Tiefgreifend erneuert

CAD CAM

PLM-System – Die neue Version 10 von CIM Database ist nicht nur schick, sondern auch kommunikativ. Web-Standards und eine neue Oberfläche sorgen dafür.

05. Dezember 2012

Bei zwei Veranstaltungen in Köln und München stellte der Bremer PLM-Spezialist Contact Software CIM Database 10 vor. Die Entwicklungsrichtung wurde unter anderem an den Ergebnissen einer Studie ausgerichtet, die vom Fraunhofer-Institut IPK, dem VDI und Contact Software durchgeführt wurde. Darin ging es um »Kollaborative Produktentwicklung und digitale Werkzeuge«, befragt wurden über 1.400 Teilnehmer.

Die Hauptwerkzeuge der Konstrukteure sind danach mit großem Abstand E-Mail- und Office-Programme. Ein Drittel der Konstrukteure verwendet über 40 Prozent seiner Arbeitszeit für Koordination und Abstimmung. Nur ein Siebtel der Entwickler verwenden über 20 Prozent ihrer Zeit für Kernaufgaben, und zwei Drittel der Befragten tauschen Produktdaten mit Kunden und Partnern per E-Mail aus. Zudem wurden Daten überwiegend nicht im passenden Format bereitgestellt.

Diese und weitere Ergebnisse brachten Contact Software, wie Geschäftsführer Karl Heinz Zachries erläuterte, zu mehreren Megatrends, die PLM-Software abdecken muss: Entwicklung findet in verteilten, organisationsübergreifenden Netzwerken statt, durchgängige Prozesse und offene Systeme sind gefordert. Tools müssen einfach und universell sein, Daten und Prozesse verlässlich. Immer wichtiger ist der Trend zur Integration der Engineeringdisziplinen – Mechatronik und Systems Engineering sind hier die Schlagworte. Schließlich müssen Konstrukteure von Routinearbeiten entlastet werden.

Contact begegnet diesen Anforderungen mit der Version 10 seines PLM-Systems CIM Database. Die wichtigste Neuerung ist auch die augenfälligste: eine neue Oberfläche. Hinzu kommen eine neue Komponentenarchitektur, Webservices und die freie Verfügbarkeit der Validierungstools, mit denen Contact seine Software testet, für Kunden. Letzteres ermöglicht es den Entwicklern betriebsspezifischer Anpassungen, diese vor dem Rollout ausgiebig zu testen, um möglichst fehlerfreie Lösungen präsentieren zu können.

Die Komponentenarchitektur ermöglicht den Datenaustausch mit externen Partnern über dieselben Werkzeuge wie mit internen Kollegen. Der Prozess für die Zusammenarbeit mit Externen ist identisch mit dem ECM-Prozess, der intern genutzt wird – nur dass mit dem Collaboration Portal eine Webschnittstelle zwischengeschaltet ist. Der interne Auftraggeber verpackt die notwendigen Daten in einen Container, der über das Collaboration Portal an den externen Dienstleister geliefert wird. Der Auftragnehmer kann sich die Daten aus dem Portal herunterladen, muss also keinerlei Software bei sich installieren. Regelmäßig vergleicht das Collaboration Portal die Daten mit dem Ursprungsstand und integriert sie wieder in CIM Database. Der Auftraggeber kann jederzeit in einem Task Manager nachsehen, wie der Stand der Bearbeitung ist.

Zu den Highlights der neuen Oberfläche zählen Aktivitätenstream, Projektsicht und Task Manager. Der Aktivitätenstream ermöglicht eine einfache und schnelle Kommunikation, ähnlich wie in einem Chat, wobei zwischen zielgerichteten Mitteilungen – die an eine Person oder Gruppe gerichtet sind – und von allen lesbaren Mitteilungen unterschieden wird. In der Projektsicht werden die verschiedenen Aufgaben und deren Terminstatus angezeigt, der Task Manager bildet analog dazu die eigenen Aufgaben und deren Stand ab.

Die neue Oberfläche und weite Teile des Systems wurden in einer »Web-orientierten Architektur« realisiert. Das bedeutet, dass das gesamte System aus vielen Komnponenten aufgebaut sind, die über standardisierte Schnittstellen miteinander kommunizieren und Daten übergeben. Dies ermöglicht einerseits die Nutzung von Toolkits wie Twitter Bootstrap, einem Baukasten für Benutzeroberflächen – was wiederum eine einheitliche Umsetzung dieser Oberfläche im Web, auf mobilen Geräten und auf dem Desktop ermöglicht. Zum anderen lassen sich über diese Schnittstelle andere Lösungen nahtlos ankoppeln, was die Einbettung von CIM Database in unternehmenseigene Prozesse und Lösungen vereinfacht.

Ein Highlight ist das Variantenmanagement: Hier hat Contact Software eine einfach zu bedienende Lösung gefunden, mit der sich komplexe Variantengeflechte aufbauen lassen: Über Wenn-dann-Beziehungen können Eigenschaften miteinander verknüpft werden – »Wenn es sich um die Komfort-Variante des Sitzes handelt, dann sind alle Verstellmöglichkeiten elektrisch.« Diese wiederum steuern, welche Elemente einer Maximalstückliste – in der alle möglichen Bauelemente enthalten sind – in einer konkreten Variantenstückliste sichtbar werden. Das hinterlegte CAD-Modell wird beim Auswählen einer Variante entsprechend angepasst.

Contact Software nutzt moderne Webtechnologien, um eine schöne, klare und übersichtliche Oberfläche zu bieten, diese auch noch auf Mobilgeräte zu bringen und quasi im Vorübergehen noch eine sehr schlaue Lösung für externe Dienstleister zu präsentieren. Die Bemühungen, in allen Aspekten konsistent zu sein, zahlt sich aus, indem Prozesse immer wieder verwendet werden können und die Abläufe im System einer einfachen Logik gehorchen – das erleichtert die Arbeit für Gelegenheitsnutzer sehr –, und wie wir aus der Studie wissen, sitzt auch der Hardcore-Entwickler eher selten am PLM-System.

Contact Software

-Zachries nannte auf dem Event aktuelle Zahlen zur Geschäftslage: 2011 erreichte Contact ein Rohergebnis von 12,5 Mio. Euro. Das Unternehmen hat 8,7 Mio. Euro auf der hohen Kante und keinerlei Bankverbindlichkeiten.

Die Kunden von Contact Software finden sich zu 50 Prozent in Unternehmen zwischen 400 und 1.000 Mitarbeitern, nur zu 10 Prozent bei über 4.000 Mitarbeiter starken Firmen.

Erschienen in Ausgabe: 09/2012