Verhalten sich die Banken in der Krise zielführend?

Pro&Contra

<strong>Kreditvergabe</strong> - Eine Ursache der aktuellen Rezession sind Verwerfungen im Finanzsektor. Verweigern die Banken den Unternehmen auch noch die Kreditmittel?

09. September 2009

Fragt man die Banken, ob sie derzeit eine restriktive Kreditvergabepolitik betreiben, bekommt man als Antwort, dass angesichts der Krise zwar genauer auf die Bonität der Antragsteller geschaut werde, von einer Kreditklemme könne aber keine Rede sein. Die Wahrnehmung der Firmen spricht eine andere Sprache. In einer Konjunktur-Umfrage hat der ZVEI seine Mitgliedsunternehmen Mitte Juni gefragt, ob sie aktuell eine Kreditklemme spüren. 57 Prozent haben dies bejaht: Konditionen werden angepasst, mehr Sicherheiten gefordert, Kreditlinien gekürzt oder nicht mehr verlängert, Laufzeiten verkürzt oder Neuanträge abgewiesen. Dazu passt, dass sich Auslandsbanken massiv zurückziehen, im Bankensektor verloren gegangenes Eigenkapital die Kreditspielräume limitiert, der Markt für Verbriefungen so gut wie tot ist und Kreditversicherer immer zurückhaltender werden. Dramatisch ist die ungünstige Entwicklung: im März haben erst fünf Prozent der Befragten über eine Kreditklemme geklagt. Bei ihrer Rettung haben die Banken ihre Systemrelevanz betont. Zur damit einhergehenden Verantwortung zählt auch: die erfahrene Unterstützung so auszuleben, dass die Unternehmen die Kredite bekommen, die sie brauchen, um die Rezession zu überwinden.

Für die Sparkassen-Finanzgruppe ist die Antwort eindeutig: Bei Sparkassen und Landesbanken ist der Kredithahn weiterhin offen, mit ihnen wird es keine rezessionsverschärfende Kreditklemme geben! So haben allein die Sparkassen von Januar bis einschließlich Mai 2009 den Unternehmen und Selbstständigen 23,5 Milliarden Euro Kreditmittel neu zugesagt, was gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Plus von 6,4 Prozent bedeutet. Zwar ist nicht auszuschließen, dass Betriebe höhere Risikoprämien zahlen bzw. zusätzliche Sicherheiten aufbringen müssen, eine angebotsseitige Kreditrestriktion liegt bei den Sparkassen aber nicht vor! Dies liegt im Geschäftsmodell begründet, das in der Realwirtschaft verankert ist. Sparkassen sammeln Einlagen vor Ort ein und geben sie als Kredite für die regionale Wirtschaft aus. Sie tun dies sehr erfolgreich: drei von vier Unternehmen sind Kunde einer Sparkasse. In Zusammenarbeit mit den Landesbanken halten sie am Kreditbestand für Unternehmen und Selbstständige einen Anteil von mehr als 40 Prozent und mehr als zwei Drittel der Kredite an das Handwerk stammen von ihnen. Sparkassen sind darauf angewiesen, mit der Wirtschaft vor Ort Geschäfte zu machen. Es ist ihr ureigenes Interesse, dem Mittelstand in der Region Finanzierungsmittel bereitzustellen.

Erschienen in Ausgabe: 5-6/2009