Transparente Prozesse

ERP-Software – Sondermaschinenbauer Paus führt alle Unternehmensprozesse von der Konstruktion bis zum Servicemanagement in einem durchgängigem Auftragsmanagement zusammen.

12. Februar 2019
Transparente Prozesse
Kundenspezifische Lösungen wie z.B. explosionsgeschützte Fahrzeuge für den Kohlebergbau sind die Spezialität des Sondermaschinenbauers Paus. (Bild: Paus)

Die Hermann Paus Maschinenfabrik entwickelt und produziert Industriegüter für besondere Aufgaben. Immer wieder stößt das Unternehmen in ingenieurtechnische Grenzbereiche vor, die kundenspezifische Lösungen erfordern. So zum Beispiel beim Bau explosionsgeschützter Fahrzeuge für den Kohlebergbau. Der unternehmerische Mut zahlt sich aus: Bereits seit Jahren gehört der 250 Mitarbeiter starke Familienbetrieb zu den führenden Anbietern von mobiler Bergbautechnik weltweit. Zusätzliche Standbeine hat das Unternehmen in den Bereichen Baumaschinen, Lifttechnik und Industriefahrzeuge aufgebaut.

Um das immer komplexer werdende Projektgeschäft sicher zu organisieren, hat Paus das Auftragsmanagementsystem ams.erp unternehmensweit eingeführt. Die von der ams.Solution AG entwickelte Enterprise-Resource-Planning-Software (ERP) führt alle kaufmännischen und technischen Informationen zusammen, die im Zuge der Auftragsabwicklung entstehen. Der daraus resultierende Transparenzgewinn hilft Paus, seine Arbeitsabläufe zu optimieren und die Wirtschaftlichkeit der Kundenprojekte sicherzustellen.

Kundenspezifische Auftragsfertigung

»Wenn Besucher durch unsere Montage gehen, werden sie in der Regel gut 50 Produkte sehen, an denen wir gerade arbeiten. Neun von zehn dieser Maschinen haben eine eigene Spezifikation«, sagt Prokuristin Marlies Pöppe, wenn man sie nach den Losgrößen fragt, mit denen es Paus üblicherweise zu tun hat. Vor allem bei den Bergbaufahrzeugen seien Wiederholprojekte die Ausnahme: »Man muss sich vorstellen, dass die Anforderungen in den Gruben und Tunneln außerordentlich stark voneinander abweichen. Allein das Lichtmaß der Schächte, aber auch die atmosphärischen Bedingungen unter Tage und die Beschaffenheit des zu bearbeitenden Materials führen zu einer Varianz, die den Einsatz kundenspezifischer Lösungen zwingend erforderlich macht.«

Um passgenaue Produkte zu liefern, setzt der 1968 in Emsbüren gegründete Sondermaschinenbauer auf eine hohe Fertigungstiefe: Indem man die Bergbaufahrzeuge komplett inhouse fertigt, erschließt sich das Unternehmen die Flexibilität und das Wissen, um die vom Kunden gewünschten Innovationen marktgerecht bereitzustellen. Im Unterschied dazu kommen andere Produktlinien im Unternehmen – wie etwa der Bereich Lifttechnik oder die Produktion der Baumaschinen – mit einem deutlich geringeren Anteil an Eigenleistung aus. Die Losgrößen erreichen hier Werte zwischen 30 und 50 Stück pro Baureihe.

Für Paus´ Ablauforganisation bedeutet dies eine deutlich höhere Komplexität. Denn parallel zur Unikatfertigung in der Bergbautechnik organisiert das Unternehmen die anderen Sparten nach dem Prinzip der Kleinserienfertigung. Unter anderem kommt dabei der Beschaffung eine wesentlich höhere Bedeutung zu, als dies in der Unikatfertigung der Fall ist.

Die Konstruktion wiederum findet über alle Produktlinien hinweg ausschließlich im eigenen Unternehmen statt. Dank dieser strategischen Ausrichtung hat Paus ausreichend Beinfreiheit, um sich auch den Herausforderungen des anbrechenden Industrie 4.0-Zeitalters stellen zu können. Aktuell zeigt sich hier der wachsende Bedarf an autonom fahrenden Industriefahrzeugen als stärkster Treiber.

»Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Wunsch nach mehr Datendurchgängigkeit in der Konstruktionsabteilung besonders groß war«, erinnert sich Marlies Pöppe. »Schließlich geht es bei der Verknüpfung der technischen und kaufmännischen Informationen ja immer auch darum, die Mitarbeiter von Routinearbeiten zu entlasten, so dass ihnen mehr Zeit für die eigentliche Wertschöpfung bleibt.«

»Neun von zehn Maschinen haben eine eigene Spezifikation.«

— Marlies Pöppe, Prokuristin, Paus Maschinenfabrik

Konstruktion im eigenen Haus

Und gerade in der Produktentwicklung zeige sich dieser Mehrwert in besonderer Weise, so Marlies Pöppe weiter. Paus´ Organisationsleiterin, die für den ERP-Einsatz verantwortlich zeichnet, erläutert dies am Beispiel der Stücklistenpflege: »Statt die zu verbauenden Materialien in den Stücklisten zu erfassen, was eine echte Fleißarbeit ist, sollen sich die Kollegen auf das konzentrieren können, wo sie dem Unternehmen den größten Nutzen bringen. Und das sind die Bereiche Konzeption und Spezifikation von innovativen Industrielösungen. Automatisierbare Tätigkeiten wie die Stücklistenpflege sollen sie dann getrost der IT überlassen, die im Hintergrund für sie arbeitet.«

Das emsländische Unternehmen hat das integrierte Auftragsmanagementsystem innerhalb von zehn Monaten unternehmensweit eingeführt. Die neue Business-Lösung bildet die Geschäftsabläufe des Sondermaschinenbauers vollständig ab. Die Prozesskette beginnt im Vertrieb, der sämtliche Angebote in ams.erp kalkuliert.

In der Lifttechnik und bei den Baumaschinen setzt Paus den integrierten Angebotskonfigurator ein. Kommt es zu einer Bestellung, wandelt das ERP das Angebot in einen Auftrag. Die nun einsetzende Auftragsabwicklung führt über die Bereiche Konstruktion, Arbeitsvorbereitung, Fertigung, Einkauf und Materialwirtschaft bis zu Montage, Versand und Servicemanagement. Module für Finanzbuchhaltung, Personalwesen, Controlling, Zeitwirtschaft, Betriebsdatenerfassung und Produktdatenmanagement (ams.pdm) runden das integrierte Informationssystem ab.

Um ausreichend Klarheit zu schaffen, was zu welchem Zeitpunkt der Auftragsabwicklung wo im ERP-System zu tun ist, wurden einheitliche Prozesswege definiert und die Anwender in deren Einhaltung geschult. Als ausgesprochen hilfreich erwies sich dabei die Geschäftsprozessmodellierung (GPM), die der Sondermaschinenbauer zusammen mit den ams-Beratern im Zuge der Implementierung durchgeführt hatte. Deren erstes Ziel hatte darin bestanden, einen gemeinsamen Referenzrahmen dafür zu schaffen, wie Paus´ Geschäftsabläufe in der neuen Software abgebildet werden konnten. Doch darüber hinaus hat die GPM den Anwendern im Unternehmen noch einmal deutlich bewusster gemacht, wie die Kollegen in den vor- und nachgelagerten Bereichen arbeiten und weshalb sie davon profitieren, dass Informationen in einer fest vereinbarten Form erfasst und weiterverarbeitet werden.

»Auf diese Weise arbeiten jetzt erstmals alle im Unternehmen auf einer gemeinsamen Datenlage, was zahlreiche Vorteile hat«, sagt Prokuristin Marlies Pöppe. Unter anderem lasse sich die Wirtschaftlichkeit der Projekte nun bereits auftragsbegleitend einschätzen. Gleiches gelte für Aussagen zur Liefertermintreue. hjs

Erschienen in Ausgabe: 01/2019