitable Anwendungen in der Windenergie. Dr. Karl Tragl, Vorstandsvorsitzender der Bosch Rexroth AG, erzählt über Technologien, zieht ein Resümee und schaut in die Zukunft.

27. August 2012

Die Windenergie ist für viele Komponenten- und Systemanbieter in der Industrie eine wichtige Branche, unzählige Anwendungen belegen das. Dies gilt auch für Bosch Rexroth, wie Vorstandschef Dr. Karl Tragl erklärt:

»Das Stromeinspeisungsgesetz machte 1991 die Windenergie in Deutschland marktfähig. 20 Jahre später ist sie in vielen Ländern der Erde aus dem Energiemix und der Landschaft nicht mehr wegzudenken und als eine der beliebtesten nachhaltigen Energieformen etabliert und anerkannt.

Bosch Rexroth gehört zu jenen Unternehmen, die das Potenzial dieser Zukunftstechnologie früh erkannt haben. Lange bevor die Windenergie voll industrialisiert war, beschäftigten wir uns mit der Idee, die aus dem Wind gewonnene Rotationsenergie in elektrische Energie umzuwandeln. Bereits in den 80er-Jahren haben wir darum Getriebe für Windenergieanlagen entwickelt und der jungen Branche dabei geholfen, wettbewerbsfähig zu werden.

Dabei galt es, zahlreiche Herausforderungen zu meistern, zu denen von Anfang an vor allem die Zuverlässigkeit zählte. Mit der steigenden Bedeutung wurde auch die Wirtschaftlichkeit immer wichtiger: Heute erzeugen Windenergieanlagen mit modernster Antriebstechnik zuverlässig elektrische Energie bei ständig sinkenden Stromgestehungskosten. Die »Cost of Energy« wird in den kommenden Jahren den Erfolg der Windenergie und damit den Erfolg der agierenden Unternehmen bestimmen. Sie ist zum Dreh- und Angelpunkt einer Branche geworden, die zunehmend unter dem Druck steht, sich auch wirtschaftlich als nachhaltig zu beweisen.

Für jeden die richtige Anlage

Ein weiterer Aspekt, der mit der Lebensdaueranforderung von 20 Jahren und mehr an Bedeutung zugenommen hat, ist die Servicestärke. Sie wird bestimmt durch Umfang, Qualität und Individualität der Wartung und Instandhaltung. In den vergangenen Jahren hat sich das Bild der Windkraftanlage gewandelt: von kleinen Windmühlen mit Gittermast und Leistungen von nur wenigen hundert Kilowatt hin zu 200 Meter hohen Hightech-Anlagen mit Leistungen von bis zu 7,5 Megawatt.

Und die Anlagen der Zukunft stehen nicht mehr nur an Land, sondern auch am und im Meer, Offshore ist ein wichtiges Schlagwort, das an Bedeutung gewinnen wird. Experten rechnen damit, dass der Wind dort im Jahresdurchschnitt mit zehn Metern pro Sekunde um die Räder weht, was ungefähr Windstärke 5 bis 6 entspricht. Zudem erwarten sie, dass sich die Rotoren durchschnittlich 3.800 Volllaststunden im Jahr drehen. Zum Vergleich: An einem guten Landstandort für Windräder weht der Wind nur mit etwa fünf Metern pro Sekunde bei gerade einmal 2.500 Volllaststunden.

Wichtige Rolle im Energiemix

Bis Windenergie weltweit und flächendeckend einen signifikanten Beitrag zur Deckung des Energiebedarfs leisten kann, werden die Industrieregionen der Welt auf einen lokal angepassten Energiemix setzen. Er setzt sich zusammen aus fossilen Brennstoffen, gegebenenfalls Kernenergie und den verfügbaren erneuerbaren Energien. Dank ihrer technischen Reife spielt die Windenergie hier aber bereits heute eine bedeutende Rolle.«

Auf einen Blick

Windkraft bei Bosch Rexroth

-Antriebslösungen: Hauptgetriebe, Azimutantriebe für die Windnachführung, Pitchantriebe für die Rotorblattverstellung.

-Hydraulische Lösungen: Hydraulische Pitchverstellungen, Triebstrangbremsen, Azimutbremsen.

-Condition Monitoring: Rotorblatt-Überwachungssystem BLADEcontrol, Ölreinheitskontrolle.

Erschienen in Ausgabe: 06/2012