Treffpunkt Hannover

CAD CAM

Hannover Messe 2011 – Wie Zugvögel jedes Jahr ihre Route abfliegen, so trifft sich die Maschinenbau-Branche – und auch die Vertreter von CAD und PLM – jährlich auf der HMI.

21. März 2011

Die Hannover Messe (HMI) ist ein Muss – das zeigt sich nicht zuletzt darin, dass in den letzten drei Jahren in der Digital Factory – das ist der Bereich der Hannover Messe, in der die CAx- und PLM-Hersteller vertreten sind – praktisch identische Ausstellerzahlen zu konstatieren waren. Im aktuellen Jahr, in dem die HMI wegen des späten Ostertermins vom 4.–8. April stattfindet, belegen 200 Aussteller wieder etwa 4500 Quadratmeter. Die Messe selbst ist ebenfalls ähnlich groß wie bisher – über 6000 Aussteller haben sich auf 220000 Quadratmetern des Hannoverschen Messegeländes eingemietet.

Die Zahlen, die die CAD/CAM/PLM-Firmen in letzter Zeit vorlegten, waren hervorragend. Die Firmen, die im Katastrophenjahr 2009 ihre Investitionen praktisch auf Null zurückfuhren, investieren wieder. Teilweise hat man den Eindruck, als ob die Wirtschaft bemüht wäre, die Delle ungeschehen zu machen, und versucht, den Rückschlag der letzten konjunkturellen Talfahrt wieder aufzuholen. Nach den Maschinenbau-Unternehmen nimmt auch die Softwarebranche wieder Fahrt auf. Teils lief die Entwicklung scheinbar sogar parallel, dabei dürfte jedoch mitgeholfen haben, dass die meisten der Hersteller unserer Branche aus den USA kommen und dort der Einbruch früher begann und auch früher wieder aufhörte. Jedenfalls ist davon auszugehen, dass in den Messehallen beste Laune herrscht.

Rapid Prototyping und 3D

Neben der im Convention Center stattfindenden MES-Tagung werden zwei Sonderflächen die Präsentationen der Aussteller ergänzen. Die RapidX zeigt den Ablauf eines Produktentstehungsprozesses, in dem Rapid-Technologien eine große Rolle spielen, anhand des Bionischen Handlingassistenten. Dieser von Festo entwickelte Roboterarm basiert auf einer ganzen Reihe bionischer Funktionsprinzipien, so wird die Bewegung des flexiblen Arms ähnlich gesteuert wie der Rüssel eines Elefanten, während sich die Greiffinger nach dem Prinzip von Fischflossen dem zu greifenden Gegenstand entgegen wölben und diesen sicher fassen.

Entwickelt wird der Arm mit Creo, die Optimierung und Analyse wird Cadfem mit Ansys demonstrieren. Die Software Magics von Materialise bildet dann das Bindeglied zur Lasersinteranlage von EOS, die in diesem Fall nicht Rapid Prototyping, sondern Rapid Manufacturing betreibt, denn der Arm soll serienmäßig in diesem Verfahren hergestellt werden. Festo und das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart gewannen mit dieser Prozesskette den Deutschen Zukunftspreis 2010 .

Schon letztes Jahr war der riesige Quader des Technology Cinema 3D ein Highlight. Hier zeigt eine ganze Reihe von Firmen Technologien und Anwendungen der Virtual Reality und der 3D-Visualisierung im Maschinenbau. Das mehrstufige Konzept der Sonderschau soll den unterschiedlichen Interessen und Kenntnissen der Besucher gerecht werden. Im ersten Bereich »Grundlagen« werden auf brillenlos zu betrachtenden stereoskopischen Displays grundlegende Technologien und deren Einsatz gezeigt.

Stereoskopie in ganz groß

Im zweiten Bereich präsentieren Experten des Fraunhofer IPK, der Firma ci-base, der Innovationsallianz Virtuelle Technologien, der Firma viscon und der Firma Schneider digital ihre Lösungen. Unter anderem finden sich hier HMI-exklusiv ein 152 Zoll großer 3D-Fernseher von Panasonics sowie die schmalste Virtual Reality-Projektion mit einer Bildbreite von 5,90 Meter bei einer Tiefe von lediglich 50 Zentimeter.

An erfahrene Anwender wendet sich der dritte Abschnitt des Technology Cinema 3D, wo Icido und Partner die virtuelle Produktionsplanung mit der Integration von realen Werkzeugen und Maschinenteilen sowie der kompletten Integration eines realen Menschen in die virtuelle Umgebung. Ebenfalls präsentiert wird eine virtuelle Produktpräsentation, die insbesondere an den Schnittstellen zwischen Entwicklung, Produktmanagement, Produktion, Vertrieb und Service eine wesentliche Rolle spielt.

Die MES-Tagung lief in den letzten beiden Jahren so gut, dass sie 2011 erstmals an zwei Tagen durchgeführt wird. Der erste Tag widmet sich den Manufacturing Execution Systemen in der diskreten Fertigung. Referenten unter anderem vom Fraunhofer Institut OSB, Continental und Daimler berichten am 6. April von ihren Erfahrungen, während der 7. April der Nutzung von MES in der Prozessindustrie gewidmet ist. An beiden Tagen beginnt der Kongress erst um 13:30 Uhr, so dass der Vormittag einem Messerundgang gewidmet werden kann.

Alle wichtigen Player versammelt

Bei den Herstellern und Systemhäusern sind ebenfalls interessante Neuerungen zu bestaunen, beispielsweise bei Eplan der in dieser Ausgabe beschriebene Verdrahtungsroboter. Bei PTC steht die Creo-Produktpalette im Mittelpunkt, die erstmals ihren Auftritt auf einer deutschen Messe hat. Dassault wird seine V6-Suite präsentieren, wobei besonderes Aufgenmerk auf Augmented Reality gerichtet wird. Wie jedes Jahr versammelt SolidWorks auch 2011 eine ganze Reihe von Vertriebspartnern auf seinem Stand, um ihre Produkte unter dem Motto »Design better Products« zu zeigen.

Auch der VDMA hat sich wieder eine größere Standfläche auf der Digital Factory reserviert und bietet mit Partnern wie Acatec oder Forcam eine breite Palette an Themen. Autodesk stellt mit diversen Partnern seine Prozesskette im Digital Prototyping vor, ISD zeigt die neuesten Versionen seiner Software, neu auch in der 64bit-Version. Megatech veranstaltet am Messestand einen Wettberwerb Poweruser, bei dem innerhalb von 35 Minuten eine knifflige Konstruktionsaufgabe zu lösen ist. Aus dem Hardwarebereich ist unter anderem PNY mit Grafikkarten vertreten, HP, Objet und Alphacam zeigen 3D-Plotter, 3D Connexion seine 3D-Mäuse.

Die Digital Factory ist wie in den Vorjahren zentral in Halle 17 zu finden.

Erschienen in Ausgabe: 02/2011