Über Buschtrommeln, Branchenblätter und die Vorteile des Suchens

10 Jahre :K

»Die :K ist mir persönlich ans Herz gewachsen, auch weil sie die Menschen hinter den Produkten zeigt.«

10. Februar 2014

Ich gestehe: Als ich damals vor zehn Jahren das erste Musterexemplar der :K in den Händen hielt, fragte ich mich zuerst, wer neben den bereits existierenden Konstruktionszeitschriften noch eine weitere brauche. Oder anders ausgedrückt: mit welchem Alleinstellungsmerkmal es eine neue Zeitschrift in dieser Sparte schaffen wollte, im vorherrschenden Fachpressedickicht ihr Publikum zu finden.

Doch beim Durchblättern wurde mir schnell klar, dass die Redaktion hier tatsächlich etwas Neues anbot: Da waren zuerst die üppigen Abmessungen, die in den vergangenen Jahren nur noch in z-Richtung wuchsen, wodurch die :K nicht nur inhaltliche, sondern auch räumliche Tiefe gewann. Denn das große Format und die offensichtliche Wertschätzung schöner Fotos und Grafiken durch die Redaktion zeigt uns, dass die abgebildete Technik nicht nur zweckmäßig ist, sondern auch einen hohen ästhetischen Reiz besitzt.

Aber noch etwas vermittelte die :K damals schon und heute noch immer, dem von vielen anderen Zeitschriften deutlich weniger Aufmerksamkeit entgegengebracht wurde: In Interviews, Berichten und Portraits zeigte die :K auch die Menschen hinter den Produkten. Der Erfolg dieses Konzepts macht deutlich, dass sich auch die Leser von Konstruktionszeitschriften nicht nur für die Technik, sondern immer auch für die Akteure der aktuellen Entwicklungen und für den Marktkontext interessieren, in dem diese sich bewegen. Bei der :K hat man richtig erkannt, dass das Vertrauenskapital einer Marke immer aus dem Vertrauen herrührt, das die Kunden der Führung und den Mitarbeitern des Unternehmens entgegenbringen. Offensichtlich also haben die Gründer der :K sowohl inhaltlich als auch beim Layout und der Heftgestaltung vieles richtig gemacht. Und damit haben sie auch ein Vorbild für Marktbegleiter geschaffen, von denen einige in Optik und Inhalt denselben Weg einschlugen.

Obwohl es natürlich an dieser Stelle zuallererst um das zehnjährige Bestehen der :K geht, möchte ich dieses Grußwort doch auch zum höheren Lobe der gesamten deutschen Fachpresselandschaft »zweckentfremden«, denn meiner Meinung nach trägt die ungeheurer reichhaltige Vielfalt an branchenspezifischen Publikationen, die in dieser Ausprägung weltweit ein Unikum ist, maßgeblich zum Erfolg des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus sowie unserer Automatisierungstechnik bei.

Wie das? Nun, zuerst müssen wir noch einmal die Frage stellen, wofür die Menschen, die in den angesprochenen Branchen arbeiten, all die Zeitschriften brauchen. Diese Frage ist nicht rhetorisch gemeint, sondern wortwörtlich: Was machen die Menschen damit? Wenn Sie, verehrter Leser, irgendwo in der Entwicklung arbeiten, kennen Sie die Situation: Sie erhalten jeden Tag vermutlich mehrere Zeitschriften, die alle zu lesen ihre knappe Zeit überhaupt nicht gestatten würde. Vielmehr dürften Sie diese Zeitungen wohl »abarbeiten«, in dem Sie sie immer, wo es gerade passt, auf der Suche nach für Sie relevanten Inhalten durchblättern – vielleicht auch nebenbei in der Frühstückspause oder gern bei längeren Telefonaten, die nicht so »prickelnd« sind. Aber auch im Vorbeiblättern erfahren Sie so immer etwas Interessantes oder Neues. Insofern funktioniert der große Zeitschriftenmarkt wie eine ganzjährige Fachmesse für Ingenieure: Hier wie dort ist es immer so, dass man viele Meldungen beziehungsweise Messestände abklappern muss, um auf wenige, dafür aber hochinteressante Entwicklungen, Produkte oder Ansprechpartner aufmerksam zu werden.

Vermutlich werden sich einige Leser jetzt fragen, ob das Internet diese Aufgabe nicht besser leisten kann. Dagegen gebe ich die Nachteile zu bedenken, die das bloße »Finden« gegenüber dem »Suchen« hat – von der Zeitersparnis einmal abgesehen. Denn erst durch das Überblättern stellt man gelegentlich staunend fest, welche Entwicklungen man gerade gar nicht auf dem Schirm hatte, die aber für das eigene Geschäft möglicherweise von großer Bedeutung sind.

Oft bekommt man also dadurch eine Vorstellung von den Dingen, die man nicht weiß, aber wissen sollte. Dagegen erinnert mich die gezielte Produktsuche im Internet an den alten Witz mit dem Betrunkenen, der im Lichtschein unter einer Laterne vergeblich nach seinen Schlüsseln sucht, die er vermutlich ganz woanders verloren hat. Auf die Frage eines Passanten, warum er nicht an der richtigen Stelle suche, antwortet er: »Weil dort kein Licht brennt.«

Insoweit hat auch die wahrhaft große Zahl der deutschen Fachblätter ihre volle Berechtigung. Meine Presseagentur beschickt sicher 400 verschiedene deutschsprachige Zeitschriften und Webportale mit aktuellen Veröffentlichungen unserer Kunden. Trotz der enormen Anzahl an Titeln, unter denen sich auch viele hochspezialisierte Nischen-Sprachrohre befinden, zeigt sich, dass man kaum eine dieser Zeitschriften vernachlässigen darf: Sie alle gehören zu den »Buschtrommeln«, die nach unseren guten Erfahrungen auch bis in die letzten Winkel Deutschlands vernehmbar sind. Sie halten den allgemeinen Informationsgrad in der Wirtschaft auf einem erstaunlich hohen Niveau und leisten dem Ingenieursstandort Deutschland damit unbezahlbare Dienste.

In diesem Sinne – aber auch, weil mir gerade diese gut gemachte Konstruktionszeitung mit dem hohen Wiedererkennungswert ganz persönlich ans Herz gewachsen ist – wünsche ich der :K alles Gute zum Jubiläum. Und da wir voraussichtlich alle länger arbeiten müssen als geplant und ich bis zur Rente noch etwas Anständiges zum Lesen und Durchblättern brauche, stoße ich – auch im schon biblischen Alter von 58 Jahren – auf die nächsten zehn Jahre an.

Ihr und Euer

Rüdiger Eikmeier

Erschienen in Ausgabe: 01/2014