Tiefes Verständnis

Hydraulik – Im Nachklang der Bauma bleiben viele Produktneuheiten in Erinnerung. Zum Beispiel von Linde Hydraulics, die sich im Bereich der Hydraulikanbieter gut behaupten können.

19. Juni 2019
Tiefes  Verständnis
Auf der Bauma 2019 präsentierte Linde Hydraulics unter anderem brandneue Lösungen für Mobilbagger wie zum Beispiel Antriebe und Ventilblöcke. (© Linde Hydraulics)

von Michael Kleine

Der Antrieb großer Baumaschinen und anderer Aggregate ist eine spezielle Herausforderung, der sich nur wenige Unternehmen stellen können. Auf der Bauma trat zum Beispiel Linde Hydraulics in Aktion. »Wir bedienen den kompletten Bereich Off-Highway«, sagt Janfried A. Tirre, verantwortlich für Sales und Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung. »Unsere Hauptbetätigungsfelder sind Baumaschinen, Landmaschinen, der Transportbereich mit Staplern und Kranen und Kommunalfahrzeuge.«

Linde Hydraulics wächst, das Unternehmen konnte im letzten Geschäftsjahr eine erhebliche Umsatzsteigerung erreichen und geht auch für 2019 von einem weiteren Wachstumsjahr aus. China und die USA sind dabei laut Tirre die größten Wachstumsmärkte.»Das liegt sicher auch an unseren schlagkräftigen Produktentwicklungsinitiativen. Herausragende Eigenschaften im Bereich der mobilen Arbeitsmaschinen sind eine robuste und kompakte Bauweise.« Zudem könne Linde Hydraulics flexibler und agiler handeln als größere Mitbewerber im Markt.

Darüber hinaus spielt der extrem enge Kontakt zum Kunden eine sehr wichtige Rolle. »Wir haben die Hand am Puls des Kunden und sind bereit auf spezifische Anforderungen einzugehen. Unser Anspruch ist, tiefes Verständnis für die Anwendungen unserer Kunden zu haben, die Anforderungen ganz genau zu kennen und diese gezielt in Produkte umzusetzen. Das gilt für Hardware und Software gleichermaßen. Es wird sehr begrüßt, dass wir auf Augenhöhe mit den Anwendern agieren können.«

Logischerweise braucht man dazu die richtigen Mitarbeiter. In diesem Punkt ist Janfried Tirre aber sehr zuversichtlich: »Unser Team ist eine gesunde Mischung aus erfahrenen Mitarbeitern und jungen Leuten, die neue Impulse hineinbringen.«

Der Geschäftsführer sieht größere technische Veränderungen im Hydraulikmarkt. »Die hydraulische Ansteuerung von Pumpen, Motoren und Ventilen geht zurück und wird schon seit einigen Jahren mehr und mehr durch elektronische Regelungen ersetzt.« Trotz teilweise noch konservativer Haltung ginge das Schiff eindeutig in Richtung Industrie 4.0. Bei den Antrieben, also den Muskeln der Baumaschinen, werde dieser Prozess sicherlich noch zwei bis drei Maschinengenerationen andauern. »Dazu muss sich vor allem die Batterietechnik noch sehr stark weiterentwickeln.«

Es gibt bei Linde Hydraulics ganz klare Bestrebungen, die Komponenten durch Sensoren intelligenter zu machen und dadurch wichtige Parameter erfassen und analysieren zu können. Damit ist der Kunde im Grunde sofort bereit, zum Beispiel Predictive Maintenance durchzuführen. »Das resultiert am Ende sicher auch in der Verwendung von Cloud Services, wir arbeiten an entsprechenden Konzepten«, sagt Tirre.

Und in Zukunft? Bis zur Bauma 2022 werde vor allem die Elektronik entscheidend weiterentwickelt sein. Hier wird sich eine Verzahnung der bewährten Mechanik mit immer intelligenterer Elektronik vollziehen. »Wir sind und bleiben ein innovatives Unternehmen und schließen die Lücken in unserem Portfolio«, resümiert Janfried Tirre.

Viele Neuheiten

Das bestehende Portfolio glänzt derzeit mit etlichen Highlights. Da wäre zum Beispiel Shift in Motion, also Schalten während der Fahrt. Mit diesem System lässt sich ein technisch simples Stillstandschaltgetriebe wie ein modernes Synchrongetriebe betreiben. Der sehr schnell und präzise steuerbare Verstellmotor HMV übernimmt hierbei den Synchronisiervorgang. »Der Clou ist, dass wir dabei die Drehzahlen im Getriebe stetig überwachen und den genauen Synchronpunkt sicher bestimmen können«, sagt Tirre. »So laufen alle Zahnräder mit der gleichen Drehzahl, wodurch sich das System sowohl ruck- als auch verschleißfrei schalten lässt.«

Sind alle Voraussetzungen für ein sicheres Hoch- oder Herunterschalten erfüllt, übernimmt ein elektrohydraulisch angesteuerter Aktuator das Einlegen der Gänge. Der gesamte Schaltvorgang dauert nicht länger als 0,6 Sekunden. Für Anwendungen in Landmaschinen, großen Radladern oder Forstmaschinen habe das Shift in Motion bereits sehr viel Interesse hervorgerufen, weil die Technologie ein neues Fahrgefühl vermittelt.

Der Ventilblock VW25 ist als Monoblock ausgeführt, in dem verschiedene Hauptfunktionen wie Ausleger, Löffel, Stiel oder Drehwerk integriert sind. Der Kunde kann auftragsbezogen auch zusätzliche Funktionen addieren – der Ventilblockbaukasten bietet somit eine große Flexibilität. Auch der ausgestellte Block ist äußerst kompakt, kann jedoch einen Durchfluss bis zu 400 Liter pro Sektion leisten«, fasst Tirre zusammen.

Eine weitere Neuheit für den offenen Hydraulikkreis stellt die HPR mit einem Fördervolumen von 165 Kubikzentimetern dar. Basis dieser Regelpumpe ist ein 135er-Gehäuse. »Wir können also mehr Volumen aus einem kleineren Formfaktor herausholen. Sie wird nicht nur im Mobilbaggerbereich eingesetzt, sondern auch in Umschlaggeräten.«

Neu ist auch das »Drehen im geschlossenen Kreis«. Anders als bei konventionellen Verstellpumpen wird über eine Drehmomentsteuerung des Antriebes beim Beschleunigen des Drehwerks dem System nur so viel Leistung abverlangt, wie zum Ausführen der Funktion notwendig ist. Beim Verzögern wird wiederum die aufgebrachte Bremsenergie wieder zurückgewonnen.

Der neue Doppelmotor HMV 105 Duo für diverse Anwendungen im Offroad-Bereich hat zwei Triebwerke mit einer gemeinsamen Verstellung in einem Gehäuse integriert. Er bietet nicht nur durch diese Bauweise einen äußerst geringen Platzbedarf. Mit der Durchtriebsfähigkeit ist es zudem möglich, den Doppelmotor platzsparend in der Anwendung zu positionieren und das Drehmoment direkt an die Vorder- und Hinterräder zu leiten. Ein zwischengeschaltetes Verteilergetriebe kann entfallen.

Einheitliches Konzept

Dank des durchgängigen Designs der Produkte lassen sich diese leicht von einer Anwendung zur nächsten übertragen. »Das gilt für Ventile genauso wie für Axialkolbenmotoren oder -pumpen«, sagt Janfried Tirre. »Und darüber hinaus auch für elektronische Steuerungen, die wir in verschiedenen Größen anbieten, vorrangig unterteilt in Art und Anzahl der Ein- und Ausgänge.«

Realisieren kann der Hydraulikspezialist innovative Produkte wie die vorgestellten Pumpen etwa durch eine komplette Reglerfamilie und die bewährte modulare Linde-Bauweise. Bei den Motoren bietet Linde Hydraulics hingegen eine große Auswahl zwischen sehr kompakten Cartridge-Einschubflanschen für Radantriebe oder standardisierte Flansche passend zur Montage am Differentialgetriebe.

Erschienen in Ausgabe: 05/2019
Seite: 56 bis 57