Vandalen sicher ausgehebelt

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Schließtechnik - Ein neues elektronisches Hebelschloss verzichtet auf einen Hubmagneten und arbeitet stattdessen mit Miniaturelektromotor und Sensor, der die Elektronik aktiviert.

15. April 2009

Wo man früher einen Schlüssel benötigte, reicht heute die Identifikation über eine Smartcard oder einen Transponder. Allerdings sind die traditionellen Elektronikschlösser mit Hubmagneten ausgestattet – ein Prinzip, das in der Schließtechnik zwei Nachteile mit sich bringt: Erstens ist die Wirkung des Magneten temperaturabhängig, weshalb solche Schlösser für draußen nicht geeignet sind. Zweitens müssen die Schlösser für die Montage in zwei Komponenten zerlegt werden, weil der Magnet seitlich neben dem eigentlichen Gehäuse herausragt. Falls das Montagepersonal nicht sorgfältig arbeitet, muss man später nachjustieren, wenn der Magnet wegen mangelnder Passung nicht betätigt wird.

Miniaturmotor statt Magnet

Der im nordrhein-westfälischen Wetter beheimatete Schließanlagenspezialist Burg hat ein elektronisches Hebelschloss kreiert, das mit dem 16/19-Standard-Lochbild kompatibel und nach dem »Plug and Play«-Prinzip in einem Teil montierbar ist. Das spart Zeit und verhindert Montagefehler. Weil sich ein Hubmagnet im Einbauraum eines konventionellen Schließzylinders nicht installieren lässt, verzichtet die Baureihe E-HS einfach auf ihn. Stattdessen treibt ein 4,5-V- Miniaturmotor über ein – ebenfalls miniaturisiertes – Getriebe ein Zahnrad aus einer Kupfer-Beryllium-Legierung an. Wenn der Motor über die Elektronik das Signal zum Freigeben erhält, bewegt sich das Zahnrad und betätigt über einen Zahnkranz eine Kurvenscheibe, die einen präzisen Hub von 2 mm ausführt. Auf diese Weise entsteht eine Verbindung zwischen Knauf und Schloss, und der Bediener kann wie gewünscht das Schloss und damit die Tür öffnen. Nach einer programmierbaren Zeitspanne kuppelt der Freigabemechanismus wieder aus, und das Schloss lässt sich nicht mehr öffnen. Ein weiterer Vorteil: Im geschlossenen Zustand ist der Knauf des Schließsystems frei drehend, und es wird keine Kraft auf den Aktor ausgeübt. Damit wird das Schloss vandalensicher.

Künftig wird es Wertschränke im Einzelhandel sichern. Bei vielen Ladenketten herrscht hier das Vier-Augen-Prinzip: Das Schloss kann nur geöffnet werden, wenn eine zweite Person zugegen ist. Das E-HS-System erleichtert dabei dem Personal die Arbeit: Die zweite Person muss sich nur in der Nähe befinden und braucht nicht die Kasse zu verlassen, um den Schrank zu öffnen.

Zeitgesteuerte Sicherung

Das neue Schloss sichert aber nicht nur abschließbare Spinde und Wertfächer, Türen und Schränke in Verwaltungsgebäuden und Krankenhäusern. Es lässt sich sogar in zeitgesteuerte Schließsysteme integrieren und verhindert, dass Mitarbeiter oder Reinigungspersonal jederzeit Zugang zu allen Bereichen haben. Um zu vermeiden, dass der Stand-by-Betrieb zu viel Energie verbraucht, haben die Entwickler von Burg einen lageunabhängigen, miniaturisierten Vibrationssensor in das Schlossgehäuse integriert. Betätigt jemand den Knauf, registriert der nur 3 x 3 x 2 mm große Sensor das und aktiviert erst dann die Elektronik. Diese Weckfunktion verlängert die Lebensdauer der Batterien beträchtlich.

Olaf Lüling, Burg/aru

Erschienen in Ausgabe: 02/2009