»Unser Fokus liegt auf Präzision«

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Patrick Stöber – Die Königsklasse der Antriebstechnik wird bestimmt durch Präzision und Innovationsgeist. Wie Stöber Antriebstechnik es schafft, seit Jahrzehnten in der Top-Liga ganz vorne mitzuspielen verrät Geschäftsführer Patrick Stöber im Interview.

07. April 2009

Herr Stöber, auf Ihrer Webseite steht »Systemtechnik für Antrieb und Automatisierung «. Was verstehen Sie darunter?

Systemtechnik bedeutet bei uns mechatronische Antriebstechnik. Wir kommen ursprünglich aus der Mechanik und haben uns schon sehr früh in Richtung Elektronik bewegt. Heute treiben wir Applikationen an und helfen Kunden, ihre Prozesse zu automatisieren. Dafür bestimmen wir die optimale Auslegung anhand unserer Produktepalette aus Antriebselektronik, Motoren und Getrieben und applizieren diese.

Stöber bietet mit Motoren, Steuerungen und Getrieben ein breites Produktportfolio an. Gab es Meilensteine in der Entwicklung?

Ja: Das im Jahr 1943 entwickelte Verstellgetriebe. Es hat uns über Jahrzehnte einen regelrechten Boom beschert. An diesem Produkt mit seiner stufenlosen mechanischen Regelung erkennt man, dass Stöber von Anfang an auf »Motion Control« setzte. Dieser Trend fand seine logische Fortsetzung im Aufbau der Stöber Elektronik, die 1979 begann. Durch die frühe Zusammenführung der mechanischen und der elektronischen Antriebstechnik besitzen wir heute eine hohen Kompetenz in der Entwicklung und Beratung antriebstechnischer Systeme von der Elektronik bis hin zur Maschinenwelle.

Wie unterscheiden sich Stöber-Produkte in Qualität und Preis vom Mitbewerb?

Sowohl in der einen als auch in der anderen Disziplin sehen wir uns als führend. In puncto Qualität bedeutet dies, dass unsere Produkte auch den höchsten Ansprüchen genügen. Das führt wiederum dazu, dass wir natürlich nicht mit Billiganbietern mithalten können. Unser Fokus liegt auf Qualitätsprodukten und – wie in unserem Unternehmensleitbild festgeschrieben – auf Technologieführerschaft. Unser Kerngeschäft sind Applikationen für höchste Anforderungen; für simple Applikationen sind unsere Produkte »Overkill«. Deshalb überlassen wir dieses Spielfeld auch gerne Billiganbietern.

Wie hart ist der Wettbewerb zwischen den Antriebstechnikern? Und wie schaffen Sie es, immer die Nase vorne zu behalten?

Oben wird die Luft natürlich immer dünner, da auch andere Firmen gute Produkte haben und die Innovationssprünge nicht mehr so groß sind wie noch vor einigen Jahren. Unser Vorteil besteht allerdings darin, dass wir über eine langjährige Kompetenz in der elektrischen und in der mechanischen Antriebstechnik verfügen. Diese Kompetenz hilft uns nicht nur in der Entwicklung mechatronischer Systeme, sondern auch bei der Beratung unserer Kunden. In Zukunft werden sich diejenigen am Markt durchsetzen, die nicht nur gute Produkte anbieten, sondern bei denen auch das Drumherum, wie Anwenderfreundlichkeit, spitze ist.

Welche Services bietet Stöber, die über die klassische Kunden-Hotline hinausgehen?

Neben einer 24-Stunden-Hotline und einem umfangreichen Schulungsprogramm steht unsere hohe Beratungskompetenz im Vordergrund. Sie ist das schlagendes Argument bei der Zusammenarbeit mit Stöber.

Sie betreiben eigene Entwicklungsabteilungen für Software und Elektronik. Welchen Stellenwert nimmt F&E bei Stöber ein?

F&E ist bei Stöber extrem wichtig. Wir haben traditionell eine dynamische Entwicklung im Getriebe- und Motorenbereich, der durch die immer stärker gewordene Elektronikentwicklung ergänzt wurde. Beide Bereiche sind eng miteinander verzahnt, sodass wir unseren Systemvorteil auch entwicklungstechnisch optimal nutzen können.

Wie verläuft in Ihrem Hause ein typischer Entwicklungsprozess neuer Produkte?

Zum einen beobachtet das Produktmanagement- Team den Markt, erfasst neue Trends und entwickelt entsprechende Ideen, die anschließend auf ihre Marktfähigkeit geprüft werden. Neben dem Produktmanagement gehören diesem Team Vertreter der Entwicklungsabteilung, des Vertriebs und die Geschäftsführung an. Zum anderen gibt es eine stark entwicklungslastige Gruppe, die unabhängig von Marktzwängen Ideen generiert. Diese werden später ebenfalls auf ihre Marktfähigkeit abgeklopft. So wird sichergestellt, dass Stöber den aktuellen Marktanforderungen gerecht wird, aber auch über genügend Innovationspotenzial verfügt.

Welche Bedeutung kommt der Mechatronik bei Produktentwicklungen zu?

In der Mechatronik sehe ich einen Teil unseres Marktvorteils, da wir sowohl mechanische als auch elektronische Kompetenz im Hause haben. Es ist immer besser, ein System ganzheitlich zu betrachten, als zu versuchen untereinander fremde Komponenten zu verheiraten. Allerdings ist das eine Herausforderung, da sich Mechaniker und Elektroniker nicht immer ganz grün sind.

Wie hoch ist das Thema »Energieeffizienz« in Ihrem Hause aufgehängt?

Energieeffizienz wird auch bei Stöber immer stärker thematisiert. Eine gewisse Sensibilität ist bei unseren Kunden zwar vorhanden, aber der Leidensdruck scheint noch nicht groß genug zu sein. Wir haben heute bereits die Möglichkeit mit unseren Produkten, die Energieeffizienz vieler Anlagen zu steigern, allerdings ist das immer mit höheren Anschaffungskosten verbunden. Die Bereitschaft, die Total Cost of Ownership über die ganze Laufzeit einer Maschine zu betrachten und Amortisationsrechnungen anzustellen ist noch gering. Erst wenn der Einsatz energieeffizienter Produkte spürbare Vorteile bringt, werden sich energieeffiziente Lösungen flächendeckend durchsetzen. Dabei werden wir unsere Kunden auch unterstützen.

Wie viele Mitarbeiter sind bei Stöber zurzeit beschäftigt und wie begegnen Sie der Schwierigkeit, geeigneten Nachwuchs zu finden?

Wir haben 500 Mitarbeiter in Deutschland. 600 Mitarbeiter weltweit in sieben Tochtergesellschaften. Als mehrfach ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb messen wir dem Thema Ausbildung große Bedeutung bei. Im Moment bilden wir 31 Mitarbeiter aus. Ziel dabei ist es, alle Auszubildenden zu übernehmen. Sollte das nicht möglich sein, bekommen sie zumindest einen Sechsmonatsvertrag, der ihnen den Einstieg bei einem anderen Unternehmen erleichtern dürfte.

Warum ist der Standort Deutschland für Sie so wichtig? Anderswo wäre die Produktion vielleicht kostengünstiger zu realisieren.

Die hohe Produktqualität ist eines unserer wichtigsten Merkmale. Qualität herzustellen bedeutet zum einen natürlich hochwertige Produktionsmöglichkeiten zu haben, zum anderen aber auch gut ausgebildete Mitarbeiter. Hier kommt uns das deutsche Ausbildungswesen zugute. Es wird zwar immer viel gejammert in Deutschland, vieles ist aber alles andere als zum Jammern: Wir haben hier ein hervorragendes Ausbildungssystem, das weltweit seinesgleichen sucht. Dieses zu nutzen verschafft uns als deutsches Unternehmen mit dem Anspruch hochwertige Produkte anzubieten einen großen Wettbewerbsvorteil. Außerdem muss man nicht nur die Herstellungskosten eines Teils im Ausland betrachten, die ja tatsächlich oft vorteilhafter sind als hier in Deutschland. Für eine objektive Abschätzung muss man auch die Kosten für zum Beispiel die Logistik oder die Qualitätskontrolle betrachten. Dann sieht es oft ganz anders aus. Unsere Strategie lautet deshalb ganz klar: Wir bleiben Deutschland treu, und wenn wir etwas verlagern, dann höchstens, weil dies aus Gründen der Marktnähe zu unseren Kunden sinnvoll ist. Dabei steht aber definitiv der Kunde und die Qualität im Mittelpunkt und nicht vorrangig die Kosten.

Bereitet Ihnen Produktpiraterie Kopfzerbrechen? Wie stellen Sie sich dieser Bedrohung?

Die Produktpiraterie ist bei uns kein großes Thema. Es gibt größere Hersteller als uns, die durch ihre Bekanntheit mehr im Fokus von Produktpiraten stehen. Außerdem heben wir uns nicht nur über die Produkte selbst ab, sondern auch über die Breite unseres Produktspektrums und die Kompetenz diese bei unseren Kunden anzuwenden. Somit sind wir nicht so leicht zu kopieren.

In welchen Bereichen sind Sie momentan am erfolgreichsten unterwegs und in welchen möchten Sie noch stärker wachsen?

Die Branchen, in denen wir zurzeit am erfolgreichsten unterwegs sind, sind die Verpackung, Automation/Robotik und Werkzeugmaschinen. Diese Bereiche stehen bei uns auch weiterhin im Fokus, vor allem in puncto Neuentwicklung von Produkten. Wir haben aber unser Ohr ständig am Markt, um rechtzeitig agieren zu können, sollten sich neue interessante Geschäftsfelder auftun.

Welche Entwicklungen kann die Antriebstechnik noch erwarten? Sind weitere »herausragende Innovationen« denkbar?

Herausragende Innovationen zu präsentieren wird vor allem im Komponentenbereich immer schwieriger. Innovation im Komponentenverbund – also im System – anzubieten wird deshalb immer mehr im Fokus stehen. Hierzu zählen auch die bereits erwähnten ›soft facts‹ wie zum Beispiel Bedienerfreundlichkeit, Beratung und auch Kundennutzen. Darauf werden wir uns in Zukunft verstärkt konzentrieren.

Welche Ziele hat sich Stöber für die kommenden Jahre gesetzt?

Unser oberstes Ziel ist die Technologieführerschaft im Bereich eigenständiger Systemlieferanten, wie es auch in unserem Unternehmensleitbild verankert ist. An diesem Ziel werden wir auch zukünftig konsequent weiter arbeiten. Die dazu notwendigen finanziellen Mittel werden durch das stetige Wachstum unseres Unternehmens realisiert. Aktuell haben wir uns dafür ein durchschnittliches Wachstum von acht Prozent pro Jahr vorgenommen. In den letzten wirtschaftlich erfolgreicheren Jahren haben wir dieses Ziel immer bei Weitem übertroffen. Es gilt sich jetzt, in der derzeitig wirtschaftlich schwierigen Situation, so gut wie möglich aufzustellen, um am kommenden Aufschwung bestmöglich partizipieren zu können. Und dafür tun wir im Moment einiges. Unsere Kunden dürfen schon gespannt sein. Ein weiteres Ziel ist der Aufbau weiterer internationaler Präsenzen und damit die Erschließung von zusätzlichen Potenzialen.

Worin liegt das Geheimnis Ihres Erfolgs: Wieso ist Stöber auf dem hart umkämpften Markt ein so erfolgreicher Hersteller von Produkten der Antriebstechnik?

Stöber Antriebstechnik ist ein familiengeführtes Unternehmen in der dritten Generation. Das starke Fundament unseres Unternehmens besteht aus hoch qualifizierten Mitarbeitern, von denen viele schon sehr lange ihr Know-how in die Firma einbringen. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen können wir Entscheidungen langfristig anlegen und müssen uns nicht in erster Linie auf die Maximierung der Quartalsergebnisse konzentrieren. Diese Voraussetzung in Kombination mit einer klaren Fokussierung auf qualitativ hochwertige Produkte und höchste Beratungskompetenz für unsere Kunden lassen uns in unserem 75. Jubiläumsjahr auch in einem etwas schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld positiv in die Zukunft blicken.

Die Fragen stellte Christoph Scholze

Zur Person

Patrick Stöber wurde 1967 in Pforzheim geboren. Nach Ausbildung zum Bankkaufmann studierte er an der TH Karlsruhe Wirtschaftsingenieurwesen.

Stöber verantwortete für zwei Jahre die Vertriebstätigkeit bei Crown in München, bevor er die Leitung der amerikanischen Tochtergesellschaft von Stöber über nahm. Seit 2002 ist er Geschäftsführer der Stöber Antriebstechnik in Pforzheim.

Erschienen in Ausgabe: 02/2009