»Über Grenzen hinweg denken«

Rainer Kleber – Bestehendes infrage stellen, ungewöhnliche Wege gehen und andere Sichtweisen wagen. Das sind die Voraussetzungen für die Verwirklichung neuer, außergewöhnlicher Ideen, wie Rainer Kleber sie am liebsten mag.

09. April 2008

Der Konstruktions- und Entwicklungsleiter des Geschäftsbereichs Lineartechnik der Schaeffler KG stammt aus der Produktionstechnik. Rainer Kleber war für alles zuständig, was im weitesten Sinne etwas mit der Welle zu tun hat: angefangen von der Wellenproduktion, über die Wellenführung in Verbindung mit Linearkugellagern, bis hin zur Laufrollenführung und den dazugehörigen Tragschienen und schließlich für die Königdisziplin der Lineartechnik, die Module. Als ehemals Produktionsverantwortlicher weiß Kleber sehr genau, was Konstrukteure alles besser machen können – dabei nimmt er nicht nur die großen Dinge ins Visier: »Neben den gefeierten Innovationen sind es die kleinen Verbesserungen, die dem Kunden oft das Leben erleichtern. Das unscheinbare Bauteil, dem keiner von außen ansieht, welch ungeheure Wirkung es hat.«

Die Schmierstoffreduzierung ist solch ein Fall: Bei herkömmlichen Rollenumlaufeinheiten läuft je nach Einbaulage und Betriebsbedingung der Linearführung der Nachschmierkanal leer. Zur Nachschmierung wird dann mehr Schmierstoff benötigt, als an den Wälzkörpern ankommt. Denn zuvor muss erst wieder der Schmierkanal gefüllt werden. Bei Zentralschmieranlagen kann es dann auch kritisch werden, da diese nur die voreingestellte Menge dosiert abgeben – der Schmierstoff kommt oft nicht direkt zu den Wälzkörpern.

Verstärkt wird dieser Effekt noch durch die 90°-Einbaulage, hier kann es ? je nach Schmierstoffversorgung – dazu kommen, dass die oberen Wälzkörperumläufe nur mangelhaft mit dem notwendigen Schmierstoff versorgt werden. »Bereits bei der Standardlösung der INA-Rollenumlaufeinheit ist der Schmierkanal optimal abgedichtet«, sagt Rainer Kleber. Die Konstruktion hat hier vorgesorgt: Durch die patentierte Ausspritztechnologie des Tragkörpers, die verschiedenen Anschlussmöglichkeiten der Nachschmiermöglichkeiten ? vorne, seitlich und von oben ? und die Konstruktion der Kopfstücke gelangt der Schmierstoff zielgerichtet und lageunabhängig an die richtige Stelle – zu den Wälzkörpern.

»Doch auch hier geht die Entwicklung weiter, denn durch den Einsatz von speziell konstruierten und patentierten Ventilen kann nun optional sichergestellt werden, dass bei egal welcher Einbaulage und Betriebsbedingung nur ein Schmieranschluss pro Wagen notwendig ist, kleinste Dosiermengen realisiert werden und Nachschmiermengen so gering wie möglich sind. Das ist ein großer Schritt nach vorne – mit verhältnismäßig geringem Aufwand.«

Weiteres Ziel für das Entwicklungsteam um Rainer Kleber war die optimale Versorgung aller Wälzkörperumläufe. »So läuft unabhängig von Einbaulage und Betriebsbedingung der Schmierkanal nicht leer,« erklärt der Konstruktionsleiter.

Schließlich sind es schon scheinbar kleine Dinge, die dem Kunden großen Nutzen bringen. Im Falle der sparsamen Schmierstoffdosierung hat sich das Querdenken über die engen Grenzen der Disziplinen hinaus bewährt. »Unser Kreativteam setzt sich aus pfiffigen Kollegen zusammen, die aus der Konstruktion, der Entwicklung oder der technischen Grundlagenforschung kommen.« Wichtig für den Entwicklungschef ist dabei das richtige Klima. Denn gute Ideen entstehen nur in der richtigen Arbeitsatmosphäre, denn auch über Technik kann man unverkrampft reden. »Wir sprechen die am besten geeigneten Kollegen an, und unabhängig von Hierarchien wird miteinander über das technische Problem und die infrage kommenden Lösungswege gesprochen.«

Guten Ideen sind in einem Geschäftsbereich wie der INA Lineartechnik auch eine Frage des gut organisierten Ideenmanagements. Hier sind es oft die kleinen alltäglichen Verbesserungen, von denen die solide Konstruktion guter Produkte lebt. In der Teambesprechung werden Ideen vorgestellt, wie Produkte und Prozesse verbessert werden können. Es werden Vorschläge gemacht und es entstehen viele Ideen für Verbesserungen. So wird zum Beispiel diskutiert, welche Vorteile von einer anderen Fertigungstechnologie oder Geometrie z.?B. für Frontabstreifer bei Umlaufeinheiten zu erwarten sind, je nach Ergebnis der gemeinsamen Abschätzung wird dann ein Projekt gestartet. »Gefragt sind Ideen, die Produkte verbessern und Kunden noch schneller helfen, Probleme zu lösen«, definiert Rainer Kleber die tägliche Herausforderung seines Entwicklungsteams. Dazu gehören auch die regelmäßigen Qualitätsaudits. Dieser Check zeigt, ob das Produkt noch dem Kundenwunsch entspricht und ob es tatsächlich alle geforderten Eigenschaften erfüllt.

»Dabei wird auch das Gute besser«, sagt Kleber, »und die Optimierungen werden auf andere Produkte übertragen. Unser Maßstab ist die Qualität aus Kundensicht, das Eingehen auf die Erwartungen und die Erfordernisse unserer Kunden.« Schließlich möchten die Saarländer aus Homburg und die Mutter aus Herzogenaurach nicht nur gut, sondern ausgezeichnet sein.

Für den Konstruktions- und Entwicklungsleiter ist es Ehrensache, als Entwicklungspartner einen Namen zu haben. »Die vielen Standards für die unterschiedlichsten Branchen schließen keineswegs die Entwicklung auf Sonderwunsch aus. Allerdings bei überschaubarem Risiko. Flexibilität heißt für uns auch, mit dem Kunden gemeinsame Entwicklungen anzupacken.« Peter Schäfer

Zur Person:

- Rainer Kleber studierte Maschinenbau an der THW des Saarlandes mit dem Studienschwerpunkt Konstruktion.

- Gruppenleiter Entwicklung/Konstruktion bei INA Lineartechnik von 1989 bis 1994, danach Produktionsleiter.

- Seit 2007 weltweite Verantwortung für Entwicklung und Konstruktion aller Linearprodukte von INA Lineartechnik.

Erschienen in Ausgabe: 02/2008