Überall im Einsatz

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Gleitlager – In 30 Jahren hat Igus ein riesiges Sortiment an Gleitlagern aufgebaut. Diese finden sich in Tausenden von Anwendungen, wie der aktuelle Manus-Award eindrücklich beweist.

04. Juni 2013

Die Welt der Gleitlager wird entscheidend geprägt durch die Anwendungen, in denen sie vielfältige Anforderungen erfüllen. Das zeigt sich im besten Sinne an den Einsendungen für einen Wettbewerb. Mit dem Manus Award veranstaltet Igus aus Köln alle zwei Jahre einen solchen und der Zulauf war allein von der Menge her beeindruckend. »Mit 437 Einsendungen hat die sechste Ausgabe des Manus ein Rekordergebnis erreicht«, freut sich Geschäftsführer Frank Blase. »Unsere hochkarätige Jury konnte also aus dem Vollen schöpfen, bei so vielen Ideen für den Einsatz von schmierfreien Kunststoffgleitlagern fiel ihnen die Auswahl schwer.« Die Flut der Beiträge zeigt die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten von Kunststoff-Gleitlagern – und sie belegen die Kreativität der Konstrukteure. »Sehr erfreulich war die Internationalität der Teilnehmer«, ergänzt Frank Blase.

Bei so vielen Einsendungen ist die Streuung der Einsatzgebiete enorm und viele sind dem allgemeinen Maschinen- und Anlagenbau recht fern. Der diesjährige Gewinner zum Beispiel, Ulrich Ghisler vom dänischen Unternehmen Thorax Trainer, hat ein neues Trainingsgerät für den Skilanglauf konstruiert. Die Schlitten gleiten dabei durch eine Drylin-Linearführung sehr flüssig und leise auf der Schiene entlang und erzeugen optimale Effekte beim Athleten.

Andere Projektgruppen beschäftigten sich mit Ordnungsmöbeln, Miniaturdampfloks, Tischkickern oder einem Gerät, das den Rücken eines Pferdes simuliert.

Mehr Laufruhe, weniger Reibung

Näher an den Maschinenbau rückt dagegen der silberne Manus. Mit einem neuen druckluftbetriebenen USV-System konnte Christian Geistberger von der Hitzinger GmbH aus Österreich hohe Leistungen und extrem schnelle Reaktionszeiten realisieren. Die Iglidur-Lager in den Klappen des integrierten pneumatischen Drehkolbenmotors sorgen preisgünstig für eine dauerhaft reibungslose Funktion. Erste Versuche mit Carobronze-Buchsen scheiterten, da sich die Lager nach kurzem Einsatz mit Staubpartikeln zusetzten und nicht mehr öffneten.

In die Landmaschinentechnik geht die Bronzemedaille. Andreas Höck von GKN Walterscheid ersann ein neues Lagerkonzept für die hochbeanspruchte Überlastsicherung im Antriebsstrang einer Maschine zur Grünfutterernte. Ziel des Projekts war mehr Laufruhe. Erreicht wurde dies durch ein neues Lagerkonzept, bei dem Iglidur-Gleitlager an die Stelle der bisher eingesetzten Metalllager traten.

Im Manus-Handbuch sind weitere interessante Anwendungen zu finden: In einer Produktionsanlage für Plastikröhren des venezianischen Herstellers Sonzogni Camme sorgen 1.900 Iglidur-Gleitlager dafür, dass die Prozesse auf verschiedenen Maschinen wartungsfrei ablaufen. Die Produktivität hat sich dadurch verfünffacht, bei mehr Qualität und weniger Kosten. Auch im Kunststoffbereich bewegt sich die Maschine von Zemat aus Polen. Hier geht es um Folien; ein System aus Schienen und Lagergehäusen aus Drylin trägt dabei die Heizeinheit. Hier spielte die hohe Beständigkeit gegen Chemikalien eine große Rolle bei der Entscheidung für die Igus-Produkte.

Sehr nah am Alltag ist ein Automat, der die Kappen von Weinflaschen stempelt. Bei der ursprünglichen Inhouse-Lösung waren das Einsetzen der Flaschen und deren Positionierung sehr schwierig und auch die Präzision hat gefehlt, Jetzt geht das dank Drylin-Schlitten sehr viel besser und genauer.

Polymergleitlager übernehmen den sauberen Schnitt in einem Wurstkettentrennautomaten, was früher Mitarbeiter mit einer Art Rasierklinge ausführten. Igus liefert alle Gleitlagerprodukte für den Hersteller Singer & Sohn aus Berching. »Schmiermittel und Abrieb sind bei uns verpönt«, sagt Konstruktionsleiter Dieter Koller. »Darum haben wir die ursprünglichen Nadellager durch Kunststoffgleitlager von Igus ersetzt.«

Ein Beispiel für ein kundenspezifisches Projekt gibt Tobias Vogel, Vertriebsleiter Gleitlager und im 19. Jahr bei Igus: »Eine pendelnde Achse in einem Schwerlastfahrzeug, ein so genanntes Kniegelenk, musste extreme Anforderungen bestehen. Wir waren zu Anfang nicht sicher, ob und mit welchem Werkstoff das funktioniert. Im ersten Schritt haben wir Prototypen entwickelt und spezielle Tests dafür. In einem Vorabversuch haben wir dem Kunden gezeigt, dass sich diese Praxistests lohnen. Man sieht die Verschleißkurven mit metallischen Lagern im Vergleich mit unseren Werkstoffen. Danach hat er das Ergebnis mit der Bebilderung der Lager bekommen und so ist die kundenspezifische Lösung entstanden. Manchmal entwickeln sich daraus auch Neuheiten, die standardisiert im Katalog landen.«

Die Lagerdimensionen reichen von 0,7 bis 200 Millimeter Innendurchmesser. Am unteren Ende steht ein Lager mit 1,2 Millimeter Innendurchmesser für einen Orgelbauer, das in den Umlenkeinheiten aus Holz sitzt. Es ist geräuschfrei, extrem langlebig, preiswert und vom Reibwert konstant. Riesig ist das 195 Millimeter große Lager für die Neigungsverstellung in einem Dreschwerk.

Seit 20 Jahren entwickelt Igus ausschließlich schmier- und damit wartungsfreie Lagerwerkstoffe. Aus dem Ursprung Gleitlager haben sich auch Programme für Linear- und Gelenklager entwickelt. »Wir fertigen keine metallischen Lager, sondern nur welche aus Kunststoff, da wir dadurch umweltfreundlich und in Massenfertigung herstellen können und dieser Werkstoff korrosionsfrei und leicht ist«, sagt Tobias Vogel.

Am Anfang lieferte der Gründer von Igus, Günther Blase, seine Gleitlager an die Hersteller von Textilmaschinen. Nach und nach erweiterten sich die Anwendungsbereiche, beispielsweise in Richtung Automobilzulieferung und Verpackungsmaschinen. Allen Einsatzfeldern ähnlich ist, Werkstoffe oder Lager einzusetzen, die nicht geschmiert werden müssen. Niemand will Fett an Textilien oder Verpackungsgütern und schon gar nicht an Lebensmitteln. Bei Landmaschinen oder Autos wollen die Hersteller große Schmierstoffmengen vermeiden, weil möglichst wenig Wartungsaufwand ein gutes Verkaufsargument ist. In neuerer Zeit steckt auch der Umweltgedanke dahinter.

Die durch Iglidur und Co. ersetzten Materialien sind typischerweise metallische Buchsen, also Lager mit Teflon-Beschichtung, Messing- oder Bronzebuchsen, Sinterbuchsen oder auch gewickelte Ausführungen. »Das Potenzial ist riesig«, sagt Vogel voraus, »heute haben Automobile, Maschinen oder Alltagsgegenstände immer mehr Funktionalitäten, es wird sich immer mehr bewegen, drehen und verstellen lassen. Wir sind da mit unseren Kunststofflagern noch am Anfang, es gibt aber bereits Erfolge.«

Geeignet für Lebensmittel

Aktuelle Entwicklungen gehen in Richtung der weiteren Zertifizierung für die Lebensmitteltechnik. Zwei neue Polymergleitlager-Werkstoffe von Igus etwa eignen sich dank hoher Abriebfestigkeit, geringer Feuchtigkeitsaufnahme sowie Widerstandsfähigkeit gegen Chemikalien vor allem für Anwendungen mit direktem Kontakt zu Lebensmitteln: Iglidur A181 erfüllt die im Vergleich mit der FDA-Regulierung noch strengeren Forderungen der EU-Verordnung 10/2011. Maschinenbauer und Anwender können damit planungssicher neue Maschinen und Anlagen konzipieren oder umrüsten.

Das neue Lowcost-Chemielager Iglidur A160 ist beständig gegen viele Säuren und Lösungsmitteln und somit prädestiniert für Anwendungen in der Lebensmittel- und Verpackungsindustrie. Vorteile des A160 sind laut Igus das gute Preis-Leistungs-Verhältnis, niedrige Reibwerte sowie die hohe Verschleißfestigkeit und Chemikalienbeständigkeit. Somit bildet das neue Lowcost-Chemielager eine Alternative zu Gleitbuchsen aus generischen Kunststoffen. Beide Neuheiten sind tribologisch optimiert, intensiv getestet und ab Juni 2013 in jeweils 12 Standardabmessungen ab Lager verfügbar.

Auch für seine Gleitlager hat Igus Konfiguratoren und Auswahlprogramme entworfen. Tobias Vogel: »Im Rahmen des neu aufgesetzten Iglidur Expertensystems kann der Kunde dank des Lebensdauerberechners 2.0 bestimmen, welcher Werkstoff am besten für eine spezielle Anwendung geeignet ist. Mit dem X-Iglidur erledigt er die Auswahl blitzschnell online und eigenständig, egal ob er fünf, 50 oder 5.000 Stück bestellen will.« Hier hat Igus nach seiner Ansicht ein Alleinstellungsmerkmal: »Selbst bei metallischen Lagern gibt es das nur vereinzelt.«

Breites Spektrum

Im Gesamtlagermarkt sieht sich Igus als kleiner Anbieter. Bei den Kunststofflagern allein ist das anders, sagt Vogel: »Hier sind wir gut aufgestellt, weil wir ein breites Spektrum in vielen Werkstoffen liefern können und das bei einer hohen Verfügbarkeit. Wir müssen uns aber immer wieder erneuern, ständig Neuheiten bringen und uns überlegen, was wir verbessern können«, ergänzt der Vertriebsleiter.

Ein Beispiel ist die Leitfähigkeit, die nicht mit Metall vergleichbar ist, und auch Detektierbarkeit bei Kunststoff ist ein Thema. Aus diesem Grund hat Igus Kunststoffgleitlager-Werkstoffe entwickelt, die diese Anforderungen bereits heute erfüllen und permanent weiterentwickelt werden.

Auf einen Blick

Iglidur-Gleitlager von Igus

- Schmiermittelfrei, wartungsfrei, kostengünstig und vielseitig.

- Einsatzgebiete: Automotive Großserien, Sondermaschinenbau, Unterwasseranwendungen, Lebensmittel- oder Tabakindustrie, extreme Temperatur- und Chemikalienbeständigkeit oder für die einfache Blechdurchführung.

- Lösungen aus dem Katalogprogramm oder als maßgeschneiderte Sonderlösung ab Stückzahl 1.

Erschienen in Ausgabe: 04/2013