Ungeblendet und geschützt

Spezial

Displays – Neue reflexionsarme Displays sind auch im direkten Sonnenlicht gut abzulesen. Die dazugehörigen HMI-Systeme sind zudem explosionsgeschützt und etwa auf Binnenschiffen im Einsatz.

20. September 2011

Im Freien installierte Bedien- und Beobachtungstechnik gehört in zahlreichen Branchen zum Alltag – vom Öl- und Gassektor über die chemische Industrie bis zur Binnenschifffahrt, oft sogar in Ex-Bereichen. Neben einer Reihe von Anforderungen ist ein Problemfaktor direktes Sonnenlicht, oft kann der Bediener Displays darum sehr schlecht ablesen.

Gleißende Reflexionen auf HMI-Displays erschweren zudem nicht nur die Bedienung von Maschinen oder Anlagen. Bei Systemen, die für kritische Beobachtungsaufgaben eingesetzt werden, können sie auch ein beträchtliches zusätzliches Sicherheitsrisiko mit sich bringen. Da helfen auch überdurchschnittlich leuchtstarke Anzeigen wenig oder spezielle Vorbauten oder extrem helle, aber genauso heiße Backlights.

Polfilter wirksam kombiniert

Ein hoffnungsvoller Ansatz ist der Einsatz von Polarisationsfiltern. Bei den ersten Lösungen war allerdings entweder die Reflexionsunterdrückung zu gering oder die Dämpfung der eigenen Hinterleuchtung der Geräte fiel zu stark aus.

Aktuell haben Forscher mehrere Polarisationsfilter kombiniert und sehr effektiv über- beziehungsweise hintereinander angeordnet. Dieser Kniff zeigt sehr gute Ergebnisse: Das Filterpaket lenkt einfallendes Umgebungslicht wirkungsvoll zur Seite ab, Helligkeit der Hinterleuchtung und Bilddarstellung sind für den Betrachter kaum beeinträchtigt. Es sind zudem keine extrahellen LED erforderlich.

Erste Einsätze

Angeboten wird das neue Display mit 15-Zoll-Diagonale im ersten Schritt für das Modell ET-436 aus der Open HMI-Familie von R. Stahl HMI-Systems in Köln. Horst Friedrich, Director Product Management and Software Development, erläutert: »Die Ex-geschützten Geräte dieser Serie sind mit CPUs der Intel Atom-Baureihe ausgerüstet. Die extrem stromsparende Architektur dieser Prozessoren minimiert interne Wärmeverluste und sorgt dafür, dass im Dauerbetrieb bei bis zu 50 Grad Celsius am Einsatzort durchweg die volle Systemleistung verfügbar bleibt.«

Kurzfristig tolerieren die Geräte der Open-HMI-Familie sogar Temperaturspitzen bis 55 Grad Celsius. Die untere Temperaturgrenze für den Betrieb der Systeme liegt bei 30 Grad Celsius. »Konstruktiv baut die für die Gas- und Staub-Ex-Zonen 1, 21, 2 und 22 zertifizierte Serie auf ein durchdachtes, servicefreundliches Design«, so Friedrich weiter. »Im geschlossenen Gehäuse eines Open HMI finden interne, separat explosionsgeschützte Module Platz, die bei Bedarf einzeln gewechselt werden können.«

Mehrfach zündgeschützt

Zum Einsatz kommen unterschiedliche, jeweils besonders effektive und praktische Zündschutzarten. So sind beispielsweise CPU und Stromversorgungsbaugruppe durch druckfeste Kapselung (Ex d) geschützt, der Inverter hingegen meist durch Verguss (Ex m). Auf Ventilatoren und andere bewegte Teile wird komplett verzichtet. Auch ein Einsatz bei Vibrationen und ähnlichen mechanischen Beanspruchungen in rauer Umgebung sind bei Panel PCs dieser Bauart unproblematisch.

Ihr Touchscreen macht Open HMIs besonders komfortabel – auch Bedienpersonal in Schutzanzügen kann mit Handschuhen noch ohne Schwierigkeiten daran arbeiten. Horst Friedrich umreißt eine weitere wichtige Eigenschaft der Geräte: »Sie bieten dank ihrer offenen Plattform softwareseitig höo2hste Flexibilität und können durch ihr vorinstalliertes Windows-Betriebssystem sofort in Betrieb genommen werden.«

Der Lebenszyklus der Bedienpanels sowie der sonnenlesbaren Displays erstreckt sich auf mehr als 50.000 Stunden.

Erschienen in Ausgabe: 07/2011