Überblick im Datenchaos

PDM - Moderne Produktionsverfahren erfordern auch eine optimale Verwaltung der Produktdaten. Immer mehr Unternehmen verwenden dazu deshalb spezielle Softwarelösungen. Ein aktueller Wettbewerb mehrerer Softwarehersteller beweist, daß gerade mittelständische Unternehmen in diesem Bereich neue Trends setzen.

27. Mai 2005

Die innerbetriebliche Verwaltung von Produktdaten ist nicht mehr allein eine Aufgabe für Großunternehmen, schließlich benötigen auch mittelständische Unternehmen permanent aktuelle und konsistente Informationen über die von ihnen verbauten Hard- und Softwareprodukte: Auch sie unterliegen nämlich immer komplexeren Arbeitsabläufen mit verteilter Entwicklung und Kooperation mit externen Partnern, Kunden und Lieferanten. Zudem werden auch die Produkte selbst immer komplexer, und der Anteil von Elektrotechnik, Elektronik und Software in den Produkten wächst auch im Maschinen- und Anlagenbau mehr und mehr. Auch dies verlangt eine sichere Verwaltung der unterschiedlichen Versionen der verbauten Software und der Steuergeräte auch für die Planung künftiger Entwicklungsprozesse. Nicht zuletzt zwingen der zunehmende Kosten- und Zeitdruck gerade kleinere Firmen um so stärker, ihre Prozesse zu optimieren und ihre Softwarelandschaften zu harmonisieren. Eine entscheidende Rolle bei all diesen Prozessen spielt das elektronische Produktdatenmanagement, kurz PDM genannt.

Der Mittelstand als Vorbild

Die Entwicklung dieses Aufgabenfeldes gerade in der mittelständischen Fertigungsindustrie belegte ein Wettbewerb, der mit einer feierlichen Preisverleihung auf der vergangenen Hannover Messe zu Ende ging: Unter dem Motto ›PDM produktiv‹ prämiierte dort eine Jury aus Vertretern von Wirtschaft, Wissenschaft und Publizistik sechs mittelständische Unternehmen sowie eine Hochschule für ihre vorbildlichen PDM-Projekte. Aus geschrieben hatten den Wettbewerb die PDM-Anbieter Procad, Compass Systems und Microsoft. Unterstützung kam zudem vom VDMA und dem Lehrstuhl für Maschinenbauinformatik der Universität Magdeburg. Insgesamt hatten sich 45 Unternehmen am Wettbewerb beteiligt.

Eines belegen alle eingereichten Projekte: PDM ist mehr als die Verwaltung von Konstruktionsunterlagen. In allen Fällen ging es zwar um die Einrichtung einer unternehmensweiten, zentralen Produktdatenverwaltung, bei der natürlich diejenigen Daten eine hohe Priorität haben, die innerhalb des Entwicklungsprozesses entstehen. Dennoch beschränkte sich keines der Projekte auf die Bereiche Konstruktion oder Produktentwicklung: Die Initiative dazu kam vielmehr aus den unterschiedlichsten Fach bereichen, aus Stabsstellen oder von der Geschäftsführung. Zum Einsatz kommen die Systeme entsprechend im gesamten Unternehmen.

Beim Träger des 3. Preises in der Kategorie »Konzepte«, dem Signaltechnikhersteller Werma im südwürttembergischen Rietheim-Weilheim, war es die Marketingabteilung, die den Stein ins Rollen brachte. Projektziel war hier der Aufbau einer zentralen Produktdatenbank, die zugleich Grundlage für den künftigen Online-Shop mit SAP-Anbindung ist und zudem die Datenausgabe in einem für den Großhandel geeigneten Format erlaubt. Zum Einsatz kommen hier Softwarelösungen von Compass.

Der zweite Preis in dieser Kategorie ging an die Armaturenfabrik Aloys F. Dornbracht in Iserlohn, wo die Geschäftsführung den Anstoß gab. Hier entsteht ein System, das auf einem selbst entwickelten Workflow-Generator auf Basis des Microsoft-Standards .NET basiert und jeden Artikel ohne Datenredundanz durch alle Phasen des Produktlebenszyklus begleitet.

PDM dient allen Unternehmensbereichen

Das beste Konzept und die beste Einführungsstrategie nach Meinung der Juroren präsentierte jedoch die Walter Dittel GmbH aus Landsberg am Lech. Hier kam die Initiative zur Einführung von PDM aus der IT- und Einkaufsleitung, mit Unterstützung durch die Geschäftsleitung. Das Unternehmen arbeitet in den Bereichen Messtechnik und Luftfahrt und produziert mit 102 Mitarbeitern beispielsweise Überwachungssysteme und Geräte für Leistungselektronik und Flugfunk, also hochkomplexe Produkte mit einem hohen Anteil an Software und Elektronik. Für das Projekt holte sich das Unternehmen professionelle Unterstützung bei der Fachhochschule Reutlingen.

In der Kategorie der besten Implementierung und Optimierung einer PDM-Lösung siegte der Industrieanlagenhersteller Taprogge aus Wetter/Ruhr. Das Unternehmen entwickelt Anlagen zur Optimierung von Kühlkreisläufen in Kraftwerken sowie Meerwasserentsalzungsanlagen. Initiator des PDM-Vorhabens waren hier der Vertrieb und die Projektingenieure. Auslöser für die Implementierung des PDM-Systems auf Basis der Procad-Lösung Pro.File waren die Dokumentation für die Anlagen und der ›Papierkram‹, mit dem der Vertrieb zu kämpfen hatte.

Stefan Kühner, Procad

Erschienen in Ausgabe: 04/2005