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Konstruktionsmanagement

Dokumentation – Die Dokumentation einer Anlage und aller ihrer Komponenten kostet viel Zeit und Geld. Eine datenbankgestützte Software hilft bei Erstellung und Pflege von Anlagendokumentationen.

08. November 2010

Eine große Herausforderung für jeden Betreiber einer Industrieanlage ist die permanente Dokumentation aller ihrer Komponenten, vor allem aufgrund von gesetzlichen Bestimmungen und Vorgaben. Die Anlagendokumentation dient jedoch auch einer sicheren Betriebsführung, verbessert die Anlagenverfügbarkeit und vereinfacht zudem Personalschulungen.

Viel Zeit kostet diese Aufgabe vor allem bei verfahrenstechnischen Einrichtungen. In der Prozessautomation besteht die Anlagendokumentation in der Praxis meist aus dicken Ordnern mit Papieren, die unvollständig sind und mit der Realität teilweise nicht übereinstimmen. Oft gibt es zu einer Anlage auch mehrere Dokumentationen, die jedoch nicht alle auf dem aktuellen Stand sind, weil Änderungen aus Zeitgründen nicht überall nachgetragen wurden. Häufig verwendete Dokumente sind zudem meist stark abgenutzt, ständig im Umlauf und stehen teilweise ausgerechnet dann nicht zur Verfügung, wenn sie benötigt werden. Andere Unterlagen sind gar unauffindbar. Unterstützung für den Anlagenbetreiber oder Instandhalter bietet deshalb eine elektronische Anlagendokumentation. Der Prozessmesstechnikspezialist Endress + Hauser aus Weil am Rhein hat dazu das internetbasierte Portal W@M entwickelt, das die Erstellung und Pflege der Anlagendokumentation von Anfang an unterstützt.

Alle Daten abrufbar

Die Basis für das moderne Produktdatenmanagement legt das Unternehmen schon bei der Herstellung der Komponenten. So erzeugt der Mess- und Regeltechnikhersteller für jedes gefertigte Produkt in einer unternehmensweit standardisierten Datenbank einen einmaligen elektronischen Datensatz mit sämtlichen Produktspezifikationen, technischen Merkmalen und Kundendaten sowie allen gerätespezifischen Dokumentationen. Dazu gehören beispielsweise Betriebs- und Montageanleitungen, Sicherheitshinweise, Baumusterprüfungen, Ex- und Materialzertifikate, Kalibrierprotokolle und Parametereinstellungen. Gleichzeitig wird die eindeutige Geräte-Seriennummer mit der Messstellenbezeichnung (TAG-Nummer) aus der Anlage verbunden. Über diese Informationen ist jedes Messgerät eindeutig bestimmt und jedes Dokument gerätespezifisch abrufbar. Zur Erstellung der Dokumentation lassen sich alle Komponenten wie Sensoren, Aktoren, Maschinen oder Pumpen aus einem Projekt bzw. für eine Anlage einfach in eine Datenbank laden. Per Mausklick können danach für jedes Projekt Listen aller eingesetzten Produkte erstellt und exportiert werden. Notwendige Listen für die Ersatzteil- und Ersatzgeräteplanung sind ebenso einfach abrufbar.

Integrierte Datenpflege

Durch die integrierte Lebenszyklusüberwachung aller Produkte von Endress + Hauser hat der Betreiber kaum Aufwand für die Datenpflege während der Betriebsphase. So werden Aktualisierungen von Gerätestammdaten und Dokumentation zentral überwacht, fortgeschrieben und automatisch in die Datenbank eingespielt. Ereignisse wie Produktion, Inbetriebnahme, Wartung und Störungsbeseitigung oder Reparatur sind mit allen Details im Logbuch zum Gerät enthalten. Dem Anwender stehen damit sämtliche vorhandenen Daten, vom Engineering bis zur Inbetriebnahme als elektronische Datenbank für das anlagennahe Plant Asset Management (PAM) per Mausklick aktuell zur Verfügung. Zudem ist durch den eindeutig dargestellten Produktstatus jederzeit ersichtlich, ob das Produkt noch verfügbar ist, eventuell der Produktauslauf angekündigt wurde oder bereits ein Bestellstopp besteht.

Zugleich liefert das System Kennzahlen für die Lager-Bevorratung. So ergibt sich aus der Kombination von Instandsetzungsrisiko und Prozesskritikalität automatisch eine Aussage über die notwendige Lagerbevorratung für jedes einzelne Gerät. Das Instandsetzungsrisiko definiert dabei die Wartungsmöglichkeit eines Gerätes in Abhängigkeit des Alters, der Lebensdauer und der Verfügbarkeit beim Hersteller. Die Prozesskritikalität definiert wiederum das Risiko eines Anlagenstillstands bzw. der Unterbrechung von Betriebsprozessen beim Ausfall eines Gerätes. Einfach ausgedrückt: Bevorratet werden müssen alle Geräte mit hohem Risiko für einen Anlagenstillstand sowie alle Geräte mit hohem Instandsetzungsrisiko. Diese sollten zudem möglichst bald gegen neuere Produkte ausgetauscht werden. Diese Vorgehensweise führt zu einer optimierten Lagerhaltung, die nachhaltig Kosten senken kann.

Trotz dieser vielen Vorteile erfordert eine elektronische Dokumentation keine Pflege oder Verwaltung einer weiteren Datenbank. Stattdessen ermöglicht der Informationsaustausch auf Basis von Web-Services eine Verbindung zu bestehenden Software-Tools für Konstruktion, Beschaffung und Instandhaltung, in denen dann alle relevanten Produktdaten und Dokumentationen automatisch bereitgestellt werden.

Ein Beispiel für diese Einsparung der manuellen Erfassung von Herstellerinformationen im eigenen System liefert das Prozessleitsystem Prodok des Automatisierungsdienstleisters Rösberg Engineering aus Leverkusen. Hier kann der Anwender auswählen, zu welchem Anlagenteil er Informationen benötigt. Das System sucht dann im W@M-Portal nach geeigneten Informationen und listet diese zum Download auf. Danach werden die Daten jedoch nicht nur heruntergeladen, sondern direkt im Produkt integriert. Sind beispielsweise einzelne Geräte mehrfach in der Anlage verbaut, wird die Bedienungsanleitung nur einmal abgespeichert und mit den jeweiligen Geräten verlinkt. Individuelle Informationen zu speziellen Geräten werden direkt beim Gerät hinterlegt. Eindeutig identifiziert werden die Komponenten dabei über die Serien- oder TAG-Nummer. Ruft der Anwender die Dokumente später erneut ab, wird automatisch geprüft, ob es neue Dokumentationsstände gibt.

Immer aktuell

Die elektronische Anlagendokumentation bringt damit gerade in der Prozessindustrie mit ihren komplexen Anlagen und meist sehr umfangreichen Dokumentation erhebliche Vorteile. So bleibt die Dokumentation immer auf dem aktuellen Stand. Zudem senkt der schnelle Zugriff auf Produktinformationen, Dokumentationen, Ersatzteillisten, Bestellreferenzen und auf die Historie der durchgeführten Wartungen einzelner Komponenten die Betriebskosten deutlich. Mögliche Störungen in der Anlage lassen sich mit Hilfe der automatisch erzeugten und bereitgestellten Informationen schnell und präzise beheben, Ersatzteile können schnell identifiziert und beschafft werden, sodass sich die Zeitspanne bis zur Wiederinbetriebsetzung erheblich verringert.

Der schnelle und einfache Abruf von Produktdaten und Dokumentation während des gesamten Anlagen-Lebenszyklus erspart wertvolle Zeit und reduziert die Kosten. Der Anwender erhält volle Transparenz, ohne dabei zusätzlichen Pflegeaufwand zu haben. Die Datenintegration in bestehende Systeme des Anwenders ermöglicht eine Automatisierung des Informationsbereitstellungsprozesses. bt

Auf einen Blick

Die elektronische Anlagendokumentation bietet nicht nur in prozesstechnischen Einrichtungen zahlreiche Vorteile. Mit dem W@M-Portal ermöglicht Endress + Hauser einen einfachen und schnellen Zugriff auf aktuelle Produktinformationen, Dokumentationen, Ersatzteillisten, Bestellreferenzen einzelner Komponenten sowie auf die Historie der durchgeführten Wartungen während des gesamten Lebenszyklus’ einer Anlage. Das Portal bietet so die volle Transparenz über die ein-gesetzten Produkte ohne zusätzlichen Pflegeaufwand. Die Datenintegration in bestehende Systeme des Anwenders automatisiert die Bereitstellung der Informationen. Eine Demonstration der Möglichkeiten des Portals bietet das Internet unter der Adresse www.de.endress.com/demoportal.

Erschienen in Ausgabe: 08/2010