Theater mit Hightech

Im jüngst wiedereröffneten Bolschoi-Theater in Moskau gewährleistet modernste Antriebstechnik einen sicheren und flexiblen Spielbetrieb.

08. Dezember 2011

Das Bolschoi-Theater in Russlands Hauptstadt Moskau ist eines der weltweit berühmtesten Schauspielhäuser für Oper und Ballett. In den vielen Jahren seiner Existenz war das Gebäude, dessen Mauerwerk teilweise aus dem 18. Jahrhundert stammt, jedoch baufällig geworden, sodass es Mitte 2005 für eine grundlegende Renovierung und Restaurierung geschlossen werden musste.

Erst Ende Oktober 2011 konnten Opernfreunde aus aller Welt die Wiedereröffnung des weltberühmten Theaters feiern, das zeitgleich mit der Eröffnung seinen Spielbetrieb wieder aufnahm. Schätzungen zufolge betrugen die Kosten für die Renovierung des zum Unesco-Weltkulturerbe zählenden Theatergebäudes mindestens eine halbe Milliarde Euro. Hinter der vollständig erhaltenen historischen Fassade aus dem Jahre 1825 finden Opernfreunde nun eine ausgeklügelte und hochmoderne Bühnentechnik.

Da die Außenmaße des Gebäudes während des Umbaus unverändert bleiben mussten, wurde der Bühnenbereich dazu vollständig entkernt und zudem neuer Raum für die Bühnentechnik geschaffen. So ist zum Beispiel die Bühnengrube, in der die großen Bühnenpodien bewegt werden, heute mehr als 20 Meter tief.

Erfahrung mit Bühnentechnik

Einen entscheidenden Anteil an einem reibungslosen Spielbetrieb hat auch der Antriebs- und Steuerungstechnikspezialist Bosch Rexroth mit Firmensitz in Lohr am Main: Schließlich war das Unternehmen als Generalunternehmer verantwortlich für die extrem leistungsfähige und flexible Bühnentechnik des weltberühmten Theaters. Das international tätige Unternehmen hat bereits bei zahlreichen historischen Opernhäusern die Bühnentechnik modernisiert sowie mehrere Neubauten ausgerüstet, wie beispielsweise das Große Chinesische Nationaltheater in Peking oder das Opernhaus der norwegischen Hauptstadt Oslo.

Komplexe Antriebstechnik

Im wiedereröffneten Bolschoi-Theater hat Bosch Rexroth mehr als 600 elektrische und hydraulische Antriebe sowie die Bühnenleittechnik für die Ober- und Untermaschinerie projektiert, installiert und in Betrieb genommen. Für die Bewegung der sieben jeweils 22 Meter langen, drei Meter breiten und zehn Meter hohen Bühnenpodien mit jeweils zwei Ebenen verbaute das Unternehmen zum Beispiel mehrere hydraulische Antriebe, die die rund 80 Tonnen schweren Podien ruckfrei mit bis zu 0,7 Metern pro Sekunde über einen Hub von 16 Metern auf- und abwärts verfahren. Damit dabei keine Geräusche in den Zuschauerraum dringen, befindet sich das laufruhige Hydraulikaggregat in maximaler Entfernung zum Publikum am tiefsten Punkt des Kellers.

Sicherheit geht vor

Ähnlich anspruchsvoll ist die Obermaschinerie der Bühnentechnik mit ihren vielfältigen Aufgaben: So muss dort zum Beispiel eine Winde Gewichte von bis zu einer Tonne anheben – und das vergleichsweise schnell mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1,80 Meter pro Sekunde. Auch hier darf der Zuschauer während der Bewegung selbstverständlich nichts von den Antrieben hören. Die Automatisierungsspezialisten aus Unterfranken kombinierten deshalb eine sehr laufruhige Antriebstechnik mit einer effektiven Schalldämmung, die störende Geräusche vom Zuschauerraum fernhält.

Eine große Herausforderung bei der Umsetzung der Bühnentechnik war zudem der Anspruch an eine absolute Sicherheit, schließlich können sich Künstler oder Bühnenpersonal auf der Bühne befinden, während sich über ihren Köpfen schwere Lasten bewegen. Eine ausgeklügelte Sensorik und zahlreiche Softwarefunktionalitäten der Rexroth-Bühnensteuerung verhindern deshalb, dass es zu gefährlichen Situationen kommt.bt z

Erschienen in Ausgabe: Industrie Handbuch/2011